Aserbaidschan

Stand: September 2015

Aserbaidschan nimmt seit 2009 am EU-Programm der Östlichen Partnerschaft teil, zählt unter den sechs beteiligten Ländern im Grad der Intensität der Zusammenarbeit aber zu den Nachzüglern. Ein Assoziierungs- und Partnerschaftskommen mit der EU nach dem Vorbild der Ukraine, Moldaus und Georgiens ist derzeit nicht abzusehen. Trotz guter Beziehungen zu Russland hat das Land auch keine Pläne, der von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion beizutreten.

Wirtschaftsentwicklung

Das aserbaidschanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent zu. Der massive Rückgang des Ölpreises dürfte dem Land, das in hohem Maß von Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor abhängt, 2015 zu schaffen machen. Das Wachstum wird sich nach Einschätzung der EBRD auf 1,5 Prozent nahezu halbieren. Der Ölpreisverfall und der Wertverlust der Währungen wichtiger Partnerländer führte im Februar 2015 zu einer Abwertung des heimischen Manat. Die soliden Devisenreserven und der nationale Ölfonds federn die Wirkungen des Ölpreisverfalls zwar ab. Das beachtliche Wachstum außerhalb des Energiesektors, wo insbesondere Bauwirtschaft und Dienstleistungen eine tragende Rolle spielen, reicht aber nicht aus, um die ölpreisbedingte Konjunkturabkühlung aufzufangen, zumal sinkende Devisenzuflüsse aus dem Öl- und Gasexport den Rahmen für die Finanzierung von Infrastruktur- und anderen Projekten einengen.

Aserbaidschan verfügt über beachtliche Öl- und Gasressourcen, die das Land zu einem wichtigen Exporteur machen. Die EU will mittelfristig mehr Gas aus dem Land beziehen, um ihre Abhängigkeit von Russland zu reduzieren. Eine anhaltende Herausforderung ist die Diversifizierung der Wirtschaft. Besonderer Nachholbedarf besteht in der der Infrastruktur, der Industrie und im Bereich erneuerbare Energien.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Aserbaidschan ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner im Südkaukasus. Der deutsch-aserbaidschanische Handel legte 2010 bis 2013 stetig zu, musste aber 2014 einen Rückgang hinnehmen. Die deutschen Exporte erreichten 2014 einen Wert von 782 Millionen Euro, ein Minus von 5,3 Prozent. Deutsche Firmen liefern vorrangig Maschinen, Ausrüstung und Transportmittel nach Aserbaidschan. In der Rangfolge der Lieferländer des Kaukasusstaates liegt Deutschland mit einem Anteil von etwa 7,5 Prozent an vierter Stelle hinter Russland, der Türkei und Großbritannien. Aus Aserbaidschan bezieht Deutschland in erster Linie Öl und Ölprodukte. Aufgrund der sinkenden Preise reduzierten sich die deutschen Importe aus Aserbaidschan wertmäßig um 2,6 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Damit war Aserbaidschan der achtgrößte Rohöllieferant Deutschlands.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Im September 2014 fand in Baku die reguläre Sitzung der hochrangigen Arbeitsgruppe „Handel und Investitionen“ mit Aserbaidschan statt. Der Ost-Ausschuss nahm als Vertreter der Wirtschaft an der Sitzung teil und vertrat Unternehmenspetita. Vom 1. bis 3. September 2014 führte eine Ost-Ausschuss-Delegationsreise unter Leitung von Geschäftsführer Rainer Lindner nach Aserbaidschan, die gemeinsam mit dem Deutsch-Aserbaidschanischen Forum organisiert wurde. Im Januar 2015 nahm der Ost-Ausschuss-Geschäftsführer an einem Treffen mit Staatspräsident Alijew anlässlich von dessen Besuch in Berlin teil