Bosnien-Herzegowina

Stand: September 2015

Seit dem Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahr 1995 setzt sich Bosnien-Herzegowina aus zwei Entitäten zusammen – der Föderation von Bosnien und Herzegowina und der Serbischen Republik, die beide jeweils über eine eigene sowie gemeinsam über eine gesamtstaatliche Exekutive und Legislative verfügen. Zudem übt ein Hoher Repräsentant als Vertreter der internationalen Gemeinschaft faktisch einen Teil der Staatsgewalt des Landes aus. Bosnien-Herzegowina ist ein potenzieller EU-Beitrittskandidat. Am 1. Juni 2015 ist das bilaterale Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU in Kraft getreten, das eine Freihandelszone der EU mit Bosnien-Herzegowina schafft.

Wirtschaftliche Entwicklung

Im Mai 2014 wurde Bosnien-Herzegowina von einer verheerenden Flutkatastrophe heimgesucht, die volkswirtschaftliche Schäden im Umfang von fast 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verursachte. Die Wirtschaft erholte sich zwar schneller als erwartet von den Auswirkungen der Überschwemmungen und dürfte 2014 um 1,3 Prozent gewachsen sein, was aber hinter den ursprünglichen Erwartungen von einem Wachstum von fast zwei Prozent lag. Dazu trugen vor allem die Exporte und der Einzelhandel bei. 2015 wird das BIP nach Schätzung der EBRD um 2,5 Prozent zulegen. Dazu tragen die Investitionen im Zuge der Wiederaufbauarbeiten und der großen teils bi- und multilateral finanzierten Infrastrukturprojekte (Kraftwerksbau, Ausbau des Paneuropäischen Verkehrskorridors Vc) bei. Unterstützung kommt auch vom robusten Wachstum der Güter- und Dienstleistungsexporte. Rund 72 Prozent der Ausfuhren gehen dabei in die EU. Dagegen erweist sich der private Verbrauch bei einer Arbeitslosenquote von rund 28 Prozent sowie stagnierenden Einkommen als weniger dynamisch. Obendrein wird das wirtschaftliche Potenzial weiterhin durch die komplizierten politischen Strukturen ausgebremst.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutsche Unternehmen übernahmen nach dem Ende des Krieges in Bosnien-Herzegowina eine Vorreiterrolle und investierten insbesondere in die produzierende Industrie des Landes. Der Warenaustausch zwischen beiden Staaten intensivierte sich in den letzten Jahren und so gehört Deutschland inzwischen zu den wichtigsten Handelspartnern Bosnien-Herzegowinas und war 2014 vor Italien, Kroatien und Serbien der wichtigste Absatzmarkt des Landes. Auch unter den Lieferländern belegte Deutschland 2014 vor Kroatien, Italien und Serbien den ersten Platz. Die deutschen Exporte nach Bosnien-Herzegowina legten 2014 um fünf Prozent zu und erreichten knapp 787 Millionen Euro. Die Importe stiegen um 4,3 Prozent und lagen bei 546 Millionen Euro. Bei den deutschen Einfuhren dominieren Textilien und Bekleidung, Maschinen sowie Metallerzeugnisse. Deutsche Unternehmen liefern vor allem Kfz und Kfz-Teile, Maschinen sowie Textilien nach Bosnien-Herzegowina.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Seit 2007 unterstützt der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im Rahmen des Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan auch junge Graduierte aus Bosnien-Herzegowina. Das Ziel des Stipendienprogramms ist es zum einen, junge südosteuropäische Führungskräfte fortzubilden, zum anderen soll ein Netzwerk ehemaliger Stipendiaten in der Region etabliert werden, um die Kontakte der deutschen Wirtschaft zum Westbalkan weiter zu stärken. Im Mai 2014 reiste der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses zu Gesprächen mit Regierungsvertretern nach Bosnien-Herzegowina, um sich in Sarajevo ein Bild über die aktuelle Situation der bilateralen Wirtschaftszusammenarbeit zu machen.