Beschaffungsmärkte im Osten erschließen

12. September 2017

Auftaktveranstaltung zur "Einkäuferinitiative Ukraine" in Kiew

„Wie wird man Zulieferer für ein deutsches Unternehmen?“, so der Titel eines Seminars für ukrainische Unternehmen, das Mitte September in Kiew stattfand. Es war die Auftaktveranstaltung zu einer langfristig angelegten Initiative mit dem Ziel, ukrainische Unternehmen besser in westeuropäische Wertschöpfungsketten einzubinden. Mit dem Seminar sollten Grundlagen für ein besseres Verständnis von Supply-Chain-Prozessen, von Entscheidungskriterien industrieller Einkäufer und von Qualitäts- und Zertifizierungsanforderungen vermittelt werden und dadurch Kommunikationsschwierigkeiten zwischen ukrainischen und deutschen Partnern verringert werden.

Die Initiative wird gemeinsam vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer (DUAHK) und dem Ost-Ausschuss getragen und erfolgt in der Ukraine mit Unterstützung durch dortige große Wirtschafts- und Unternehmerverbände. Das Seminar wurde zudem von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt.

Wachsende Orientierung an der EU

Aus Sicht der Initiatoren der Initiative gibt es eine Reihe guter Gründe, im industriellen Beschaffungswesen intensiver in Richtung Ukraine und ihrer Nachbarn in Osteuropa zu schauen. Zum einen sinken mit dem Anfang September endgültig in Kraft getretenen Assoziierungs- und Freihandelsabkommen der Ukraine mit der EU nicht nur die Zollsätze, sondern es entwickeln sich auch technische Regulierungen und Zertifizierungen in Richtung EU-Standards, was neue Vorteile und Erleichterungen mit sich bringt. Zweitens orientiert sich die Ukraine wirtschaftlich immer stärker an der EU und das Interesse an Kooperationen steigt deutlich. Auch in Nachbarländern der Ukraine (Belarus, Moldau, Russland) wächst das Interesse an einer Zusammenarbeit im Zulieferbereich. Und drittens gibt es in den Ländern Osteuropas eine langjährige und hochentwickelte industrielle und technische Tradition sowie ein hohes Qualifikationsniveau bei relativ niedrigen Lohnkosten.

Andererseits fehlt es dem deutschen Mittestand mitunter an Kapazitäten, sich einen weitreichenden, genügend detaillierten und aktuellen Markt- und Potenzialüberblick zu verschaffen. In dieser Situation laufen selbst geografisch nahe Beschaffungsmärkte in Osteuropa „unter dem Radar“. Problematisch bleiben vielfach die Unterschiede in der Unternehmenskultur und bei den Erwartungen an eine Kooperation Auch bei diesen Themen soll die Initiative zu einem besseren Verständnis und damit zu einem produktiveren Erwartungsmanagement beitragen.

Nicht allein im Raum

Aus diesem Grunde steht die Initiative in der Ukraine nicht allein im Raum. Ähnliche Veranstaltungen sind mit Belarus, Moldau und Russland geplant und teilweise schon angelaufen. Neben Seminaren sind im Weiteren Matchmaking-Veranstaltungen, Einkäuferreisen und andere B2B-Veranstaltungen vorgesehen. Auch das kürzlich bei der DUAHK eingerichtete Helpdesk für ukrainische Exporteure unterstützt das Ziel, eine engere und zahlreichere Verbindung zwischen ukrainischen und deutschen oder westeuropäischen Unternehmen zu befördern.

Dr. Martin Hoffmann
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft