Bosnien-Herzegowina

Stand: August 2016

Seit dem Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahr 1995 setzt sich Bosnien-Herzegowina aus zwei Entitäten zusammen – der Föderation von Bosnien und Herzegowina und der Serbischen Republik, die beide jeweils über eine eigene sowie gemeinsam über eine gesamtstaatliche Exekutive und Legislative verfügen. Zudem übt ein Hoher Repräsentant als Vertreter der internationalen Gemeinschaft faktisch einen Teil der Staatsgewalt des Landes aus. Am 1. Juni 2015 trat das bilaterale Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU in Kraft, das eine Freihandelszone der EU mit Bosnien-Herzegowina schafft. Im Februar 2016 hat Bosnien-Herzegowina seinen Antrag auf einen EU-Beitritt eingereicht.

Wirtschaftliche Entwicklung

2015 befand sich die bosnisch-herzegowinische Wirtschaft im dritten Jahr in Folge auf Wachstumskurs. Die Auslandsnachfrage nach Industriewaren erwies sich erneut als einer der Hauptimpulsgeber. Zudem sorgen mehrere größere Vorhaben in den Bereichen Energie- und Verkehrsinfrastruktur dafür, dass die Investitionen sich positiv entwickeln. Die Nachfrage der privaten Haushalte fällt aufgrund der zumeist bescheidenen Einkommen nach wie vor überschaubar aus. Rund 27 Prozent der Bevölkerung sind offiziellen Angaben zufolge ohne Arbeit. Unter der Voraussetzung, dass die in politischer wie wirtschaftlicher Hinsicht für das Land wichtige Reformagenda abgearbeitet wird und externe Schocks ausbleiben, dürfte der konjunkturelle Aufwärtstrend sich auch 2016 fortsetzen. Die EBRD rechnet für 2016 und 2017 mit Wachstumsraten von jeweils drei Prozent. Die anhaltend rege Exportnachfrage und das Investitionsgeschehen sind dabei wichtige Impulsgeber. Ein zentrales Infrastrukturvorhaben ist die Fortsetzung des Baus des Paneuropäischen Verkehrskorridors Vc zwischen Budapest und der kroatischen Stadt Ploce.

Das wirtschaftliche Potenzial des Landes kann sich wegen der komplizierten politischen Strukturen weiterhin nicht komplett entfalten. Seit dem Dayton-Vertrag aus dem Jahr 1995 besteht der Staat aus zwei Entitäten und einem Sonderverwaltungsgebiet. Wichtigen politischen Entscheidungen und Reformschritten geht stets ein langwieriger, komplexer Abstimmungsvorgang voraus.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutsche Unternehmen übernahmen nach dem Ende des Krieges in Bosnien-Herzegowina eine Vorreiterrolle und investierten insbesondere in die produzierende Industrie des Landes. Der Warenaustausch zwischen beiden Staaten intensivierte sich in den letzten Jahren, und so ist Deutschland inzwischen vor Italien der wichtigste Handelspartner Bosnien-Herzegowinas. Der bilaterale Warenaustausch mit Deutschland erreichte 2015 mit einem Gesamtvolumen von fast 1,4 Milliarden Euro einen neuen Spitzenwert und legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp fünf Prozent zu. Die deutschen Exporte nach Bosnien-Herzegowina stiegen um vier Prozent zu und erreichten eine Höhe von knapp 819 Millionen Euro. Die deutschen Importe von dort stiegen um fünf Prozent und lagen bei rund 578 Millionen Euro. Bei den deutschen Einfuhren dominieren Bekleidung, Maschinen und Metallerzeugnisse. Deutsche Unternehmen liefern vor allem Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, chemische Erzeugnisse, Maschinen sowie Textilien nach Bosnien-Herzegowina.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Der Ost-Ausschuss hat eine Vielzahl von Gesprächen mit deutschen und bosnisch-herzegowinischen Unternehmen sowie Regierungs- und Vertretern lokaler Organisationen genutzt, um das Netzwerk weiter auszubauen. Im Juli 2016 organisierte der Ost-Ausschuss ein Gespräch mit dem Staatspräsidium des Landes in Berlin. Seit 2007 unterstützt der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im Rahmen des Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan auch junge Graduierte aus Bosnien-Herzegowina.

Quellen: OWC, GTAI, Raiffeisen Research, Statistisches Bundesamt