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Agrarwirtschaft: Der Ost-Ausschuss als Partner des deutschen und osteuropäischen Agribusiness

Seit 2001 engagiert sich das deutsche Agribusiness mit der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft mit dem Ziel, die Entwicklung der Landwirtschaft, Fischerei und Verarbeitungsindustrie in den Partnerländern zu unterstützen. Führende Verbände und Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft finanzieren das Koordinierungsbüro der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft, das aus dem Sekretariat der Arbeitsgruppen Landwirtschaft und Ernährungsindustrie beim Deutsch-Russischen und Deutsch-Ukrainischen Kooperationsrat hervorgegangen ist. Neben den Schwerpunktländern Russland und Ukraine unterstützt die Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Rahmen eines Kooperationsprojektes des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) die Entwicklung der deutschen Wirtschaftsbeziehungen im Agrar- und Ernährungssektor mit Südosteuropa. Aufgrund der zunehmend internationalen Ausrichtung des deutschen Agribusiness befindet sich zurzeit ein weiteres Koordinierungsbüro der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft mit Schwerpunkt China und Indien im Aufbau, das beim OAV – German Asia Pacific Business Association - in Hamburg angesiedelt wird.

Die Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft setzte sich im Rahmen der Agrar-Ausschüsse mit Russland und der Ukraine sowie den Kooperationsräten mit Südosteuropa für eine Modernisierungspartnerschaft im Agrarsektor als Motor für die ländliche Entwicklung in den Partnerländern ein. Mit Veranstaltungen und Rundtisch-Gesprächen wurden in den zurückliegenden zwölf Monaten vielfältige Möglichkeiten für den Erfahrungsaustausch und den wirtschaftspolitischen Dialog angeboten. Das Trainee-Programm der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft qualifizierte erstmals erfolgreich Absolventen landwirtschaftlicher Hochschulen aus Russland, der Ukraine und Belarus für eine Tätigkeit in deutschen Unternehmen, die sich in Investitionsprojekten in den Partnerländern engagieren.

Der Ost-Ausschuss ist mit der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft Träger des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA), das zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin stattfindet. Am GFFA 2012 zum Thema „Ernährungssicherung durch nachhaltiges Wachstum – Landwirtschaftliche Nutzung knapper Ressourcen“ nahmen vom 19. bis 21. Januar 2012 mehr als 1500 Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, darunter Landwirtschaftsminister aus mehr als 60 Ländern, teil. Höhepunkt des GFFA waren neben dem Berliner Agrarministergipfel wieder ein hochrangiges Wirtschaftsforum mit dem Titel „Food Security and Green Economy: Challenges and Chances“ und der Abendempfang der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft in der Telekom-Repräsentanz im historischen Zentrums Berlins.

Beitrag zur Sicherung der Welternährung

Durch Investitionen in die Modernisierung der Landwirtschaft konnten insbesondere Russland und die Ukraine die Agrarproduktion in den vergangenen Jahren deutlich steigern. Nach Meinung der FAO und der Weltbank können beide Länder durch die effiziente Nutzung moderner Agrartechnologien und die Entwicklung ihrer Infrastruktur die Agrarexporte in den nächsten Jahrzehnten weiter verbessern und damit eine entscheidende Rolle bei der langfristigen Sicherung der Welternährung spielen. Nach dem Dürresommer und dem drastischen Einbruch der Getreideproduktion im Jahr 2010 stellte Russland in der Erntesaison 2011/2012 mit 25 Millionen Tonnen einen neuen Getreideexport-Rekord auf. Die Ukraine, die nach internationalen Protesten, an denen sich auch der Ost-Ausschuss beteiligt hatte, auf die geplante Einrichtung eines staatlichen Getreideexportmonopols verzichtete, wird in dieser Saison insgesamt 23 Millionen Tonnen Getreide exportieren und damit ebenfalls ein hervorragendes Ergebnis erzielen.

Eine zunehmend wichtigere Rolle bei der Entwicklung der Landwirtschaft in Russland und der Ukraine spielen großflächige landwirtschaftliche Betriebe von teilweise mehr als 100.000 Hektar Land – sogenannte Agrarholdings. Die Konferenz „Large-Farm-Management“, die der Ukrainian Agribusiness Club am 15. September 2011 in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft mit dem Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa in Kiew organisierte, führte mehr als 150 Entscheidungsträger aus ukrainischen Agrarbetrieben und Managementexperten aus Deutschland, Russland und Argentinien zusammen, um internationale Erfahrungen bei der effizienten Betriebsführung großer landwirtschaftlicher Betriebe insbesondere auch in Hinblick auf den Einsatz moderner Agrartechnologien zu diskutieren.

Aufgrund der Prognosen zur mittel- bis langfristig steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen sind Agrarinvestitionen zunehmend in den Fokus internationaler Investoren gerückt. So gelang es einer Reihe von großen russischen und ukrainischen Agrarunternehmen, ihre Aktien erfolgreich an internationalen Börsen zu platzieren. Verstärkt entwickeln auch ausländische Investmentgesellschaften Agrarprojekte in der Region. Mit der Veranstaltung „Perspektiven für Investoren auf den Agrarmärkten in Russland und der Ukraine“, die am 29. September 2011 in Zusammenarbeit mit dem BMELV und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW in Frankfurt veranstaltet wurde, bot die Arbeitsgruppe aktuelle Informationen zu den politischen Rahmenbedingungen, Wirtschaftlichkeitsanalysen sowie Praxisberichte von Investoren.

Deutsche Agrartechnologie und Know-how, angefangen von Landtechnik über Pflanzen- und Tiergenetik bis hin zu Pflanzenschutzmitteln, wird in Osteuropa und Zentralasien zunehmend von Landwirten bei der Modernisierung ihrer Betriebe nachgefragt. Im Rahmen der internationalen Leitmesse Agritechnica in Hannover informierten sich daher zahlreiche Delegationen aus den Partnerländern des Ost-Ausschusses über die neuesten technologischen Entwicklungen im Bereich Landtechnik. Die Landwirtschaftsminister aus Russland und der Ukraine erörterten im Rahmen der Osteuropa-Konferenz der Agritechnica, die von der Arbeitsgruppe zusammen mit der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und dem Fachverband Landtechnik im VMDA am 16. November 2011 ausgerichtet wurde, welchen Beitrag Russland und die Ukraine durch die Modernisierung ihrer Landwirtschaft zur Sicherung der Welternährung leisten können.

Agrarpolitik zwischen Modernisierung und Marktregulierung

Die Agrarpolitik in Osteuropa und Zentralasien steht vor der Herausforderung, sowohl die Entwicklung einer modernen und leistungsfähigen Landwirtschaft und die Erschließung von Exportmärkten zu fördern als auch die Versorgung der Bevölkerung mit günstigen Grundnahrungsmitteln zu gewährleisten. Mit Sorge beobachtet die AG Agrarwirtschaft daher die zunehmenden Maßnahmen zur Regulierung der Agrarmärkte mit planwirtschaftlichen Ansätzen. Im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) 2012 führte die Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft ein Regionalpodium Osteuropa und Zentralasien mit Beteiligung der Landwirtschaftsminister aus Russland, der Ukraine und Kasachstan sowie dem Präsidenten der EBRD durch, um mit Rückblick auf die Erfahrungen mit der Einführung von Exportbegrenzungen im Jahr 2010/2011 die Agrarmarktpolitik der Partnerländern im Agrar- und Ernährungssektor sowie deren Auswirkungen auf Investitionen im Agrarsektor zu erörtern.

Trotz aller positiven Entwicklungen - wie zum Beispiel der deutlichen Steigerung der Exporte von Getreide und Ölsaaten aus der Region - sind auch zukünftig umfangreiche Investitionen notwendig, um die Produktivität zu steigern und Einkommen in ländlichen Gebieten zu schaffen. Mit dem WTO-Beitritt Russlands in diesem Jahr wird sich die russische Land- und Ernährungswirtschaft verstärkt dem internationalen Wettbewerb stellen müssen. Hierzu wird eine Neuausrichtung der russischen Agrarpolitik insbesondere durch einen ungehinderten Zugang importierter Agrartechnologien zu den nationalen Förderprogrammen einen entscheidenden Beitrag leisten müssen. Da in der Ukraine erneut die geplante Aufhebung des Moratoriums für den Handel mit landwirtschaftlichen Flächen scheiterte, werden hier weitere Anstrengungen notwendig sein, um einen breiten Kompromiss im Bereich der Bodengesetzgebung zu finden. Eine wichtige Rolle wird auch das geplante Landwirtschaftsgesetz der Ukraine spielen. Vor diesem Hintergrund wird die Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Sinne ihrer Mitglieder auch im kommenden Jahr ihre Kontakte zu agrarpolitischen Entscheidungsträgern in Deutschland und den Partnerländern pflegen und ausbauen, um sich für gute Rahmenbedingungen zur Entwicklung der Landwirtschaft, Fischerei, Ernährungsindustrie und des Handels in den Partnerländern einzusetzen.

 

Bericht zum GFFA 2010 

Bericht zum GFFA 2011

 

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Franz-Georg von Busse, Sprecher der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses auf der Grünen Woche 2009. Foto: David Ausserhofer.
Franz-Georg von Busse, Sprecher der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses auf der Grünen Woche 2009. Foto: David Ausserhofer.

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