„Eckstein der Stabilität“

15. Juni 2016

Georgien will mit verlässlichen Rahmenbedingungen punkten/ Georgia-Germany Business Forum in Berlin

140 Teilnehmer kamen am 15. Juni ins Hotel Palace in Berlin, um sich über Marktchancen und Rahmenbedingungen in Georgien zu informieren. Das von der georgischen Botschaft, dem EU-Georgia Business Council und East Invest organisierte Georgia-Germany Business Forum wurde vom Ost-Ausschuss unterstützt.

Der georgische Botschafter Lado Chanturia unterstrich zu Beginn die Bedeutung der deutsch-georgischen Wirtschaftsbeziehungen. 340 deutsche Unternehmen seien in Georgien sehr erfolgreich aktiv, darunter die Ost-Ausschuss-Mitglieder Knauf und Heidelberg Cement. Chanturia erinnerte daran, dass das erste georgische Unternehmensgesetz 1994 mit deutscher Unterstützung entstanden sei. Deutschland ist Georgiens sechstgrößter Handelspartner. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2015 bei rund 454 Millionen Euro. Wichtigste Exportgüter Georgiens nach Deutschland sind Nahrungsmittel, Textilien, Erdöl sowie Nichteisenmetalle. Deutschland führt Kfz und Kfz-Teile, Maschinen, chemische Erzeugnisse sowie Nahrungsmittel, Elektronik und Elektrotechnik aus.

Der georgische Ministerpräsident Giorgi Kvirikashvili bezeichnete Georgien als „Eckstein der Stabilität in einer schwierigen Region“. Er verwies auf die Dynamik der deutsch-georgischen Wirtschaftsbeziehungen, die sich unter anderem in steigenden deutschen Direktinvestitionen im Land niederschlügen. Kvirikashvili stellte ein Vier-Punkte-Reformprogramm seiner Regierung vor, das unter anderem Steuer- und Rentenreformen und die Entwicklung des lokalen Kapitalmarkts umfasst. Zu den besonders perspektivreichen Branchen seines Landes zählte er Landwirtschaft, Tourismus und Erneuerbare Energien. Zudem will sich das Kaukasus-Land als Logistikhub und als „Schlüsselspieler im Rahmen der Seidenstraße“ positionieren. Dazu ist der Ausbau der Straßen-, Schienen- und Hafeninfrastruktur im Rahmen des TRECECA-Transportkorridors, der Europa über den Kaukasus mit Asien verbindet, im Gang. Dazu komme auch ein Netz von Freihandelsabkommen unter anderem mit China und der EU. „Die europäische und euroatlantische Wahl ist unumkehrbar und der Wille des georgischen Volkes“, sagte Kvirikashvili.

Vordere Plätze

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Landes und die Erfahrungen dort tätiger Unternehmen vorgestellt. Im Doing-Business-Index der Weltbank, der jährlich die Rahmenbedingungen für die Geschäftstätigkeit misst, belegt Georgien in vielen Kategorien vordere Plätze, etwa bei der Geschäftsgründung (Platz sechs weltweit). Giorgi Pertaia, Direktor der georgischen Investitionsagentur, wies auf die Anfang 2017 anstehende Steuerreform hin, die eine Absenkung der Gewinnsteuer auf reinvestierte Gewinne auf Null vorsieht. Georgien selbst sei zwar ein kleiner Markt, ermögliche aber durch zahlreiche Freihandelsabkommen den Zugang zu 900 Millionen Menschen.

Michael Hampel, Generaldirektor von Heidelberg Cement, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum auf dem georgischen Markt feiert und dort bisher über 250 Millionen Euro investiert hat, gab einen Einblick in die Marktchancen. Der Zementhersteller profitiert dabei vom Infrastruktur- und Wohnungsbau im Land und will bis 2018 weitere 100 Millionen Euro in Georgien investieren. Hampel hob insbesondere die europäisch orientierten Menschen und die politische Stabilität im Land hervor, die eine wichtige Voraussetzung für langfristige Investitionen sei. So stünden den Unternehmen ein Ombudsmann und die Investitionsagentur als verlässliche Ansprechpartner zur Verfügung: „Diese kommen und gehen nicht mit der Regierung.“

Christian Himmighoffen
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft