Georgien

Stand: Dezember 2009

Georgien ist durch den russisch-georgischen Krieg vom August 2008 wieder in die internationalen Schlagzeilen geraten. Dabei hätte es das Land verdient, auf Grund seiner wirtschaftlichen Reformerfolge populärer zu werden. Seit der Rosenrevolution 2003 hat Georgien einen wirtschaftlichen Reformkurs mit außerordentlichen Ergebnissen durchgeführt. Im „Doing Business Report 2007“ der Weltbank wurde Georgien zum Reformer Nummer 1 weltweit gewählt. Im Bericht für 2010 wurde Georgien erneut Top-Reformer in Osteuropa und Zentralasien. In der Gesamtliste rangiert Georgien jetzt auf dem 11. Platz der Länder mit den besten Möglichkeiten für die Geschäftsentwicklung. Ausschlaggebend dafür waren unter anderem die liberalisierte Steuergesetzgebung, eine Zollreform, ein modernisiertes System von Lizenzen und Genehmigungen, eine der liberalsten Arbeitsgesetzgebungen der Welt sowie die Zurückdrängung der Korruption, insbesondere der Kleinkorruption.

Wirtschaftsentwicklung

Nach einer äußerst positiven wirtschaftlichen Entwicklung in den Jahren 2006 und 2007 geriet Georgien 2008 gleich von zwei Seiten unter Druck – einmal durch den russisch-georgischen Krieg und zum anderen durch die Auswirkungen der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Wuchs das BIP 2006 noch um 9,4 Prozent und 2007 sogar um 12,4 Prozent, so reduzierte es sich 2008 auf 2,1 Prozent. 2009 wird ein negatives Wachstum prognostiziert.

Nach dem Kaukasus-Krieg erhielt Georgien wirtschaftlich Unterstützung durch einen internationalen Geberkredit in Höhe von etwa 4,5 Milliarden US-Dollar. Das Land verfolgt ein wirtschaftliches Prestigeprojekt: die Errichtung eines Freihafens in Poti. Weitere große wirtschaftliche Themen Georgiens sind die Energie- und Wasserversorgung. Insbesondere die Nutzung der „kleinen Wasserkraft“ sowie der erneuerbaren Energien für dezentrale Energieversorgung sowie die Errichtung eines Energieverbundes zwischen Georgien und der Türkei stehen im besonderen Fokus der Regierung. In den Beziehungen zu Russland trennt die georgische Regierung Politik und Wirtschaft und versucht auf letzterem Gebiet normale, sachliche Beziehungen mit Russland zu pflegen. Der georgische Bankensektor ist noch schwach entwickelt. In der aktuellen Finanzkrise wurden 90 Prozent der Kreditvergabe eingestellt.Derzeit ist jedoch eine Erholung in diesem Bereich erkennbar.

Positive Entwicklungen sind zudem im Tourismusbereich zu beobachten. Augenscheinlichstes Beispiel hierfür ist die Neueröffnung des Hotels Radisson SAS Iveria, das nach Jahren als Flüchtlingsherberge Anfang September 2009 neu eröffnet wurde.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland war 2008 mit knapp 360 Millionen Euro Handelsumsatz größter europäischer Handelspartner Georgiens und insgesamt viertgrößter Handelspartner des Landes (nach der Türkei, Aserbaidschan und der Ukraine). In den ersten sechs Monaten des Jahres 2009 brach der bilaterale Handelsverkehr mit Georgien um fast 50 Prozent ein. Der deutsche Import aus Georgien ging von 29 Millionen auf zehn Millionen Euro um zwei Drittel zurück, während der Export von 143 Millionen auf 79 Millionen Euro um 44 Prozent einbrach.

Ausblick

In Georgien bestehen trotz erheblicher Fortschritte in den letzten Jahren insgesamt noch komplizierte Geschäftsbedingungen. Die Hauptstadt Tbilisi vereint mit 1,3 Millionen Einwohnern etwa ein Drittel der Landesbevölkerung. Problematisch ist das geringe interne Akkumulationspotenzial für Investitionen. Entsprechend groß ist die Rolle internationaler Finanzierungsinstitutionen bei der Investitionstätigkeit Georgiens, da das Land über keine bedeutenden Rohstoffvorkommen verfügt, die als Motor für eine Entwicklung der Wirtschaft genutzt werden könnten. Allerdings etabliert sich Georgien zunehmend als Transitland, insbesondere für Energierohstoffe aus der zentralasiatisch-kaspischen Region nach Europa.

Auch als Reaktion auf die Kaukasus-Krise hat die EU Georgien Anfang Mai 2009 in ihr Programm der „Östlichen Partnerschaft“ aufgenommen. Auf diese Weise soll eine engere Anbindung an die EU in den Bereichen Wirtschaft, Handel und politisch-administrative Kooperation gewährleistet, sowie gleichzeitig für eine größere Stabilität in der Region gesorgt werden. Die Initiative der „Östlichen Partnerschaft“ weckt Hoffnungen auf eine positive wirtschaftliche Entwicklung, die Übernahme von EU-Standards, Freihandelsabkommen und Visa-Erleichterungen.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Im Rahmen der Außenwirtschaftsförderung der Bundesregierung veranstaltete das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im September 2009 eine Wirtschaftsförderreise nach Georgien, die durch den Ost-Ausschuss unterstützt wurde. Der Bericht der Reise ist unter folgendem Link einzusehen: www.ost-ausschuss.de/signal-der-hoffnung.
 

 

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Statistik

Präsident: Micheil Saakaschwili
Regierungschef: Nikolos Gilauri
Hauptstadt: Tbilisi

Bevölkerung, 2009: 4,6 Mio.
BIP 2008: 13,3 Mrd. USD
BIP pro Kopf (KKP), 2008: 4.700 USD
BIP-Wachstum, 2008: 2,1%

Bilateraler Handel mit Deutschland
Importe aus GE, 2009: 21,5 Mio. Euro
Exporte nach GE, 2009: 179,9 Mio. Euro

Quellen:
Auswärtiges Amt, CIA World Fact Book, Statistisches Bundesamt, gtai.
BIP: Bruttoinlandsprodukt
KKP: Kaufkraftparität

 

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