Aserbaidschan

Stand: August 2011

Als einer der Top-3 Ölexporteure im postsowjetischen Eurasien hat Aserbaidschan sehr vom weltweiten Bedarf nach Energieressourcen profitiert. Nach internationalen Schätzungen hat das Land Ölreserven im Bereich von 7 bis 13 Milliarden Barrel. Aserbaidschan verfügt zudem über beachtliche Gasressourcen.
Aserbaidschan ist ein westlich orientiertes Land und bestrebt, eine wettbewerbsfähige Industrie und einen entwickelten Dienstleistungssektor außerhalb der Öl- und Gaswirtschaft aufzubauen. Die vorhandenen Währungsreserven ermöglichen der Regierung weitreichende Investitionen sowie eine deutliche Erhöhung staatlicher Sozialleistungen und Gehälter.
 Die Aussichten für 2012 sind stabil. Der IWF geht davon aus, dass das BIP in nächsten Jahren solide wachsen wird. Die Aserbaidschanischen Behörden rechnen insbesondere mit dem Wachstum des Nicht-Öl-Sektors, wobei die steigende Inflation das Land vor Herausforderungen stellt.

Wirtschaftsentwicklung

Die Einnahmen des Landes hängen stark von den Ölpreisen ab. Bei relativ stabiler Produktionsmenge ist die Wirtschaft Aserbaidschans in den letzten Jahren stark gewachsen. Das BIP erhöhte sich im Jahr 2010 um fünf Prozent, wobei sich das Wirtschaftswachstum nach den überragenden Wachstumsraten der Jahre 2005 bis 2007 verlangsamt hat. In den nächsten Jahren bzw. bis zur Inbetriebnahme neuer Förderkapazitäten für Erdgas voraussichtlich ab 2014 wird erwartet, dass die Wachstumsraten weiterhin moderat bleiben.  
Die Exporte stiegen gemäß den Angaben der Zentralbank im Jahr 2010 um 25,5 Prozent. Die Einfuhren im Jahr 2010 könnte mit einem Plus von 3,6 verbucht werden. Der Bankensektor ist weiterhin fragmentiert und ineffizient und bedarf an Reformen.
Die Hauptherausforderung des Landes bleibt weiterhin die Diversifizierung der Wirtschaft. Besonderer Nachholbedarf besteht in den derzeit stark wachsenden Bereichen der Telekommunikation und Infrastruktur, sowie bei der Privatisierung der Großindustrie. Diese Bereiche eröffnen attraktive Möglichkeiten für den Markteinstieg deutscher Unternehmen. 
Die Regierung von Aserbaidschan verfolgt das Ziel, der Welthandelsorganisation beizutreten.
Im Doing Business Report der Weltbank, der seit dem Jahr 2003 erstellt wird und die Investitionsbedingungen in 183 Ländern der Welt überprüft, gehörte Aserbaidschan in den vergangenen Jahren zu den Ländern, die die größten Sprünge nach vorne gemacht haben. Im Ranking 2011 rangiert Aserbaidschan auf Rang 54 und schneidet in den Kategorien „Kreditvergabe“, „Registrierung von Eigentum“ und „Geschäftsgründung“ besonders gut ab. Durch die Einrichtung eines „One-Stop-Shop“-Verfahrens wurden hier der Zeitaufwand und die Kosten erheblich gesenkt. In der Kategorie „Investitionsschutz“ erreicht Aserbaidschan Platz 20 – und liegt damit deutlich vor vergleichbaren Ländern der Region. Positiv schlagen hier insbesondere das Gesetz zum Schutz von Minderheitsbeteiligungen und die Einrichtung eines Wirtschaftsgerichtes in Baku zu Buche. Defizite werden von der Weltbank beim grenzüberschreitenden Handel, bei der Erteilung von Baugenehmigungen und beim Steuersystem gesehen.

