Das landwirtschaftliche Potenzial der Donau-Region

16. Januar 2014

Soja-Anbau als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung in Südosteuropa / Fachpodium im Rahmen des GFFA 2014 

Am 16. Januar 2014, dem Eröffnungstag des diesjährigen Global Forum for Food and Agriculture, organisierte der Ost-Ausschuss zusammen mit der Regional Rural Development Standing Working Group (SWG) ein Fachpodium zur Agrarwirtschaft in Südosteuropa. Vorgestellt wurde dabei eine Strategie zur Ausweitung des Soja-Anbaus in der Donau-Region, um die Branche zu einem hochproduktiven nachhaltigen Sektor zu entwickeln. Der Anbau von Proteinträgern, insbesondere von Soja, hat in Südosteuropa eine lange Tradition. Die Region könnte deshalb einen wichtigen Beitrag zur Deckung des globalen Eiweißbedarfs leisten. 

 

Karl-Hubertus Reher, Vorsitzender der AG Landwirtschaft und Ernährungsindustrie im Deutsch-Rumänischen Kooperationsrat, sagte in seiner Eröffnungsrede, Staat, Wirtschaft und Wissenschaft müssten zusammenarbeiten, um die Bedingungen der Landwirtschaft in den Ländern Südosteuropas weiter zu verbessern. Nur so könnten neue Märkte erschlossen und die Produktion gesteigert werden. Da die Länder ähnlichen geographischen und wirtschaftlichen Problemen gegenüberstünden, sei eine grenzübergreifende Zusammenarbeit und Kooperation von zentraler Bedeutung, um Anreize für die Landwirtschaft zu schaffen. Zudem spiele Nachhaltigkeit beim Kauf von Produkten eine zunehmend wichtige Rolle. Hier hätten gerade die Landwirte in Südosteuropa eine Menge zu bieten.

Donau-Soja Initiative

Welchen Beitrag insbesondere Kroatien und Serbien für eine nachhaltige Landwirtschaft leisten können, stellte Matthias Krön, Präsident des Vereins „Donau Soja“, am Beispiel des Soja-Anbaus vor. Aufgrund des stetig steigenden globalen Fleischkonsums wachse weltweit die Nachfrage nach eiweißhaltigen Futtermitteln für die Tierhaltung. Gegenwärtig importiere Europa jährlich etwa 12,5 Millionen Tonnen Sojabohnen aus Übersee. Somit werde innerhalb Europas gerade mal knapp drei Prozent des Soja-Verbrauchs durch Eigenproduktion gedeckt. Ein Ausbau der europäischen Produktion könnte nach Ansicht von Krön die Abhängigkeit von Nord- und Südamerika mindern, gleichzeitig die Nachhaltigkeit fördern und der Region positive Wirtschaftsimpulse geben, die zu einer hochproduktiven, nachhaltigen Landwirtschaft führen könnten. Aus diesem Grund sei 2012 die Donau-Soja Initiative gegründet worden. Ziel der Organisation sei es, eine qualitativ hochwertige, herkunftsgesicherte und vor allem gentechnikfreie (GVO) Sojaproduktion in der Donauregion gezielt zu fördern. Hierfür sei auch, so Krön, „eine einheitliche europäische Eiweißstrategie notwendig“. 

An der anschließenden Diskussionsrunde, die von Eli Kolundzija, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung in Gießen, moderiert wurde, nahmen Experten aus Wirtschaft und Politik zu den Perspektiven der Agrarwirtschaft in Südosteuropa Stellung und diskutierten dabei insbesondere über die Zukunft des Soja-Anbaus in der Region.

Tugomir Majdak, Leiter der Abteilung für Gemeinsame Politik und EU-Funds in der Gespannschaft Virovitica-Podravina, eine der am stärksten von Agrarwirtschaft geprägten Regionen Kroatiens, sagte, dass aufgrund von Modernisierungsprojekten die Soja-Produktion in Kroatien innerhalb der letzten zehn Jahre gestiegen sei. Das Potenzial sei aber noch nicht vollständig ausgeschöpft. Natalija Kurjak, Managerin für Marketing und Kommunikation der serbischen Viktorija Group, verwies auf die Notwendigkeit einer Bodenreform, die es Familienbetrieben und Kleinbauern ermöglichen würde, sich in Genossenschaften zu organisieren und somit zu Innovationen und Investitionen anregen würde.

Danilo Golubovic, Staatssekretär im serbischen Agrarministerium, vertrat als Vorsitzender der Regional Rural Development Working Group (SWG) die Region politisch. Es sei von zentraler Bedeutung, so Gulobovic, den Agrarsektor durch den Ausbau von Forschungseinrichtungen und den Abbau von bürokratischen Hürden gezielt zu fördern. Hier seien die nationalen Regierungen in der Verantwortung.

Ludger Breloh, zuständig für den strategischen Einkauf bei der REWE Group, schilderte die Beweggründe seines Unternehmens für den Beitritt zur Donau-Soja-Initiative: Seit 2008 verfolge die REWE Group eine Strategie der Nachhaltigkeit. Der Konzern wolle dabei den Ankauf von umweltpolitisch umstrittenen südamerikanischen Sojaprodukten langfristig stark senken. Stattdessen plane der Konzern auf qualitativ hochwertige und vor allem gentechnikfreie Sojaprodukte aus Europa zurückzugreifen. „Die Donauregion spielt hierbei als Lieferant nachhaltiger Agrarprodukte mittel- bis langfristig eine entscheidende Rolle“, so Breloh. Schon heute stiege in Deutschland die Nachfrage nach Produkten aus nachhaltiger Landwirtschaft. Das Verbraucherbewusstsein für ökologische Zusammenhänge, wachse stetig, sagte Breloh und verwies auf jährlich bis zu 70.000 Anfragen von Verbrauchern allein bei der REWE Group. Um dem Thema Nachhaltigkeit bei Futtermitteln langfristig nachkommen zu können, setze die REWE Group auf den Erfolg der Donau-Soja Initiative.

Viktoria Benzel,
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft