Aserbaidschan

Stand: August 2016

Aserbaidschan nimmt seit 2009 am EU-Programm der Östlichen Partnerschaft teil, zählt unter den sechs beteiligten Ländern im Grad der Intensität der Zusammenarbeit aber zu den Nachzüglern. Ein Assoziierungs- und Partnerschaftskommen mit der EU nach dem Vorbild der Ukraine, Moldaus und Georgiens ist derzeit nicht abzusehen. Trotz guter Beziehungen zu Russland hat das Land auch keine Pläne, der von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion beizutreten.

Wirtschaftsentwicklung

Aserbaidschans Wirtschaft leidet sichtbar unter dem Ölpreisverfall. Die fehlenden Exporteinnahmen, gekürzte Staatsausgaben sowie erhebliche Kaufkrafteinbußen aufgrund der starken Abwertung des Manats sorgen für Bremsspuren beim Wirtschaftswachstum. Die Investitionen – ein wichtiger Wachstumstreiber der vergangenen Jahre – sind stark eingebrochen. Für 2016 erwartet die EBRD einen deutlichen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um drei Prozent, bevor es im kommenden Jahr dank anziehender Ölpreise wieder leicht aufwärts gehen soll. Der erneut aufgeflammte Berg-Karabach-Konflikt mit Armenien ist allerdings ein Risiko für die Wachstumsprognose.

Größte Herausforderung für die Regierung in Baku bleibt die Diversifizierung der Wirtschaft. Die Modernisierung muss vorangetrieben und die Produktivität im Nichtölsektor deutlich gesteigert werden. Entwicklungspotenzial bieten vor allem die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie. Von höchster wirtschaftlicher Priorität für die Regierung ist der Bau des südlichen Gaskorridors. Das 45-Milliarden-Dollar-Projekt soll 2020 Erdgas aus Aserbaidschan in die EU bringen. Die Trans-Anatolische Pipeline (TANAP) und die Trans-Adriatische Pipeline (TAP) werden Aserbaidschan über Georgien, die Türkei, Griechenland und Albanien mit Italien verbinden. Aserbaidschan ist zudem ein wichtiger Teil der „Neuen Seidenstraße“, die Europa mit Asien verbinden soll. Daher wird in den Ausbau der Verkehrswege investiert.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Aserbaidschan ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner im Südkaukasus. Der deutsch-aserbaidschanische Handel legte 2010 bis 2013 stetig zu, musste aber seit 2014 einen Rückgang hinnehmen. Im vergangenen Jahr lag der bilaterale Handelsumsatz laut Statistischem Bundesamt bei insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Deutschland ist nach Italien der zweitgrößte Absatzmarkt Aserbaidschans. Die deutschen Importe, fast ausschließlich Rohöl und Ölerzeugnisse, fielen 2015 allerdings um neun Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro. Die deutschen Exporte sanken um zwölf Prozent auf 684 Millionen Euro. Aus Deutschland werden in der Hauptsache Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, Maschinen sowie chemische Erzeugnisse nach Aserbaidschan geliefert.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Der Ost-Ausschuss organisierte am 1. Oktober 2015 gemeinsam mit dem Deutsch-Aserbaidschanischen Forum und dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium eine Unternehmerreise nach Baku, an der sich zehn Unternehmen beteiligten und Kooperationsmöglichkeiten mit dem Kaukasusstaat eruierten. Im November 2015 beteiligte sich der Ost-Ausschuss an der Sitzungen der bilateralen Regierungsarbeitsgruppe mit Aserbaidschan. Im Januar 2016 gab es ein Treffen des Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Büchele mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew anlässlich dessen Besuches auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Im Mai 2016 fand ein Runder Tisch zu Kooperationsmöglichkeiten mit Aserbaidschan im Pharmasektor statt, den der Ost-Ausschuss gemeinsam mit NRW.Invest und dem Wirtschaftsministerium Nordrhein-Westfalens in Berlin organisiert. Anfang Juni 2016 war der Ost-Ausschuss gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Organisator des Deutsch-Aserbaidschanischen Wirtschaftsforums in Berlin mit Präsident Alijew und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Am selben Tag fand ein Ost-Ausschuss-Unternehmergespräch mit Präsident Alijew statt. Im Herbst 2016 steht die Sitzung der Regierungsarbeitsgruppe Handel und Industrie mit Aserbaidschan an, bei der der Ost-Ausschuss Unternehmensinteressen vertritt.

Quellen: OWC, GTAI, EBRD, IWF, Nationales Statistikamt, Statistisches Bundesamt