Energieeffizientes Bauen und Modernisieren in Osteuropa

18. Februar 2014

Begleitveranstaltung im Rahmen der bautec 2014  

Auch in Osteuropa wird den Fragen nach Energieeinsparungen durch gesteigerte Energieeffizienz immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet, insbesondere der energetischen Verbesserung der Wohnraumbestände durch Neubau oder energieeffiziente Sanierung. Andererseits war das Ergebnis der aktuellsten Umfrage des Ost-Ausschusses zu dem Geschäftsklimaindex bezüglich der Chancen im Bereich erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz eher ernüchternd. Die Unternehmen erwarten nur schwaches Wachstum im Bereich der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz in Russland, die Branche landete abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Vor diesem Hintergrund war es für den Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft wichtig zu erfahren, wie es denn tatsächlich um die Branche steht, und zwar in Russland, der Ukraine und Kasachstan. Experten der Branche präsentierten die aktuelle Situation im Bereich der technischen Normen und Standardisierung in den Ländern und diskutierten gemeinsam mit dem Publikum Fragen wie: Welche Standards werden in der nächsten Zeit in den Ländern implementiert? Welche Erfahrungen gibt es in Deutschland? Welche Möglichkeiten der konkreten Zusammenarbeit und des Engagements bieten sich deutschen Unternehmen und Institutionen? Die Veranstaltung wurde vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit der Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V. und der Messe Berlin GmbH mit Unterstützung durch das Kompetenzentrum Großsiedlungen e.V., die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) und das Unternehmen Drees & Sommer am 18. Februar 2014 durchgeführt und von mehr als 120 Teilnehmern besucht.

Die Vorträge haben deutlich gezeigt, dass das Thema Energieeffizienz im Baubereich durchaus auf der Agenda der jeweiligen Landesregierungen steht, aber es auch Unterschiede bei der Umsetzung gibt. Kasachstan ist, was die Einführung und auch die Umsetzung der jeweiligen Normen angeht am weitesten fortgeschritten. Hier scheint es einen Konsens bei der Politik zu geben, zumal das Thema Green Technologie auch durch den Präsidenten sehr aktiv vorangetrieben wird. Es gibt die notwendigen finanziellen Mittel und auch die Unterstützung der Wohnungseigentümer bei der Umsetzung der Vorhaben. Ulan Zhazylbek, stellvertretender Vorsitzender des Komitees für Bauwesen und kommunale Wohnungswirtschaft der Republik Kasachstan zeigte sich auch sehr offen für eine Kooperation mit Deutschland, sowohl was die normative Seite angeht, aber auch die Seite der technischen Umsetzung.

Etwas anders sieht es in der Ukraine aus. In den Jahren 2014 und 2015 werden sämtliche normativen Dokumente der ehemaligen Sowjetunion im Baubereich außer Kraft treten. Danach kommt es zu parallelen Gültigkeit zweier Bereiche der Normativbasis: des traditionellen nationalen und des mit europäischem Recht harmonisierten Bereichs. Eine komplette Harmonisierung der Normen ist durchaus gewollt. Es bleibt allerdings die Frage, woher die finanziellen Mittel kommen sollen, die für die Modernisierung des Gebäudebestands benötigt werden. Es ist kaum vorstellbar, dass die ganzen Modernisierungsmaßnahmen von den Wohnungseigentümern getragen werden können. 

Auch in Russland ist das Thema Energieeffizienz auf der Tagesordnung angekommen, nicht zuletzt durch die Anordnung des Präsidenten zur Steigerung der Energieeffizienz bis zum Jahr 2030. Der russischen Regierung ist es nicht entgangen, dass die Energieeffizienz im Bausektor zu den wichtigsten Wirtschaftstreibern der vergangenen Jahre in Westeuropa gehörte. Leonid Stavitsky, erster stellvertretender Minister für Bau-, Wohnungs- und Kommunalwirtschaft der Russischen Föderation betonte in seinem Vortrag, dass man gemeinsam mit Verbänden, sowie russischen und internationalen Bauunternehmen bereits an der Einführung neuer Normen arbeite, die eine Steigerung der Energieeffizienz in der Russischen Föderation ermöglichen werden. Dabei schaue man natürlich auch auf die Konformität mit den Normen der Partnerländer innerhalb der Zollunion, Belarus und Kasachstan. Als Orientierung dienen die internationalen und vor allem europäischen Normen, die allerdings genau geprüft und an die russische Wirklichkeit angepasst werden müssen. 

Dass die Einführung von Energieeffizienz seine Zeit brauche, stellte der Bereichsleiter „Energieeffiziente Gebäude“ der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) Christian Stolte in seiner Präsentation dar. Von der Wärmeschutzverordnung der 80er Jahre bis zur EU-Richtlinie für Gebäude (EPBD 2010) hat es in Europa 30 Jahre gebraucht und der Prozess geht immer noch weiter. 

In der abschließenden Diskussion berichtete unter anderem Steffen Sendler von Drees & Sommer Russland von den bereits umgesetzten Projekten seines Unternehmens in Russland. Insbesondere bei Neubauten werde in Russland verstärkt auf hohe Energiesparstandards gesetzt, um die Betriebskosten zu senken. 

Insgesamt zeigten sich die Vertreter Russlands, Kasachstans und der Ukraine einer Kooperation mit deutschen Unternehmen gegenüber sehr aufgeschlossen. Die deutsche Wirtschaft und Wissenschaft hat in der Welt und auch in Mittel- und Osteuropa einen hervorragenden Ruf als Vorreiter in Themen Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Diesen Ruf gilt es bei einer verstärkten Zusammenarbeit mit Russland, Kasachstan und der Ukraine zu untermauern und noch weiter auszubauen.

Eduard Kinsbruner