Aserbaidschan

Stand: September 2017

Aserbaidschan nimmt seit 2009 am EU-Programm der Östlichen Partnerschaft teil, zählt unter den sechs beteiligten Ländern im Grad der Intensität der Zusammenarbeit aber zu den Nachzüglern. Ein Assoziierungs- und Partnerschaftskommen mit der EU nach dem Vorbild der Ukraine, Moldaus und Georgiens ist derzeit nicht abzusehen. Trotz guter Beziehungen zu Russland hat das Land auch keine Pläne, der von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion beizutreten.

Wirtschaftsentwicklung

Aserbaidschans Wirtschaft leidet sichtbar unter dem Ölpreisverfall. Die fehlenden Exporteinnahmen, gekürzte Staatsausgaben sowie erhebliche Kaufkrafteinbußen aufgrund der starken Abwertung des Manats sorgen für Bremsspuren beim Wirtschaftswachstum. Die Investitionen – ein wichtiger Wachstumstreiber der vergangenen Jahre – sind stark eingebrochen. 2016 weist die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) einen deutlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 3,1 Prozent aus, im laufenden Jahr soll sich dieser dank anziehender Ölpreise auf -0,5 reduzieren. Erst 2018 erwartet die EBRD wieder ein Wachstum von zwei Prozent. Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft, das rund zwei Drittel der gesamten Industrieproduktion ausmacht, werden auch dieses Jahr noch auf Talfahrt sein. 2018 ist dann die Inbetriebnahme des Erdgasfelds Shah Deniz geplant.

Größte Herausforderung für die Regierung in Baku bleibt die Diversifizierung der Wirtschaft. Die Modernisierung muss vorangetrieben und die Produktivität im Nichtölsektor deutlich gesteigert werden. Entwicklungspotenzial bieten vor allem die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie. Von höchster wirtschaftlicher Priorität für die Regierung ist der Bau des südlichen Gaskorridors. Das 40-Milliarden-Dollar-Projekt soll 2020 Erdgas aus Aserbaidschan in die EU bringen. Die Trans-Anatolische Pipeline (TANAP) und die Trans-Adriatische Pipeline (TAP) werden Aserbaidschan über Georgien, die Türkei, Griechenland und Albanien mit Italien verbinden. Aserbaidschan ist zudem ein wichtiger Teil der „Neuen Seidenstraße“, die Europa mit Asien verbinden soll. Daher wird in den Ausbau der Verkehrswege investiert.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Aserbaidschan ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner im Südkaukasus. Der deutsch-aserbaidschanische Handel legte 2010 bis 2013 stetig zu, musste aber seit 2014 einen Rückgang hinnehmen. Im vergangenen Jahr lag der bilaterale Handelsumsatz laut Statistischem Bundesamt bei insgesamt 1,9 Milliarden Euro, fast eine Milliarde Euro weniger als im Jahr zuvor. Deutschland war 2016 nach Italien, der Türkei und Taiwan aber immer noch der viertgrößte Absatzmarkt Aserbaidschans. Die deutschen Importe, fast ausschließlich Erdöl, fielen 2016 allerdings um 26 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Die deutschen Exporte sanken sogar um über die Hälfte auf 320 Millionen Euro. Aus Deutschland werden in der Hauptsache Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, Maschinen sowie Nahrungsmittel nach Aserbaidschan geliefert.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Im Juni 2016 war der Ost-Ausschuss gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Organisator des Deutsch-Aserbaidschanischen Wirtschaftsforums in Berlin mit Präsident Alijew und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Am selben Tag fand ein Ost-Ausschuss-Unternehmergespräch mit Präsident Alijew statt. Im November 2016 fand die Sitzung der Regierungsarbeitsgruppe Handel und Industrie in Baku statt. Im März 2017 besuchte Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Harms Baku, um sich über die Pläne zur Diversifizierung der Wirtschaft zu informieren.

Quellen: OWC, GTAI, EBRD, IWF, Nationales Statistikamt, Statistisches Bundesamt