Bauen in Osteuropa

22. Februar 2012

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Die Energiewende ist ein globales Thema, welches insbesondere im Bereich der Bauwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit rücken hier immer mehr in den Vordergrund. Auch in Osteuropa wird den Fragen nach Energieeinsparungen durch gesteigerte Energieeffizienz immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Die Ansprüche der Menschen an eine effiziente und klimaschonende Energieversorgung sowie energieeffiziente Gebäude erfordern den Einsatz von innovativen, ökologisch und ökonomisch sinnvollen Technologien.

Die am 22. Februar 2012 im Rahmen der Internationalen Fachmesse für Bauen und Gebäudetechnik – bautec vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit der Messe Berlin GmbH und der Deutschen Energie-Agentur GmbH organisierte Veranstaltung „Energieeffizientes und nachhaltiges Bauen in Osteuropa“ führte über 100 interessierte Teilnehmer zusammen. Branchenexperten präsentierten aktuelle Projekte in der Russischen Föderation, der Ukraine, der Republik Kasachstan und der Republik Moldau.

Die Veranstaltung wurde vom Direktor des KompetenzCenter Facility & Construction der Messe Berlin und Projektleiter der bautec Werner Mocke eröffnet, der auf den sehr erfolgreichen Start der Messe hinwies, die durch eine positive Grundstimmung in der deutschen Bauindustrie gekennzeichnet sei. Den Mittelpunkt der diesjährigen bautec bildeten die Themen nachhaltiges Bauen, Energieeffizienz und Klimaschutz.

Von Seiten des Ost-Ausschusses begrüßte Geschäftsführer Rainer Lindner die Teilnehmer und unterstrich die Bedeutung des Themas, das sich auch in aktuellen Projekten und Initiativen widerspiegelt, wie beispielsweise dem Arbeitskreis zu den sportlichen Großereignissen wie den Olympischen Winterspielen Sotschi 2014, der Fußball-WM in Russland 2018 oder der Initiative zur Steigerung der Energieeffizienz in der Ukraine „Energieeffiziente Stadt“. Ganz aktuell organisiert der Ost-Ausschuss vom 19. bis 21. März 2012 eine Netzwerkreise zu den Perspektiven der Bereiche Wasser, Abwasser und Energieeffizienz in der Republik Moldau.

Thomas Janicki, früherer Sonderbeauftragter des Ministers im BMVBS für die Zusammenarbeit mit Osteuropa im Bereich Bau und Wohnungswesen und Mitglied des Beirats der Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V., widmete sich in seiner Präsentation dem Thema „Energieeffizienz im städtischen Wohnungssektor in der Russischen Föderation“. Er skizzierte die Entwicklungen in der russischen Wohnungs- und Kommunalwirtschaft und konstatierte für die Zeit seit 2000 zwar einen Aufschwung im Neubau, der jedoch mit Mängeln bei der Stadtplanung und im Controlling, schlechten energetischen Bilanzen und hohen Preisen einherging. Sanierungsaktivitäten fanden, abgesehen von notwendigsten Instandhaltungsmaßnahmen, im Prinzip nicht statt. Reformprogramme und Förderprojekte verfehlten auf Grund bürokratischer Verfahren, Korruption und nicht marktgerechter Normkosten ihre Wirkung. Mit dem Thema Energieeffizienz gewinnen die ausstehenden Reformen in der Kommunal- und Wohnungswirtschaft wieder an Aktualität. Das Energieeffizienzpotenzial in Russland ist hoch. Bleibt zu hoffen, dass die Modernisierungsmaßnahmen qualitativ und ökologisch hochwertig sowie ökonomisch und sozial vertretbar umgesetzt werden können. Positive Signale setzt die russisch-deutsche Gemeinschaftsinitiative „Green Building“.

Witalij Schapowalenko, Leiter der Abteilung Daseinsvorsorge und Wohnungspolitik im Ministerium für Regionalentwicklung und Bauwesen der Ukraine, schilderte in seinem Beitrag die Erfahrungen bei der Planung und Umsetzung von energetischen Sanierungsprojekten insbesondere zur Modernisierung von Wohngebäuden durch die Verbesserung der Wärmebilanz, ausgehend von den gesetzlichen Grundlagen, dem Gesetz der Ukraine zur Energieeinsparung und dem Gesetz zum Reform- und Entwicklungsprogramm der Kommunal- und Wohnungswirtschaft 2009 bis 2014. Ein erfolgversprechendes Modellprojekt wurde 2011/2012 gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss in Angriff genommen – „Energieeffiziente Stadt in der Ukraine“.

Auch im energiereichen Kasachstan kommt das Thema Energieeffizienz zunehmend in Mode. Sergej Maslow, Vertreter der Privatgesellschaft „Kasachisches Zentrum für Modernisierung und Entwicklung der Wohnungs- und Kommunalwirtschaft“, konnte erste Projekte vorstellen und erläuterte die Einführung von Energiesparmaßnahmen anhand der energetischen Sanierung von Wohngebäuden insbesondere durch Wärmedämmung und –isolierung.

Sergiu Cobusean, Head of Development Division der Vipropat SRL, stellte verschiedene offizielle Programme und Institutionen vor, die sich den Fragen der Energieeffizienz inkl. Finanzierungsmöglichkeiten in Moldau widmen, so auch das „Nationale Programm für Energieeffizienz  bis 2020“ des Ministeriums für Wirtschaft der Republik Moldau. Ein weiteres Beispiel ist die Energieeffizienz-Agentur, die 2011 gegründet wurde, Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz in staatlichen Einrichtungen überwacht und in diesem Rahmen zinsgünstige Kredite für Investitionen ermöglicht. Unterstützung erhält die Republik Moldau aber auch von der Weltbank, der giz, der EBRD und der EU.

Im Anschluss an die allgemeine Projektvorstellung eröffnete Thomas Baum von der PricewaterhouseCoopers AG mit seiner Präsentation die Diskussionsrunde zu Investitionspotenzialen, Kooperationsmöglichkeiten und Finanzierungsansätzen. Ausgehend von einer allgemeinen Vorstellung der PwC stellte Herr Baum in seiner Präsentation die besonderen Grundlagen und Herausforderungen, Probleme und Lösungsansätze der Finanzierung von Energieeffizienzprojekten in Osteuropa dar. Kapitalmangel, späte Amortisation und unsichere Cash-flows beeinträchtigen die Finanzierbarkeit von Projekten. Die PwC steht gemeinsam mit ausländischen Partnergesellschaften als erfahrener Financial Adviser, Gutachter und integriertes Beratungsunternehmen zur Verfügung, um die optimale Vorbereitung und Durchführung komplexer Projekte zu sichern.

In der Diskussion mit dem Publikum stellten sich neben der Finanzierungsproblematik schwerpunktmäßig Fragen zum aktuellen Stand der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der technischen Standardisierung und Zertifizierung. Besonders bei der Klärung von Eigentumsfragen gibt es noch erheblichen Nachholbedarf. Eine weitere Herausforderung im Bereich der Bauwirtschaft und insbesondere im Bereich der Energieeffizienz stellt die Kontrolle der Einhaltung bestehender gesetzlicher Regelungen sowie die Schaffung, Harmonisierung und Umsetzung von europaweit bzw. international anerkannten Standards dar.

Insbesondere in den Bereichen Projektentwicklung, -beratung, -finanzierung, -umsetzung und
–abrechnung, Entwicklung und Einsatz nachhaltiger und energieeffizienter Technologien und Werkstoffe sowie bei der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften gibt es vielfältige Kooperationsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen. Ein permanenter Dialog zu Chancen und Herausforderungen hilft bei der Identifizierung von Problemen und adäquaten Lösungsansätzen.

Anke Zimdars
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft