Die Zukunft des Bauens ist digital

19. Januar 2017

Trend zu kleineren Projekten/ Diskussion zur russischen Bauwirtschaft auf der BAU 2017

Die aktuelle Situation in der russischen Bauwirtschaft, aber auch der Trend zur Digitalisierung der Branche standen im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung auf der BAU 2017 in München. Auf Einladung des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft diskutierten dazu Vertreter der schon lange im Russlandgeschäft aktiven Firmen Knauf Gruppe, Strabag AG, Thost Projektmanagement, Willen Associates und der russischen MR Group

In der schönen neuen Welt der Bauwirtschaft wird man sich seine Wohnung am Tablet oder Computer zusammenstellen können, noch bevor auch nur die Vermessungsarbeiten am Grundstück begonnen haben. Die Digitalisierung hält mit Macht auch in einer Branche Einzug, die man eher mit Mörtel, Staub und Fertigbetonteilen in Verbindung bringt. Im Rahmen der Messe BAU in München wurde deshalb nicht nur über Baukonjunktur in Russland, neueste Architekturtrends und Chancen für deutsche Unternehmen gefachsimpelt sondern auch darüber, wie man die unendlich vielen digitalen Anwendungsmöglichkeiten in die Praxis integriert.

Nach übereinstimmender Beurteilung aller Beteiligten hat die russische Baubranche noch immer mit der Überwindung der Krise zu kämpfen. Als besonders nachteilig erweist sich, dass sowohl den Konsumenten als auch den Firmen weniger Geld zur Verfügung steht und der Staat aktuell nur die absolut notwendigsten Infrastrukturprojekte vorantreibt. Aber mit dem dritten Quartal 2016 ist ein deutlicher Aufwärtstrend, getrieben von höheren Preisen für Öl, zu beobachten, der auch der Bauwirtschaft neue Impulse verleihen wird.

„Silberstreif am Horizont“

„Wir haben unsere Produkte und Angebote der Situation und dem Markt angepasst, um auch in diesen Zeiten erfolgreich sein zu können“, skizzierte Ost-Ausschuss-Präsidiumsmitglied Manfred Grundke, Sprecher der Komplementäre der Knauf Gruppe, die aktuelle Situation. „Aber wir sehen jetzt einen Silberstreif am Horizont.“ Mit der langsam wieder anziehenden Konjunktur steigt auch die Chance, dass die auf Eis gelegten infrastrukturellen Großprojekte reaktiviert werden. „Zum Beispiel die russische Eisenbahn muss unbedingt ihr Streckennetz erweitern und modernisieren. Dazu wird sie Aufträge vergeben müssen. Und wir sind uns sicher, dass dabei unsere Erfahrung und Kompetenz gefragt sein wird“, ist sich Karsten Richter, Member of the Board der Strabag AG/ZAO Strabag sicher.

Ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren herauskristallisiert hat, sind jedoch kleinere, anspruchsvollere Projekte und unter dem Gebot der Lokalisierung auch vermehrt der Bau von Produktionsstätten. Bei vielen großen, eher weniger anspruchsvollen Projekten in der Fläche besteht für deutsche Unternehmen ohnehin kaum noch eine Chance auf Teilhabe. Zunehmend erhalten russische, chinesische und türkische Firmen den Zuschlag. „Wir kommen dann zum Zug, wenn es um technologisch hochwertige, energieeffiziente oder grüne Projekte geht“, beschreibt Daniel Kiefer von der Thost Projektmanagement GmbH die veränderten Rahmenbedingungen.

Am Ball bleiben

Nichtsdestotrotz stehen deutsche Qualität, Nachhaltigkeit und auch die Art, miteinander Geschäfte zu machen, hoch im Kurs. Denn allen politischen Verwerfungen zum Trotz, genießen deutsche Unternehmen in Russland einen hervorragenden Ruf. „Russland ist in viel stärkerem Maße eine Beziehungsgesellschaft als wir das in Deutschland gewohnt sind. Wir haben deshalb auch den Gesprächsfaden nie abreißen lassen und dadurch auch immer wieder neue Aufträge bekommen. Man muss in Russland vor Ort sein und am Ball bleiben“, so Jürgen Willen, Geschäftsführer der Architekturfirma Willen Associates GmbH.

Die Baubranche in Russland befindet sich in einem massiven Wandel, dem sich auch die Unternehmen anpassen müssen. Durch den Einsatz digitaler Methoden wie 5D verringern sich Planungs- und Bauzeiten teilweise um die Hälfte. Damit müssen auch die eigenen Prozesse optimiert werden. „Wer die augenblicklich stattfindende Revolution in der Bauwirtschaft überleben will, der muss vor allem eins sein: schnell“, gibt Aleksander Tanaskovich, Direktor für Bauwirtschaft MR Group den Takt für die kommenden Jahre vor.

Jens Böhlmann
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft