Georgien

Stand: September 2015

Georgien hat im Juni 2014 ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Das Abkommen sieht neben einer engeren politischen Zusammenarbeit umfangreiche Handelserleichterungen vor, die georgischen Produkten den Zugang zu den Märkten der EU erleichtert sollen. Es muss noch von den Parlamenten aller 28 EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, damit es in Kraft treten kann. Der Vertrag wird jedoch bereits seit September 2014 vorläufig angewendet. Georgien ist nach der Ukraine und der Republik Moldau das dritte osteuropäische Land, das mit der EU ein Assoziierungsabkommen abgeschlossen hat. Das im Südkaukasus gelegene Georgien hat seit der sogenannten Rosenrevolution 2003 seine Wirtschaft stark reformiert und ist im Weltbank-Bericht „Doing Business 2015“ erneut das bestplatzierte osteuropäische Land.

Wirtschaftsentwicklung

Trotz des Ukraine-Konflikts ist die georgische Wirtschaft 2014 um fast fünf Prozent expandiert, wozu vor allem der zweistellig wachsende Bausektor und kräftig steigende Direktinvestitionen beitrugen. Das Kaukasus-Land profitierte dabei von der reduzierten politischen Unsicherheit nach dem Regierungswechsel und der Signalwirkung, die die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU bedeutet. 2015 dürften die Auswirkungen des Ukraine-Konflikts allerdings ihre Spuren hinterlassen: Die EBRD rechnet mit einer spürbaren Wachstumsverlangsamung auf 2,3 Prozent. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und seine ökonomischen Folgen für beide Länder treffen Georgien über sinkende Exporte auf diese Märkte, weniger Touristen und geringere Heimatüberweisungen georgischer Gastarbeiter. Hauptträger des Wachstums bleiben vor diesem Hintergrund die Investitionen im Rahmen zahlreicher nationaler und internationaler Förderprogramme.

Dank der Finanzhilfen internationaler Geber investiert die georgische Regierung massiv in Infrastruktur und Agrarwirtschaft. Mit einer Reihe von Sonderwirtschaftszonen wie der Freihandelszone im Hafen Poti und den Tourismus-Sonderzonen in Kobuleti und Anaklia am Schwarzen Meer sollen auch entlegene Gebiete erschlossen und ausländische Direktinvestitionen angelockt werden. Dazu planen mehrere große georgische Unternehmen Investitionen für die Modernisierung und den Ausbau ihrer Produktion. Die Perspektive der EU-Annäherung könnte ein Stimulus für weitere private Investitionen werden.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

2014 hat der bilaterale Warenverkehr der Bundesrepublik mit Georgien leicht um 3,3 Prozent zugenommen und erreichte einen Wert von 475 Millionen Euro. Davon entfiel der Großteil auf die Lieferungen deutscher Firmen im Wert von 376 Millionen Euro, immerhin 13,3 Prozent mehr als 2013. Deutschland führte georgische Waren im Wert von 99 Millionen Euro ein, ein deutliches Minus von 22,5 Prozent. Insgesamt sind trotz der relativ kleinen Marktgröße Georgiens die Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen als gut einzuschätzen. Kooperationsfelder könnten die Landwirtschaft sowie die Bereiche Infrastruktur, Logistik, Bauwesen und Informationstechnologien sein.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Im Januar 2014 beteiligte sich Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Lindner mit einem Vortrag zu Infrastruktur- und Investitionsvorhaben am Südkaukasus-Forum in Berlin. Ebenfalls im Januar 2014 traf Geschäftsführer Lindner den georgischen Premierminister Irakli Garibashvili. Im Februar 2014 begleitete der Ost-Ausschuss eine Delegationsreise von EU-Kommissar Günther Oettinger nach Georgien, wo im Rahmen eines Business Meetings Gespräche mit georgischen Regierungsmitgliedern geführt wurden. Im Juni 2014 fand ein vom Ost-Ausschuss organisiertes Deutsch-Georgisches Wirtschaftsforum in Berlin statt, an dem unter anderem Premierminister Garibashvili sowie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt teilnahmen.

Anfang Mai 2015 organisierte der Ost-Ausschuss ein Wirtschaftsgespräch mit der Außenministerin Georgiens Tamar Beruchashvili in Berlin, an dem zwölf Unternehmensvertreter teilnahmen. Mitte Juni 2015 führte eine Ost-Ausschuss-Unternehmerreise nach Georgien, wo Gespräche unter anderem mit Vize-Premierminister George Kvirikashvili geführt wurden.