Wind des Wandels

15. November 2017

Deutsch-Usbekisches Business-Forum in München diskutierte das Investitionspotenzial Usbekistans

Seit dem Wechsel im usbekischen Präsidentenamt im Herbst 2016 weht der Wind des Wandels in Usbekistan. Noch ist nicht abzusehen, ob es nur ein laues Lüftchen bleibt. Doch der neue Präsident Shavkat Mirzijojev, der dem langjährigen Amtsvorgänger Islam Karimov folgte, hat in seiner gut einjährigen Amtszeit eine Reihe politischer und wirtschaftlicher Reformen eingeleitet, die nicht nur im bevölkerungsreichsten Land Zentralasiens, sondern in der ganzen Region die Rahmenbedingungen verändern.

So wurden Maßnahmen gegen die überbordende Bürokratie und Korruption ergriffen, das strikte Devisenregime liberalisiert und ein Ombudsmann für die Wirtschaft eingeführt, nicht zuletzt um ausländische Investitionen anzuziehen. Das zuvor stark auf Isolation bedachte Land bemüht sich zudem, die Beziehungen zu seinen Nachbarn zu verbessern. So wurden seit Ende 2016 Grenzen geöffnet und der regionale Handel erleichtert.

Vor diesem Hintergrund traf das Deutsch-Usbekische Business-Forum, das der Ost-Ausschuss gemeinsam mit der usbekischen Botschaft und dem Deutsch-Usbekischen Wirtschaftsrat (Duwirat) Mitte November im Bayerischen Hof in München veranstaltete, auf großes Interesse. 160 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, um sich über das Investitionspotenzial Usbekistans und die jüngsten Reformschritte zu informieren. Zu den Rednern gehörten der usbekische Ministerpräsident Abdulla Aripov, der zu seiner ersten Auslandsreise nach Deutschland gekommen war, und die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Begrüßt wurden beide von Manfred Grundke, dem Sprecher des Arbeitskreises Zentralasien im Ost-Ausschuss und Co-Vorsitzenden des Duwirat.

„Spannender Zukunftsmarkt“

Als „spannenden Zukunftsmarkt“ bezeichnete Wirtschaftsministerin Aigner Usbekistan und gab damit den Ton für die gesamte Veranstaltung vor. Premier Aripov stellte die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seines Landes vor und warb offensiv um deutsche Investitionen. „Der Schlüssel dazu ist die Verbesserung des Investitionsklimas“, sagte Aripov: „Wir sind bereit, dafür schwierigste Reformen durchzuführen.“ Usbekistan zeichne sich durch seine Stabilität und Rohstoffressourcen aus. Potenziale für die Zusammenarbeit sieht der Premier insbesondere in der Automobilindustrie, der Landwirtschaft und im Tourismus. Mit Claas (Traktoren) und MAN (Lkw) sind hier bereits deutsche Investoren aktiv.

Zuvor hatte Ost-Ausschuss-Präsidiumsmitglied Grundke Usbekistan die Partnerschaft der deutschen Wirtschaft angeboten und auf die „gewaltigen Kooperationsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen“ im Zuge der Modernisierung der Industrie hingewiesen. Unter Präsident Mirzijojev habe sich das Land einem „rigorosen Reformprozess“ verschrieben: „Der vor kurzem erfolgte weitere Schritt bei der Liberalisierung der bislang streng reglementierten usbekischen Devisenbewirtschaftung ist ein immens wichtiges Signal zur Aufwertung des Wirtschaftsstandorts Usbekistan“, so Grundke: „Die deutschen Unternehmen begrüßen diese Reformschritte ausdrücklich.“

Laziz Kudratov, stellvertretender Vorsitzender des usbekischen Staatskomitees für Investitionen stellte anschließend die Investitionsmöglichkeiten im Land vor. Auch er ging auf die jüngsten Wirtschaftsreformen ein, die neben der Liberalisierung der Devisenvorschriften auch die Abschaffung von rund 160 Genehmigungsverfahren umfassten. Im Doing-Business-Report der Weltbank habe Usbekistan dadurch binnen sechs Jahren den Sprung von Platz 166 auf 74 geschafft. Er wies auf die 14 Freien Wirtschaftszonen hin, die Unternehmen Steuervergünstigungen böten. Von Usbekistan aus könnten dank der Freihandelsabkommen mit anderen GUS-Republiken rund 277 Millionen Konsumenten erreicht werden.

Annäherung an Nachbarn eröffnet Exportchancen

In der abschließenden Diskussionsrunde, die von Eduard Kinsbruner, dem Regionaldirektor für Zentralasien im Ost-Ausschuss, moderiert wurde, diskutierten deutsche und usbekische Unternehmens- und Verbandsvertreter über die Rahmenbedingungen im Land. Manfred Grundke von der Knauf-Gruppe, die in Usbekistan Baustoffe produziert, mahnte eine Verbesserung der Zuliefererbasis und den weiteren Abbau von Importzöllen an. Grundke und Richard von Braunschweig, Vizepräsident der MAN Truck & Bus AG, die seit 2009 in Usbekistan in einem Joint Venture Lkw produziert, begrüßten einhellig die Annäherung Usbekistans an seine Nachbarn, die neue Exportmöglichkeiten eröffne und den Transport - und somit auch die Lkw-Nachfrage - ankurbeln werde.

Auf die große Bedeutung kleiner und mittlerer Unternehmen in Usbekistans Wirtschaft wies Islom Dschasimov hin, der stellvertretende Vorsitzende der usbekischen Industrie- und Handelskammer. Diese könnten von einer Lokalisierung von Produktionsprozessen profitieren. Umid Salimov, Vorsitzender des Lkw-Herstellers Uzavtosanoat machte darauf aufmerksam, dass die Komponenten seiner Lkw „vom Reifen bis zur Lackierung“ vollständig aus eigener Produktion kämen. Auch im Finanzsektor, der noch von staatlichen Banken dominiert werde, tue sich etwas, sagte Turan Caglayan, Bereichsleiter für Zentralasien bei der DEG - Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH. Die Rückkehr der EBRD nach Usbekistan könne hier weitere Impulse geben. Insbesondere Aufsicht, Governance und Transparenz in der Finanzbranche müssten noch verbessert werden.

Die deutsch-usbekische Partnerschaft wurde in München aber nicht nur verbal beschworen. Im Rahmen des Business-Forums wurde eine Reihe bilateraler Absichtserklärungen unterzeichnet, etwa im Baustoffsektor (Knauf), der Heiztechnik (Viessmann), der Chemie- und Pharmaindustrie (BASF, Rommelag) sowie in der Investitions- und KMU-Finanzierung (Deutsche Bank, Commerzbank). Grundke zog abschließend das Fazit der jüngsten Entwicklungen seit dem Regierungswechsel in Usbekistan: „Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die es so vor zwölf Monaten noch nicht gab.“

Christian Himmighoffen
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft