Kasachstan

Stand: August 2016

Kasachstan ist Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion, die Anfang 2015 in Kraft trat und der außerdem noch Russland, Belarus, Armenien und Nachbar Kirgisistan angehören. Daneben sucht das Land aber auch die Kooperation mit der EU. Die EU und Kasachstan haben im Dezember 2015 ein umfassendes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen unterzeichnet. Das neue Abkommen ersetzt das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen von 1999. Am 30. November 2015 ist Kasachstan nach beinahe 20 Jahren Verhandlung als 162. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten und ist damit nach Kirgisistan und Tadschikistan das dritte WTO-Mitglied der Region.

Wirtschaftsentwicklung

Kasachstan bekommt die Auswirkungen des niedrigen Ölpreises zu spüren. Die stark von Ölexporten abhängige Wirtschaft des Landes drohte dadurch im laufenden Jahr zum ersten Mal seit 1998 in eine Rezession zu rutschen. Außer dem Ölpreisverfall belasten das schwächere Wachstum in wichtigen Abnehmerländern wie Russland und China und die Verzögerungen bei der Inbetriebnahme des Ölfelds Kaschagan die Wirtschaft. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2014 noch um 4,3 Prozent gewachsen war, schwächte sich die Dynamik 2015 laut der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) auf 1,2 Prozent ab. Die schwächere Nachfrage Russlands und der schwache Rubel sowie die Folgen der Yuan-Abwertung zwangen die kasachische Regierung dazu, den Wechselkurs des Tenge freizugeben, was zu einer starken Abwertung führte. Sowohl die Verbrauchernachfrage als auch die Staatsausgaben haben sich in Folge der sinkenden Einnahmen verringert. Regierung und Nationalbank steuern mit einem Investitionsprogramm und strukturellen Reformen gegen die Wirtschaftskrise an.

Die EBRD geht in ihrer jüngsten Prognose davon aus, dass das kasachische BIP 2016 um 1,1 Prozent wachsen wird. Für 2017 rechnet sie mit einem Plus von 2,4 Prozent. Die konjunkturelle Belebung folgt der allmählich einsetzenden Erholung der Rohstoffpreise, aber auch den Investitionen, die chinesische Investoren im Zuge der Weiterentwicklung der „Neuen Seidenstraße“ besonders in Kasachstan planen. Hier verläuft die Hauptroute dieses Transportkorridors. Mittelfristig könnte sich dadurch die Anbindung des Landes an die internationalen Handels- und Warenströme verbessern.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschlands Lieferungen nach Kasachstan, auf das 85 Prozent des deutschen Handels mit Zentralasien entfällt, brachen 2015 abermals drastisch ein – nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 27 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Bereits im Vorjahr betrug das Exportminus 20 Prozent. Die wichtigsten Ausfuhrgüter sind Maschinen, chemische Erzeugnisse sowie Mess- und Regeltechnik. Aus Kasachstan importiert Deutschland vor allem Erdöl und Erdölprodukte. Die deutschen Einfuhren aus Kasachstan sanken 2015 um 37 Prozent und erreichten einen Wert von gut 2,8 Milliarden Euro – bedingt vor allem durch den niedrigeren Ölpreis.

Die Probleme in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen mit Kasachstan bleiben bestehen. In der Frage der Wiederaufnahme der Hermes-Garantien im Kasachstan-Geschäft ist keine Lösung erreicht worden. Das Hermes-Instrumentarium steht damit für deutsche Unternehmen weiterhin nur stark eingeschränkt zur Verfügung. Neben den Absatzmöglichkeiten in Folge der Modernisierung der kasachischen Industrie sind Chancen bei der Umsetzung des deutsch-kasachischen Abkommens über die Partnerschaft im Rohstoff-, Industrie- und Technologiebereich vorhanden. Erste Projekte konnten bereits umgesetzt werden. Darüber hinaus bieten die Vorbereitungen zur EXPO-2017-Ausstellung in der kasachischen Hauptstadt Astana Chancen für deutsche Unternehmen, insbesondere im Bauzulieferbereich.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Am 7. September 2015 fand ein Treffen mit dem Ersten Stellvertretenden Ministerpräsidenten der Republik Kasachstan Bakytzhan Sagintajew in Berlin statt. Im Rahmen des Treffens standen die aktuellen Entwicklungen in Kasachstan sowie bei der Vorbereitung der EXPO 2017, aktuelle Investitionsprojekte und das Privatisierungsprogramm im Mittelpunkt der Diskussionen. Aktuelle Entwicklungen in Zentralasien standen auf der Agenda des traditionellen Treffens des Expertenkreises „Zentralasien“ des Ost-Ausschuss Ende September 2015 in Berlin. Im Rahmen des Expertenkreises tauschten sich Fachexperten und Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage in der Region aus.

Am 20. November 2015 wurde in Leipzig der Wirtschaftstag Kasachstan abgehalten, in dessen Rahmen unter anderem der stellvertretende Vorsitzende der nationalen Investitionsagentur Kasachstans KAZNEX INVEST Kairat Karmanov Investitionsprojekte in unterschiedlichen Branchen vorstellte und die Reformpläne der kasachischen Regierung präsentierte. Im Rahmen des Eurasia Business Forum am 24. November 2015 während der OECD Eurasia Business Week fanden Treffen mit hochrangigen Regierungsvertretern aus Zentralasien statt, unter anderem mit dem Minister für Investitionen und Entwicklung der Republik Kasachstan Asset Issekeshev.

Zur Grünen Woche 2016 hielt sich eine Delegation unter der Leitung des Stellvertretenden Ministers für Landwirtschaft der Republik Kasachstan Yermek Kosherbayev in Berlin auf und nutzte die Gelegenheit zu einem Austausch mit deutschen Unternehmensvertretern im Rahmen eines Rundtischgesprächs. Minister Kosherbayev informierte die Teilnehmer über aktuelle Investitionsprojekte im Agrarbereich in der Republik Kasachstan sowie die Reformvorhaben der kasachischen Regierung. Die Internationale Tourismus Börse ITB in Berlin nutzte Kasachstan zu Präsentation der Pläne der EXPO-2017-Ausstellung in Astana sowie zur Vorstellung des touristischen Potenzials des Landes am 11. März 2016. Anfang April 2016 fand ein Treffen mit dem Vorsitzenden des Astana International Financial Center Kairat Kelimbetov in Frankfurt am Main statt.

Gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit mbH (GIZ) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) setzt der Ost-Ausschuss seit 2012 bereits in der zweiten Phase ein Projekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) zur Rohstoffkooperation mit Zentralasien um. Seit Juli 2016 kooperiert der Ost-Ausschuss mit der kasachischen Botschaft in Berlin im Rahmen des Berliner Eurasischen Klubs. In diesem Zusammenhang ist eine Serie von gemeinsam organisierten Konferenzen in Berlin, Brüssel und Astana geplant. Die erste derartige Konferenz zum Thema Eurasische Wirtschaftsunion und die EU – Wege zur Annäherung fand am 15. Juli 2016 in Astana statt.

Quellen: OWC, EBRD, IWF, Statistisches Bundesamt