Besuch in Bulgarien

28. November 2016

Delegation unter Beteiligung des Ost-Ausschusses reiste zu Gesprächen nach Sofia/ Politische Krise nach den Präsidentschaftswahlen

Ende November 2016 reiste Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms zu Gesprächen nach Sofia. In den Treffen mit Regierungsmitgliedern und Verbänden ging es vor allem um die Entwicklung der bulgarischen Wirtschaft und das Potenzial der bilateralen Zusammenarbeit.

Begleitet wurde der Ost-Ausschuss-Geschäftsführer von Helge Tolksdorf, dem Leiter des Referates Südosteuropa, EU-Erweiterung und Türkei im Bundeswirtschaftsministerium, sowie von Maxi Hinze, Referatsleiterin Ost-und Südosteuropa sowie Zentralasien im Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). In einem Briefing mit dem deutschen Botschafter Detlef Lingemann informierte sich die Delegation über die aktuelle politische Situation des Landes nach den Präsidentschaftswahlen, deren Ausgang zum Rücktritt von Premierminister Boiko Borisov geführt hatte.

Darüber hinaus gab es Gespräche mit Vertretern des bulgarischen Arbeitgeberverbandes und der Handelskammer, die von der Deutsch-Bulgarischen Auslandshandelskammer (AHK) organisiert wurden und in denen sich die deutschen Gäste über die wirtschaftliche Situation und die Wachstumspotenziale des Landes aus bulgarischer Sicht informierten. Einigkeit herrschte darüber, dass die makroökonomischen Daten für Bulgarien gut seien. Gleichwohl fehlt es an signifikanten Fortschritten auf wichtigen Reformfeldern. Zugleich droht ein Arbeitskräftemangel, bedingt durch den demografischen Wandel und die Migration, der sich nachhaltig auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken könne. Auch für bulgarische Unternehmen steht deshalb das Thema Aus- und Weiterbildung und hier insbesondere die berufliche Bildung ganz oben auf der Agenda.

Herausforderung Bildung

Der bulgarische Vize-Premierminister Tomislav Donchev unterstrich bei einem Treffen mit der deutschen Delegation, dass die wesentlichen wirtschaftlichen Herausforderungen auch aus Sicht der Regierung im Bereich Bildung lägen und hob die Bedeutung der Implementierung der beruflichen Bildung hervor. Ziel müsse es sein, auf dem Arbeitsmarkt neue Impulse zu setzen, was die Mobilität und Qualifizierung von Arbeitskräften anbelangt. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung setze man auf die Reindustrialisierung und sei mit den Lohnkostenvorteilen gerade im Bereich Automotive gut aufgestellt. Weitere Potenziale lägen in der IT, der Elektroindustrie sowie der chemischen Industrie.

Vize-Wirtschaftsminister Ljuben Petrov verwies auf die neue Strategie zur Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen. Man habe außerdem eine Strategie zur Entwicklung von Forschung und Entwicklung abgestimmt, die zugleich ein Konzept zur Regionalentwicklung beinhalte. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Branchen Mechatronik, IT und Creative Economy sowie der Biotechnologie. Abgerundet wurde die Delegationsreise durch einen Besuch bei Lufthansa Technik, die mit mehr als 1.000 Mitarbeitern am Standort Sofia den Hub des Unternehmens in der Region bildet und an einer Ausweitung und Vertiefung der Aktivitäten interessiert ist.

Abzuwarten bleibt, wie und wie schnell Bulgarien aus der aktuellen politischen Krise kommen wird. Dies umso mehr, als der Ost-Ausschusses gemeinsam mit weiteren Partnern für das kommende Jahr ein Deutsch-Bulgarisches Wirtschaftsforum sowie weitere Formate zur Stärkung der bilateralen Wirtschaftszusammenarbeit plant. Schließlich haben sich die deutsch-bulgarischen Wirtschaftsbeziehungen in den vergangenen Jahren erfreulich gut entwickelt. So wurden im Jahr 2015 Waren im Wert von mehr als 6,2 Milliarden Euro gehandelt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres erreichte der Handel bereits ein Volumen von 4,8 Milliarden Euro und legte damit im Vergleich zum Vorjahr um fast 14 Prozent zu.

Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft