Roter Faden Diversifizierung

1. September 2016

Turkmenistan will mit deutscher Hilfe seine Wirtschaft umbauen/ Deutsch-Turkmenisches Wirtschaftsforum in Berlin

Die Wirtschaftsdynamik in Turkmenistan ist aktuell ein gutes Stück von den über viele Jahre zur Gewohnheit gewordenen zweistelligen Zuwachsraten entfernt. Im ersten Halbjahr 2016 nahm das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach offiziellen Angaben um 6,2 Prozent zu. Der anhaltende Ölpreisverfall und die Konjunkturabkühlung bei wichtigen Handelspartnern sind an dem Land, das in hohem Maße auf den Export von Energieträgern angewiesen ist, nicht spurlos vorbeigegangen. Das Thema „Diversifizierung der Wirtschaft“ zog sich daher wie ein roter Faden durch die Vorträge auf dem Deutsch-Turkmenischen Wirtschaftsforum, das der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft am 29. August in Berlin organisierte. Rund 200 Teilnehmer waren gekommen, um sich über den turkmenischen Markt und das Potenzial der deutsch-turkmenischen Wirtschaftszusammenarbeit zu informieren.

Ost-Ausschuss-Vorstandsmitglied Jürgen Fitschen (Deutsche Bank) wies zur Begrüßung darauf hin, dass Zentralasien und Turkmenistan eine der wirtschaftlich dynamischsten Regionen der Welt sei, die darüber hinaus noch über umfangreiche Energie- und andere Rohstoffe verfüge. Die deutsche Wirtschaft sehe sich bei der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes als „erstklassiger Partner Turkmenistans“. Vize-Premierminister Batyr Atdayev verlas ein Grußwort des turkmenischen Präsidenten Gurbanguly Berdymuhammedov, in dem dieser Deutschland als einen der wichtigsten Partner in der internationalen Zusammenarbeit bezeichnete und auf zahlreiche Projekte in den Bereichen Infrastrukturausbau, Energiesektor, Telekommunikation und Landwirtschaft hinwies, an denen sich deutsche Unternehmen beteiligen können. „Unser Land ist offen für eine Partnerschaft“, betonte der Präsident. Bereits heute gibt es nach turkmenischen Angaben 167 Investitionsprojekte mit deutscher Beteiligung im Umfang von 555 Millionen Euro in Land. Die deutschen Ausfuhren dorthin sind im ersten Halbjahr 2016 um 37 Prozent auf 192 Millionen Euro gestiegen.

Stabile Rahmenbedingungen angemahnt

Die Notwendigkeit der Diversifizierung, um die Abhängigkeit von Energieträgern zu überwinden, unterstrich auch der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Uwe Beckmeyer, der zuvor bereits Gespräche mit Präsident Berdymuhammedov geführt hatte. Er mahnte zugleich die Wahrung der Menschenrechte und stabile Rahmenbedingungen an: „Insbesondere Mittelständler reagieren allergisch auf bürokratische Hemmnisse und Devisenbeschränkungen“, so Beckmeyer. Mit dem Managerfortbildungsprogramm leiste das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie einen wichtigen Beitrag zur weiteren Entwicklung der turkmenischen Wirtschaft. Manfred Grundke (Knauf), Länderkreissprecher für Zentralasien im Ost-Ausschuss, hob hervor, dass Turkmenistan für deutsche Unternehmen in den letzten Jahren immer wichtiger geworden sei. Als „natürliches Bindeglied zwischen Europa und Asien“ böten sich Chancen beim Ausbau der Infrastruktur und in der Logistik. Nicht zuletzt sei Turkmenistan auch ein wichtiger Absatzmarkt etwa für die Leichtindustrie, die Konsumgüterindustrie, die Ernährungswirtschaft und den Einzelhandel.

In mehreren Vorträgen, die gemeinsam von Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms und Handels- und Außenwirtschaftsminister Dovran Orazmyradov moderiert wurden, stellten die Vize-Premierminister Batyr Atdayev, Yagshigeldy Kakayev und Bashimmyrat Hojamammedov die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und wichtige Investitionsprojekte in unterschiedlichen Branchen vor. Das Wachstum der Wirtschaft werde durch die Entwicklung der Industrie und durch Investitionen vorangetrieben. Dabei setze Turkmenistan auf Importsubstitution und den Import von Investitionsgütern. Dass der Energiesektor weiter ein wichtiges Rückgrat der Wirtschaft bleiben wird, machte Vize-Premier Kakayev deutlich, der Projekte in dieser Branche und die Bemühungen um eine Diversifizierung der Energieexportrouten vorstellte. Dazu gehört der geplante Bau der TAPI-Pipeline nach Indien.

Im Rahmen des Wirtschaftsforums wurde außerdem ein gutes Dutzend Wirtschaftsverträge und -vereinbarungen unterschrieben. So unterzeichnete Ost-Ausschuss Mitglied Siemens eine Absichtserklärung über gemeinsame Projekte mit dem turkmenischen Gaskonzern Turkmengaz. So wurde auf dem Forum nicht nur das Potenzial der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen beschworen, sondern auch gleich konkrete Projekte vereinbart.

Christian Himmighoffen
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft