Georgien

Stand: August 2016

Am 1. Juli 2016 ist das Assoziierungsabkommen mit der EU in Kraft getreten, das neben einer engeren politischen Zusammenarbeit umfangreiche Handelserleichterungen vorsieht, die georgischen Produkten den Zugang zu den Märkten der EU erleichtern sollen. Georgien ist nach der Ukraine und der Republik Moldau das dritte osteuropäische Land, das mit der EU ein Assoziierungsabkommen abgeschlossen hat. Das im Südkaukasus gelegene Georgien hat seit der sogenannten Rosenrevolution 2003 seine Wirtschaft stark reformiert und ist im Weltbank-Ranking „Doing Business 2016“ das bestplatzierte Land im postsowjetischen Raum nach den Baltischen Staaten.

Wirtschaftsentwicklung

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) beziffert den Zuwachs der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr auf 2,8 Prozent. Wachstumstreiber waren die Investitionen, vor allem in die Verkehrs- und Energieinfrastruktur sowie in die Ernährungswirtschaft. Seit Mitte 2014 drosselt jedoch die schwindende Nachfrage Russlands und der Ukraine den Aufwärtstrend des Produktionssektors. Die Wirtschaftskrise dieser Länder wirkt sich zudem über geringere Rücküberweisungen georgischer Gastarbeiter negativ auf die Binnennachfrage aus. Die Regierung reagierte und wertete seit Ende 2014 die Landeswährung Lari in mehreren Schritten ab. Damit sollen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die Exporte stabilisiert werden. In diesem Jahr dürfte sich die Binnenkonjunktur an die externen Schocks der vergangenen Monate angepasst haben und wieder einen höheren Zuwachs generieren. Die EBRD hat ihre Prognose für das BIP im Mai 2016 gegenüber ihrer bisherigen Einschätzung um 0,8 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent nach oben korrigiert. Das zwischen der EU und Georgien abgeschlossene Assoziierungsabkommen dürfte in der Perspektive die Investitionstätigkeit im Land beflügeln.

Dank der Finanzhilfen internationaler Geber investiert die georgische Regierung massiv in Infrastruktur und Agrarwirtschaft. Mit einer Reihe von Sonderwirtschaftszonen wie der Freihandelszone im Hafen Poti und den Tourismus-Sonderzonen in Kobuleti und Anaklia am Schwarzen Meer sollen auch entlegene Gebiete erschlossen und ausländische Direktinvestitionen angelockt werden. Die Perspektive der EU-Annäherung könnte ein Stimulus für weitere private Investitionen werden.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

2015 ist der bilaterale Warenverkehr der Bundesrepublik mit Georgien um vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft. Der Außenhandel erreichte einen Wert von 454 Millionen Euro. Davon entfielen auf die Lieferungen deutscher Firmen 361 Millionen Euro, vier Prozent weniger als 2014. In der Rangliste der deutschen Ausfuhrziele verlor Georgien vier Plätze. Deutschland führte im vergangenen Jahr georgische Waren im Wert von knapp 93 Millionen Euro ein, ein Minus von sechs Prozent. Insgesamt sind trotz der relativ kleinen Marktgröße Georgiens die Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen als gut einzuschätzen. Kooperationsfelder könnten die Landwirtschaft sowie die Bereiche Infrastruktur, Logistik, Bauwesen und Informationstechnologien sein.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Mitte Juni 2015 führte eine Ost-Ausschuss-Unternehmerreise nach Georgien zu Gesprächen mit dem damaligen Vize-Premierminister und heutigen Premier Giorgi Kvirikashvili und weiteren hochrangigen Gesprächspartnern. Am 27. Oktober 2015 organisierte der Ost-Ausschuss ein Wirtschaftsgespräch mit Kvirikashvili in Berlin. Im Juni 2016 fand eine Wirtschaftskonferenz zu Georgien statt, an der wiederum Premierminister Kvirikashvili teilnahm.

Quellen: OWC, GET, EBRD, Nationale Statistikbehörde, Statistisches Bundesamt