Geschäftsklima in Russland eingetrübt

29. Januar 2014

Pressekonferenz zur Vorstellung der 11. Geschäftsklima-Umfrage des Ost-Ausschusses und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer / Sorgen um die Ukraine

Die Stimmung der deutschen Unternehmen in Russland hat sich im Vergleich zum Vorjahr eingetrübt: In der jährlichen Geschäftsklima-Umfrage des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer stellten 56 Prozent der Befragten im zurückliegenden Jahr eine negative Entwicklung des Geschäftsklimas in Russland fest. Die Aussichten für 2014 sind entsprechend: Etwa ein Drittel der 105 befragten Unternehmen erwartet eine positive Wirtschaftsentwicklung. Genau die Hälfte geht dagegen von einer Stagnation der russischen Wirtschaft aus, weitere 14 Prozent befürchten eine Rezession.

„Während sich die Weltwirtschaft insgesamt erholt, droht Russland den Anschluss zu verlieren. Das Reformtempo ist nicht hoch genug“, sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft Eckhard Cordes bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Bis 2018 möchte Russland zu den 20 attraktivsten Investitionsstandorten weltweit gehören. Doch aktuell beobachten nur sieben Prozent der befragten Unternehmen eine spürbare Reformdynamik im Land. Nach Berechnungen des Ost-Ausschusses hat sich der deutsch-russische Handel im vergangenen Jahr deutlich abgeschwächt: „Wir gehen für das Gesamtjahr 2013 von einem Rückgang des bilateralen Handels von rund fünf Prozent aus. Wenn wir 2014 diesen Abwärtstrend stoppen könnten, wäre es bereits ein Erfolg“, dämpfte Cordes die Erwartungen.

Insbesondere Bürokratie und Korruption, aber auch der Fachkräftemangel werden von den deutschen Unternehmen in Russland als größte Hindernisse für ihre Geschäftstätigkeit gesehen. Sie wünschen sich zudem weitere Reformschritte zur Vereinfachung von Genehmigungs-, Zertifizierungs- und Zollverfahren sowie die Gleichstellung von ausländischen mit inländischen Investoren.  Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer, betonte, dass, „genau jetzt der richtige Zeitpunkt zu Handeln gekommen ist und mit dem bei der AHK ansässigen Koordinator zur Einführung der dualen Berufsausbildung ein erster wesentlicher Schritt zur Verbesserung der Ausbildungssituation getan werde.“

Durch den politischen Konflikt zwischen der Europäischen Union und Russland um die zukünftige Ausrichtung der Ukraine befürchten aktuell 39 Prozent der befragten Unternehmen negative Auswirkungen für ihr Geschäft. „Die weitere Entwicklung in der Ukraine hat Auswirkungen auf die Wirtschaft in ganz Osteuropa. Umso wichtiger ist, dass sich die Europäische Union um eine friedliche Lösung in Kiew und gleichzeitig um einen Dialog mit Russland bemüht“, sagte Cordes. „Wirtschaftlich hat eine Spaltung Europas in verschiedene Freihandelszonen auf Dauer keinen Sinn. Wir müssen stärker mit Russland und der Zollunion über eine gemeinsame Wirtschaftsarchitektur sprechen“. Ihre Hoffnungen setzen die deutschen Unternehmen in Russland in diesem Zusammenhang auch auf die neue Bundesregierung. 51 Prozent der Befragten erwarten sich von ihr positive Impulse für die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. 

Der WTO-Beitritt Russlands im August 2012 hat sich für eine große Zahl der deutschen Unternehmen bislang nicht bemerkbar gemacht: Rund 85 Prozent der befragten Unternehmen konnten keine Auswirkungen feststellen. 29 Prozent der deutschen Unternehmen klagten dagegen über protektionistische Maßnahmen von Seiten Russlands. Konkret wurden hier staatliche Quotenregelungen und die im Herbst 2012 eingeführte Recycling-Gebühr für importierte Autos genannt.

Eine wirtschaftliche Belebung hatte sich die russische Regierung von sportlichen Großereignissen wie den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi erwartet. Aus Sicht der deutschen Unternehmen ist das Bild aber eher ambivalent: 36 Prozent der befragten Unternehmen konnten positive wirtschaftliche Impulse durch die Olympischen Winterspiele in Sotschi feststellen. Nach Ansicht von 50 Prozent der Befragten waren keinerlei Impulse durch die Winterspiele für die Wirtschaft zu beobachten. Nach Informationen der AHK und des Ost-Ausschusses waren und sind etwa 100 deutsche, meist mittelständische Unternehmen an den Vorbereitungen zu den Winterspielen in Sotschi beteiligt. „Sotschi hat sich für die deutsche Wirtschaft trotz aller Schwierigkeiten gelohnt. Die einmalige Qualität, Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit deutscher Firmen gab ein weiteres Mal den Ausschlag für ein Auftragsvolumen in Milliardenhöhe“, so Michael Harms, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer haben unter ihren Mitgliedsunternehmen im Januar 2014 zum elften Mal ihre jährliche Umfrage zum Geschäftsklima in Russland durchgeführt. Schwerpunkte waren die aktuellen Investitionsbedingungen vor Ort, die möglichen Auswirkungen der WTO-Mitgliedschaft sowie die Erwartungen der Unternehmen an die zukünftige russische Wirtschaftspolitik. 105 Unternehmen haben sich zu den Fragen geäußert. Diese setzen insgesamt zwölf Milliarden Euro in Russland um und beschäftigen dort 58.000 Mitarbeiter.

Die vollständige Umfrage finden Sie als Download in der rechten Spalte.