Natürliche Energiewende

12. September 2013

Chancen für deutsche Unternehmen in Tadschikistan

Das gebirgige Tadschikistan ist kein großes Land, aber eines mit einem riesigen Energiepotenzial durch Wasserkraft. Fast vier Prozent des weltweiten hydroenergetischen Potenzials entfallen auf das zentralasiatische Land. Obwohl Tadschikistan davon derzeit nur einen Bruchteil nutzt, werden heute bereits 98 Prozent der Elektroenergie des Landes durch Wasserkraft erzeugt. 

Dementsprechend hat Wasserkraft für das zentralasiatische Land eine ähnlich herausgehobene Bedeutung, wie sie Erdgas und Erdöl für Russland haben. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass dieser Sektor nicht so entwickelt ist, dass er als Motor der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung dienen könnte. Im Gegenteil, trotz gewaltigen Energiepotenzials gibt es in Tadschikistan keine stabile Energieversorgung. Unternehmen und Bevölkerung werden in den Wintermonaten nur unregelmäßig mit Strom versorgt.

Deshalb bildete die Energiewirtschaft den Schwerpunkt einer Unternehmerreise, die die Deutsche Energieagentur (dena) und der Ost-Ausschuss gemeinsam mit dem BMWi und der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien Mitte September 2013 organisierten. Etwa 15 Vertreter deutscher Unternehmen – vorwiegend aus dem Energiesektor – nutzten diese Gelegenheit, sich vor Ort zu informieren, Gespräche zu führen und Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen. 

Auf einem gut besuchten Wirtschaftsforum in Duschanbe, an dem auch der deutsche Botschafter in Tadschikistan Holger Green teilnahm, warb der Vorsitzende des Staatskomitees für Investitionen und Verwaltung des Staatseigentums Davlatali Saidov um deutsche Unterstützung beim Ausbau kleinerer und mittlerer Wasserkraftwerke. Weitere Themen waren die Lebensmittelverarbeitung, speziell die Obst- und Gemüseverarbeitung und deren Export, und die Baustoffproduktion. Breiten Raum nahm der Austausch über erneuerbare Energiequellen und über mögliche Effizienzsteigerungen bei bestehenden Wasserkraftwerken ein. 

Das deutsche Unternehmen DB Sediments offerierte ein neuartiges Verfahren, das die Verlandung von Stauseen verhindert – ein auch für Tadschikistan großes Problem. Massiv davon betroffen ist beispielsweise mit Nurek das größte Kraftwerk des Landes. Es wurde bereits in den 1960er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut. Dessen Staumauer ist mit 300 Metern Höhe derzeit die höchste der Welt. Von dem dazugehörigen, ursprünglich 75 Kilometer langen Stausee sind heute rund 50 Kilometer bereits verlandet. Nurek ist der wichtigste Energieproduzent des Landes. 

Interesse wurde auf tadschikischer Seite auch an Erneuerbaren Energien deutlich, beispielsweise an einer gemeinsamen Produktion von Solarzellen oder Akkumulatoren. Es traf sich deshalb gut, dass parallel zur Unternehmerreise im Rahmen der BMWi-Solardach-Initiative ein Solardach in Duschanbe eingeweiht wurde. Dass es auf dem Dach des Ministeriums für Energie und Industrie Tadschikistans installiert wurde, ist von hoher Symbolkraft. Gerade hier kann es vom Potenzial der Erneuerbaren Energieträger zeugen und veranschaulichen, dass dezentrale alternative Anlagen durchaus einen Platz in Tadschikistan haben können. 

Die Unternehmerreise endete mit einer Exkursion zum Nurek-Staudamm sowie einem Besuch der neu gegründeten Sonderwirtschaftszone Dangara. Es bleibt zu hoffen, dass die Informationen und Impulse der Reise zu neuen Projekten führen, obwohl die Rahmenbedingungen in Tadschikistan nach wie vor schwierig sind. 

Dr. Martin Hoffmann
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft