Georgien
Stand: März 2013
Georgien, das kleine Land im Südkaukasus, hat seit der so genannten Rosenrevolution 2003 seine Wirtschaft stark reformiert. Im Weltbank-Bericht „Doing Business 2011“ wurde Georgien zum weltweiten Top-Reformer für die Jahre 2005-2010 gekürt und ist mit dem Platz 12 das einzige osteuropäische Land unter den Top 15. Ausschlaggebend dafür waren unter anderem eine liberalisierte Steuergesetzgebung, eine Zollreform, ein modernisiertes System von Lizenzen und Genehmigungen, eine der liberalsten Arbeitsgesetzgebungen der Welt sowie die Zurückdrängung der Korruption.
Georgien etabliert sich zunehmend als Transitland, insbesondere für Energierohstoffe aus der zentralasiatisch-kaspischen Region nach Europa. In den Beziehungen zu Russland trennt die georgische Regierung Politik und Wirtschaft und versucht auf letzterem Gebiet normale, sachliche Beziehungen mit Russland zu pflegen.
Wirtschaftsentwicklung
Auf Basis einer stärkeren Handelsnachfrage, gestiegener Auslandsüberweisungen und steuerlicher Anreize hat die georgische Wirtschaft nach dem Kaukasus-Konflikt mit Russland 2008 und der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise recht schnell zu einem soliden Wachstum zurückgefunden. Ein Problem bleiben die beständig hohen Inflationsraten im Land.
Georgiens Konjunktur wird hauptsächlich von Direktinvestitionen aus dem Ausland, vom Binnenkonsum, von der Bauwirtschaft sowie von den Finanzhilfen internationaler Geberorganisationen getragen. Das BIP Georgiens wuchs 2010 real um 6,4 Prozent. Für das Jahr 2011 prognostiziert der IWF einen weiteren Zuwachs von 5,5 Prozent. Eine ähnliche Größenordnung halten Experten auch für die Jahre 2012 und 2013 für möglich. Das Haushaltsdefizit verringerte sich im Jahr 2010 auf 6,6 Prozent des BIP (2009: 9,2 Prozent). Die außenwirtschaftliche Position hat sich seit Mitte vergangenen Jahres deutlich verbessert. Die Importe stiegen 2010 um rund 17 Prozent, gleichzeitig wuchsen die Ausfuhren um knapp 35 Prozent.
Dank der Finanzhilfen internationaler Geber investiert die georgische Regierung massiv in die Infrastruktur und Agrarwirtschaft. Mit einer Reihe von Sonderwirtschaftszonen wie der Freihandelszone im Hafen Poti und den Tourismus-Sonderzonen in Kobuleti und Anaklia am Schwarzen Meer sollen auch entlegene Gebiete erschlossen und ausländische Direktinvestitionen angelockt werden. Die positiven Wirkungen dieser Maßnahmen sind insbesondere im Tourismusbereich zu beobachten. Beispiel hierfür ist die Neueröffnung des Hotels Radisson SAS Iveria sowie anderer internationaler Hotelketten wir Sheraton oder Marriott in Tbilissi und Batumi.
Trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklung Georgiens bleibt die Finanzstabilität eine der Hauptaufgaben der Regierung. Die Leitzinsen mussten in den ersten Monaten des Jahres 2011 bereits mehrfach angehoben werden. Die Inflationsrate ist mit etwa 13 Prozent weiterhin sehr hoch. Problematisch ist auch das geringe interne Akkumulationspotenzial für Investitionen. Entsprechend groß ist die Rolle internationaler Finanzierungsinstitutionen bei der Investitionstätigkeit Georgiens, da das Land über keine bedeutenden Rohstoffvorkommen verfügt, die als Motor für eine Entwicklung der Wirtschaft genutzt werden könnten.
Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland
Deutschland ist Georgiens viertgrößter Handelspartner und der wichtigste Handelspartner in der Europäischen Union.
Der bilaterale Handel mit Georgien setzte sein außerordentliches Wachstum fort und wuchs 2011 sogar um fast 60 Prozent, insbesondere getragen von einem Importzuwachs von rund 144 Prozent bei 40 Prozent Wachstum im Export. Insgesamt wechselten Waren und Dienstleistungen im Wert von über 480 Millionen Euro die Grenzen in beide Richtungen.
Insgesamt sind trotz der relativ kleinen Marktgröße Georgiens die Geschäftmöglichkeiten in diesem Land für deutsche Unternehmen als gut einzuschätzen.
Aktivitäten des Ost-Ausschusses
Am 14. November 2011 organisierte der Ost-Ausschuss ein Arbeitsgespräch mit dem georgischen Premierminister Gilauri in Berlin. Im kleinen Kreis interessierter Mitgliedsunternehmen diskutierte der georgische Premierminister Fragen der Ausweitung der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Premierminister Gilauri lud eine Ost-Ausschuss-Delegation zu einem Besuch in Georgien ein.
Ausblick
Der IWF geht davon aus, dass sich die Preise in kommenden Jahren stabilisieren und auf dieser Grundlage die Inflation allmählich wieder auf eine einstellige Zahl sinken wird. Aufgrund der Ankündigungen neuer Investitionsprojekte wird außerdem eine anhaltend positive Wirtschaftsentwicklung Georgiens in den kommenden Jahren erwartet. So kündigte beispielsweise ein südkoreanisches Konsortium um den Daewoo-Konzern Investitionen mit einem Umfang von 800 Millionen US-Dollar in Tourismuseinrichtungen und im Energiesektor an.
Mit dem Programm der „Östlichen Partnerschaft“ wird in Zukunft eine engere Anbindung Georgiens an die EU in den Bereichen Wirtschaft, Handel und politisch-administrative Kooperation erwartet. Das Programm soll zusätzlich für eine größere Stabilität in der Region sorgen. Die Initiative der „Östlichen Partnerschaft“ weckt Hoffnungen auf die Übernahme von EU-Standards, Freihandelsabkommen und Visa-Erleichterungen und letztlich eine positive wirtschaftliche Entwicklung.

Statistik
Präsident: Micheil Saakaschwili
Regierungschef: Bidsina Iwanischwili
Hauptstadt: Tbilisi
Bevölkerung, 2012: 4,498 Mio.
Nominales BIP, 2011: 14,34 Mrd. USD
BIP pro Kopf, 2011: 3188 USD
BIP-Wachstum, 2011: 7,0%
BIP-Wachstum, 2012: 6,0% (Schätzung)
Bilateraler Handel mit Deutschland
Importe aus GE, 2012: 188,8 Mio. Euro
Exporte nach GE, 2012: 403,6 Mio. Euro
Quellen:
UNCTAD, gtai, Worldbank, IWF
BIP: Bruttoinlandsprodukt