Wirtschaftbeziehungen zu Deutschland

Nach Russland und der Türkei war Deutschland für Aserbaidschan im Jahr 2010  der drittwichtigste Lieferant. Die deutschen Exporte nach Aserbaidschan stiegen im Jahr 2010 um über 70 Prozent auf rund 736 Millionen Euro. Besonders groß ist die Nachfrage nach Maschinen, Kraftwagen, Zulieferteilen, Elektrotechnik und chemischen Erzeugnissen. Die größte Dynamik zeigt sich aber im Bereich Eisen und Stahl, wo sich die Ausfuhren nach Aserbaidschan verachtfachten. Auch der deutsche Import, der 2009 um 36,2 Prozent eingebrochen war, wuchs im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro. Insgesamt vergrößerte sich der Außenhandelsumsatz beider Länder um 25 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro.
Aserbaidschan bietet  überdurchschnittlich gute Handels- und Investitionsmöglichkeiten für die deutsche Wirtschaft, da die Nachfrage nach Importgütern kontinuierlich steigt und Investitionsprojekte im Tandem mit der Azerbaijan Investment Company (AIC) interessante Geschäftschancen erkennen lassen. Die Bundesrepublik unterstützt deutsche Investoren in Aserbaidschan mit den deutsch-aserbaidschanischen Investitionsschutz- und Doppelbesteuerungsabkommen.
Aserbaidschan braucht ausländische Investitionen, um die verarbeitende Industrie zu Modernisieren, eine moderne Transportinfrastruktur zu errichten, die Kapazitäten für die Energieerzeugung und -verteilung zu erneuern und eine leistungsfähige Dienstleistungswirtschaft aufzubauen. Angesichts der notwendigen Diversifizierung der Wirtschaft ist Aserbaidschan auf Wissenstransfers in den Industriezweigen Petrochemie, Chemie/Pharmazie, Maschinenbau, Baustoff-, Textil-, Bekleidungs-, Kfz- und Lebensmittelindustrie besonders angewiesen und bietet somit Potential für R&D Partnerschaften mit deutschen Unternehmen.
Groß ist auch das Interesse Aserbaidschans an der Nutzung erneuerbarer Energien für die Strom-, Warmwasser- und Wärmeversorgung. Schon weit fortgeschritten sind die Vorbereitungen für den Bau eines Windkraftparks mit einer Gesamtleistung von bis zu 60 MW im Landkreis Gobustan unweit der Hauptstadt Baku.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Am 5. Mai 2011 empfing der Ost-Ausschuss den aserbaidschanischen Minister für Wirtschaftliche Entwicklung, Shahin Mustafayev, zu einem Arbeitsessen, in dessen Rahmen sich Vertreter von über 15 deutschen Unternehmen mit der aserbaidschanischen Delegation austauschen konnten. 
Am 19. Mai 2010 beteiligte sich der Ost-Ausschuss zudem am Wirtschaftstag Aserbaidschan im Rahmen der Global Business Week in Frankfurt. Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Lindner hielt dabei einen Vortrag zum Thema „Investieren in Aserbaidschan: Risiken und Perspektiven für die deutsche Wirtschaft“.  

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Statistik

Präsident: Ilham Alijew
Regierungschef: Artur Rasisade
Hauptstadt: Baku
Bevölkerung, 2011: 8,27 Mio. (Schätzung)
Nominales BIP, 2010: 54,37 Mrd USD
BIP pro Kopf, 2010: 5.722 USD
BIP-Wachstum, 2010: 5,0 %
BIP-Wachstum, 2011: 0,5 % (Schätzung)
BIP-Wachstum, 2012: 4,0% (Schätzung)
 

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus AZ, 2010: 1,29 Mrd. Euro
Exporte nach AZ, 2010: 0,73 Mrd. Euro
 

Quellen:
Statistisches Bundesamt, EBRD, WorldStat, Weltbank, CIA
 

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"Insgesamt bietet Aserbaidschan überdurchschnittlich gute Investitions- und Handelsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen."