Bosnien-Herzegowina
Stand: Mai 2010
Infolge des Zerfalls Jugoslawiens und der Unabhängigkeitserklärung Bosnien-Herzegowinas brachen 1992 Kriege zwischen den Armeen der bosnischen Serben, der bosnischen Kroaten und der Bosniaken aus. Erst das Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahre 1995 führte zu einem offiziellen Ende der Kriegshandlungen. Die wichtigsten Folgen des Dayton-Abkommens waren einerseits die internationale Anerkennung der Souveränität des Staates Bosnien-Herzegowinas, andererseits der bis heute erhalten gebliebene komplexe Staatsaufbau. So setzt sich das Land aus zwei Entitäten zusammen – der Föderation von Bosnien und Herzegowina (bosniakisch-kroatische Föderation) und der Republika Srbska (serbische Republik), die beide jeweils über eine eigene Exekutive und Legislative verfügen. Parallel zu den Regierungen und Parlamenten der beiden Teilrepubliken bestehen zudem auch eine gesamtstaatliche Regierung und ein gesamtstaatliches Parlament. Zwar waren die Kompetenzen der gesamtstaatlichen Organe zunächst nur auf Außenpolitik, Geldpolitik und Außenwirtschaftspolitik beschränkt, es gelang jedoch, eine schrittweise Ausdehnung der zentralstaatlichen Zuständigkeiten vorzunehmen, so beispielsweise auf die Bereiche Verteidigung, Migration, Telekommunikation und Zoll. Das Staatspräsidium von Bosnien-Herzegowina setzt sich aus je einem Repräsentanten der drei ethnischen Gruppen zusammen, wobei der Vorsitz alle acht Monate rotiert. Eine weitere Besonderheit der bosnisch-herzegowinischen staatlichen Strukturen stellt der Hohe Repräsentant dar, der als Vertreter der internationalen Gemeinschaft fungiert und faktisch einen Teil der Staatsgewalt des Landes ausübt. Die zentrale Aufgabe des Hohen Repräsentanten ist es, die Umsetzung der zivilen Aspekte des Dayton-Abkommens zu überwachen.
Wirtschaftliche Entwicklung
Nach Beendigung des Krieges begann sich die Wirtschaft des Landes nur langsam zu erholen. Ein relativ robustes Wachstum mit Wachstumsraten von sechs bis sieben Prozent entwickelte sich erst ab Mitte 2005. Bedingt durch die globale Finanzkrise konnten diese Zahlen in den Jahren 2008 und 2009 nicht mehr erreicht werden. Während 2008 immerhin noch 5,5 Prozent Wirtschaftswachstum registriert wurden, ergab sich für das Jahr 2009 Schätzungen des Internationalen Währungsfonds zufolge ein Negativwachstum von 2,9 Prozent. Für das Jahr 2010 rechnen Experten mit einer allmählichen Stabilisierung der Lage: Die wachsende Auslandsnachfrage wird aller Voraussicht nach die Industrieproduktion beleben und zu einem geringen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts führen.
Die bosnisch-herzegowinische Wirtschaft ist stark vom Ausland abhängig, was sich insbesondere dadurch zeigt, dass das Handelsvolumen etwa 95 Prozent des BIP ausmacht. Die schrittweise Beseitigung von Handelshemmnissen zwischen der EU und Bosnien-Herzegowina bis 2013 unterstreicht das Bestreben, den Balkanstaat in den europäischen Markt zu integrieren.
Drängende wirtschaftliche Probleme bestehen insbesondere in der mit knapp 40 Prozent sehr hohen Arbeitslosigkeit, der ausgeprägten Schattenwirtschaft und dem hohen Leistungsbilanzdefizit. Zwar gelang es in der Vergangenheit, letzteres mit Hilfe der hohen Summe an Auslandsüberweisungen durch die im Ausland ansässigen Bosnier etwas zu neutralisieren – im Jahre 2008 machten diese Remittances immerhin 17 Prozent des BIP aus, allerdings ist im Zuge der jüngsten Finanzkrise mit einem Rückgang der Auslandsüberweisungen zu rechnen.
Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland
Deutsche Unternehmen übernahmen nach dem Ende der Kriege in Bosnien-Herzegowina eine Vorreiterrolle und investierten insbesondere in die produzierende Industrie des Landes. Der Warenaustausch zwischen beiden Staaten konnte in den letzten Jahren eine Intensivierung verzeichnen und so gehört die Bundesrepublik Deutschland inzwischen zu den wichtigsten Handelspartnern Bosnien-Herzegowinas. Die deutschen Investitionen im Lande konzentrieren sich vor allem auf die Bereiche Fahrzeugmontage und –zulieferindustrie, Bauindustrie, Rohstoffverarbeitung, Milchwirtschaft sowie auf das Bankwesen. Zu weiteren Branchen mit wirtschaftlichem Potenzial gehören der Bereich der erneuerbaren Energien, hier insbesondere die Wasserkraft, und die Metallverarbeitung.
Im Sommer 2007 wurde ein deutsch-bosnisch-herzegowinischer Wirtschaftsverein gegründet, der inzwischen rund 60 Mitglieder zählt und der Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern Rechnung trägt.
Aktivitäten des Ost-Ausschusses
Seit 2007 unterstützt der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im Rahmen des Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan (Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft) auch junge Graduierte aus Bosnien-Herzegowina. Die Stipendiaten dieses Programms haben die Möglichkeit, für eine Dauer von drei bis sechs Monaten ein Praktikum bei einem führenden deutschen Unternehmen zu absolvieren. Das Ziel des Stipendienprogramms ist es zum einen, junge südosteuropäische Führungskräfte fortzubilden, zum anderen soll ein Netzwerk ehemaliger Stipendiaten in der Region etabliert werden, um die Kontakte der deutschen Wirtschaft zum Westbalkan weiter zu stärken.

Statistik
Staatspräsidium: Haris Silajdžić, Nebojša Radmanović, Željko Komšić
Regierungschef: Nikola Špirić
Hauptstadt: Sarajevo
Bevölkerung, 2009: 4,6 Mio.
BIP, 2008: 19,4 Mrd. USD
BIP pro Kopf (KKP), 2008: 6.500 USD
BIP-Wachstum, 2008: 5,6%
Bilateraler Handel mit Deutschland
Importe aus BiH, 2009: 305,5 Mio. Euro
Exporte nach BiH, 2009: 613,5 Mio. Euro
Quellen:
Auswärtiges Amt, CIA World Factbook,
Statistisches Bundesamt
BIP: Bruttoinlansprodukt
KKP: Kaufkraftparität

