Agrarwirtschaft: Der Ost-Ausschuss als Partner des deutschen und osteuropäischen Agribusiness

Das deutsche Agribusiness engagiert sich seit 2001 als Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft mit dem Ziel, die Entwicklung der Landwirtschaft, Fischerei und Verarbeitungsindustrie in Osteuropa zu unterstützen. Führende Verbände und Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft finanzieren das Koordinierungsbüro der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft, das aus dem Sekretariat der Arbeitsgruppen Landwirtschaft und Ernährungsindustrie beim Deutsch-Russischen und Deutsch-Ukrainischen Kooperationsrat hervorgegangen ist. Die AG Agrarwirtschaft begleitet das wirtschaftliche Engagement von Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft in den Partnerländern durch die Vertretung ihrer wirtschaftspolitischen Interessen, durch die Bereitstellung von Informationen und die Vermittlung von Kontakten zu Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Neben den Schwerpunktländern Russland und Ukraine konnte 2007 ein weiteres Koordinierungsbüro für Südosteuropa eingerichtet werden, das im Rahmen des Kooperationsprogramms des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gefördert und von den Verbänden und Unternehmen des deutschen Agribusiness finanziert wird.

Glänzende Geschäftsaussichten für das deutsche Agribusiness in Russland und der Ukraine

Der Agrarsektor in Osteuropa hat sich in den letzten Jahren beeindruckend entwickelt. Russland und die Ukraine sind zu den weltweit wichtigsten Getreideexporteuren neben den USA, Kanada, Brasilien und Argentinien aufgestiegen. Auch Kasachstan hat großes Potenzial. Wichtige Stellschrauben für die Entwicklung der Landwirtschaft sowie die Erschließung von Absatzmärkten sind dabei zum einen die Modernisierung der Produktion, zum anderen die Senkung der durch mangelnde Infrastruktur und Bürokratie verursachten hohen Transaktionskosten.

Russland hat sich in den vergangenen zehn Jahren für viele Branchen des deutschen Agribusiness zum wichtigsten Absatzmarkt außerhalb der EU entwickelt. Im Jahr 2011 exportierte die Branche Agrarrohstoffe, Konsumgüter, Saatgut, Zuchttiere sowie Maschinen und Anlagen im Wert von drei Milliarden Euro und stellte damit fast zehn Prozent der deutschen Gesamtexporte nach Russland. Russland und die Ukraine sind zudem wichtige Länder für deutsche Direktinvestitionen im Agrar- und Ernährungssektor. So hat bereits eine Reihe von Unternehmen der deutschen Milch- und Landtechnikindustrie in lokale Produktionsstandorte in den Wachstumsmarkt Russland investiert. Die beiden Länder konnten zudem erfolgreich deutsche Unternehmen und Landwirte gewinnen, die in der Region mittlerweile geschätzte 400.000 Hektar Ackerland bewirtschaften. Rund 40 deutsche Landwirte und Unternehmen haben in der Ukraine in landwirtschaftliche Betriebe mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 2.000 bis 3.000 Hektar investiert. In Russland engagieren sich vorwiegend größere Investoren wie das Unternehmen EkoNiva in der Milch- und Rindfleischproduktion sowie das Unternehmen Tönnies im Bereich der Schweinefleischproduktion.

Aktivitäten der Arbeitsgruppe

Im Rahmen der bilateralen Gremienarbeit der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft gab es im Berichtszeitraum Treffen zur Weiterentwicklung der Zusammenarbeit im Bereich Landtechnik, Saatgut, Tierzucht sowie zu Fragen der Förderpolitik und der Agrarmärkte. Mit Veranstaltungen wie der Konferenz „Large-Farm-Management“ am 19. September 2012 in Kiew und der Osteuropa-Konferenz am 13. November 2012 im Rahmen der Agritechnica bot die Arbeitsgruppe Möglichkeiten für einen Informations- und Erfahrungsaustausch zu Fragen der effizienten Betriebsführung und Modernisierung im Agrar- und Ernährungssektor. Im Rahmen des von der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft initiierten Trainee-Programms, dass von der APOLLO e. V. mit Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz durchgeführt wird, konnten sich zwölf Agrarabsolventen aus Russland, der Ukraine und Belarus auf Führungsaufgaben in deutschen Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft vorbereiten.

Wirtschaftsmotor einer gesamten Region – der Wachstumsmarkt in Südosteuropa

Auch die meisten Länder Südosteuropas verfügen über hervorragende klimatische und geografische Voraussetzungen zur Entwicklung der Landwirtschaft und Ernährungsindustrie, die in der Region wegen ihres hohen Anteils am Bruttoinlandsprodukt zu den wichtigsten Wirtschaftssektoren gehören. Angesichts der steigenden Nachfrage von 55 Millionen Konsumenten in der Region und auf den Weltagrarmärkten hat der Sektor insbesondere im Zuge des EU-Erweiterungsprozesses gute Chancen, sich in den nächsten Jahren zum Wachstumsmotor zu entwickeln.

Bisher haben die Länder Südosteuropas ihr Potenzial zur Entwicklung der Landwirtschaft und Verarbeitungsindustrie nur bedingt genutzt. Bis auf Serbien sind alle Länder der Region Nettoimporteure von Agrarprodukten. Ursachen hierfür sind eine geringe Produktivität, bedingt durch die starke Fragmentierung landwirtschaftlicher Nutzflächen, fehlende Technik, Arbeitskräftemangel infolge von Landflucht und vergleichsweise hohe Produktionskosten. Zudem ist die Region nach wie vor von den Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise sowie der Dürre des Sommers 2012 betroffen, die zu Ernteeinbußen zwischen 17 und 20 Prozent geführt hat. Der von der serbischen Regierung erlassene Exportstopp für Ölsaaten und Zucker hat sowohl zu hohen Verlusten für deutsche Unternehmen als auch zu einem Verlust von Vertrauen in den Handelspartner Serbien geführt.

Um der zunehmenden Liberalisierung des Marktes sowie dem damit stetig steigenden Wettbewerbsdruck gerecht zu werden, stehen den Ländern der Region im Zuge des EU-Beitrittsprozesses sowie aus den Struktur- und Kohäsionsfonds vielfältige Fördermittel zur Verfügung, die es zu nutzen gilt. Hier ergeben sich auch für das deutsche Agribusiness vielfältige Chancen. Mit Innovationen, Investitionen, Technologie- und Know-how-Transfer sowie Aus- und Weiterbildung können deutsche Unternehmen einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung Südosteuropas leisten und im Gegenzug einen wachsenden Markt in der europäischen Nachbarschaft erschließen.

Schwerpunkte der Arbeitsgruppensitzungen in den Kooperationsräten waren insbesondere die weitere Zusammenarbeit im Bereich Landtechnik und Tierzucht, die Gestaltung der nationalen Programme zur ländlichen Entwicklung und damit die Nutzung von Fördermitteln sowie die besondere Thematik der Aus- und Weiterbildung im landwirtschaftlichen Sektor. Im Rahmen einer Veranstaltung auf der Messe Eurotier in Hannover im November 2012 wurden der Stand und die Entwicklungsperspektiven im Bereich der tierischen Produktion in den Mittelpunkt gestellt. Die Kooperations- und Absatzchancen für frisches Obst und Gemüse auf dem europäischen Markt wurden bei einer Kroatien-Veranstaltung auf der Fruit Logistica, dem führenden internationalen Branchentreffen zum Fruchthandel in Berlin, thematisiert. Ein regelmäßiger Newsletter informiert über aktuelle Entwicklungen im Bereich Agrarpolitik, Fördermittel und Agrarwirtschaft in den Partnerländern.

Die Verantwortung Osteuropas zur Sicherung der Welternährung

Die Zusammenarbeit im Agrar- und Ernährungssektor im Sinne einer Modernisierungspartnerschaft gehört zu den strategischen Schwerpunkten des Ost-Ausschusses. Da die Agrarpolitik und die nachhaltige Modernisierung der Landwirtschaft in Osteuropa angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Agrarrohstoffen zunehmend von globaler Bedeutung ist, engagiert sich der Ost-Ausschuss als Träger des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA), das jährlich zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin stattfindet.

Vom 17. bis 19. Januar 2013 trafen sich in diesem Jahr 80 Landwirtschaftsminister mit ihren Delegationen sowie mehr als tausend Wirtschaftsvertreter und Experten zum Thema „Verantwortliche Investitionen in Agrar- und Ernährungswirtschaft - Schlüsselfaktor für Ernährungssicherung und ländliche Entwicklung“. Der Ost-Ausschuss beteiligte sich mit der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft an einer Reihe von internationalen wirtschaftspolitischen Veranstaltungen im Rahmen des Fachprogramms des GFFA und führte bilaterale Gespräche mit zahlreichen Delegationen aus den Partnerländern.

Im Rahmen des Regionalpodiums Südosteuropa wurde auf dem GFFA eine aktuelle Studie des Ost-Ausschusses zu Chancen und Herausforderungen für Investitionen sowie Kooperationsansätze in der Agrar- und Ernährungswirtschaft Südosteuropas vorgestellt, die in Zusammenarbeit mit der Standing Working Group for Rural Development (SWG) und der GIZ erstellt wurde. Beim Fachpodium zum Thema „Entwicklungspartnerschaften zwischen Staat und Wirtschaft - Motor für nachhaltige Agrarinvestitionen“ wurden die Erfahrungen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft vorgestellt und neue Ansätze diskutiert. Im Rahmen des erstmals in Zusammenarbeit mit dem Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) durchgeführten Regionalpodiums Osteuropa/ Zentralasien diskutierten die Vize-Landwirtschaftsminister aus Russland, der Ukraine und Kasachstan mit Wirtschaftsvertretern die aktuellen Finanzierungsmöglichkeiten für Investitionen im Bereich Agrar- und Ernährungswirtschaft als Voraussetzung für die Entwicklung ländlicher Räume in der Region.

Unter dem Thema „Investing in Food Security: Growing Needs and Opportunities“ diskutierten am 19. Januar 2013 in der Telekom-Repräsentanz in Berlin im Rahmen des Internationalen Wirtschaftspodiums hochrangige Redner die Voraussetzungen und Chancen für mehr Investitionen in die Landwirtschaft. Im Rahmen eines gemeinsamen Abendempfangs trafen die internationalen Delegationen des Berliner Agrarministergipfels mit internationalen Wirtschaftsvertretern zusammen, um Kontakte zu knüpfen und die Diskussion über den Beitrag von Politik und Wirtschaft bei der Entwicklung des Agrarsektors zu vertiefen.

Engagement des deutschen Agribusiness im Ost-Ausschuss hat Modellcharakter

Die von der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss entwickelte Zusammenarbeit im Agrar- und Ernährungssektor kann einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Welternährung leisten. Angesichts der zunehmend internationalen Ausrichtung des deutschen Agribusiness haben daher die Trägerverbände und Mitgliedsunternehmen der AG Agrarwirtschaft vereinbart, als German Agribusiness Alliance zukünftig auch internationale wirtschaftspolitische Themen im Bereich der Agrar- und Ernährungswirtschaft über die Partnerländer des Ost-Ausschusses hinaus zu koordinieren. Hierzu wurde im vergangenen Jahr ein weiteres Koordinierungsbüro mit Schwerpunkt China und Indien in Zusammenarbeit mit dem OAV - German Asia Pacific Business Association - in Hamburg eingerichtet. Ergänzend hat die Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft gemeinsam mit der Abteilung Handel- und Entwicklungspolitik des BDI einen Arbeitskreis Entwicklungspartnerschaften im Agrarund Ernährungssektor initiiert, um die Aktivitäten und Förderprogramme des BMELV und BMZ im Bereich internationale Zusammenarbeit sowie Public-Private-Partnership-Programm vorzustellen und zu diskutieren.

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Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft Dr. Thomas Kirchberg. Foto: Peter Himsel
Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft Dr. Thomas Kirchberg. Foto: Peter Himsel

Kontakt

Ihre Ansprechpartner für den Bereich Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss finden Sie hier.
 
Struktur der AG Agrarwirtschaft
Vorsitzende der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft:
Dr. Thomas Kirchberg, Vorstandsmitglied der Südzucker AG
Dr. Franz-Georg von Busse, Geschäftsführer der LEMKEN GmbH & Co. KG
 
Mitglieder der Arbeitsgruppe:

  • Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tierzüchter e.V. (ADT)
  • AHT Group AG
  • Alfred C. Toepfer International GmbH
  • BASF ZAO
  • Bayer CropScience AG
  • Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP)
  • Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels e.V.
  • Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e.V. (BVEO)
  • BVVG, Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH Berlin
  • Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
  • Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft e.V. (DLG)
  • DMK Deutsches Milchkontor GmbH
  • Deutscher Raiffeisen und Genossenschaftsverband e.V. (DGRV)
  • EkoNiva
  • GEA Farm Technologies GmbH
  • German Seed Alliance GmbH
  • GFA Consulting Group GmbH
  • KTG Holding GmbH
  • KWS Saat AG
  • OSI International GmbH
  • Riela Karl-Heinz Knoop e. K.
  • Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Fachbereich Landtechnik
  • Verein der Zuckerindustrie e.V.

 

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