Kasachstan
Stand: März 2013
- Wirtschaftsentwicklung
- Deutsch-kasachische Wirtschaftsbeziehungen
- Chancen, Risiken und Ausblick
- Aktivitäten des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft
Die Wirtschaft Kasachstans wird vom Öl- und Gassektor dominiert, das Land ist mittlerweile der fünftgrößte Erdölexporteur der Welt. Die Ölproduktion soll von 1,3 Mio. Barrel pro Tag im Jahr 2005 auf drei Millionen Barrel im Jahr 2015 gesteigert werden. Neben dem Öl- und Gassektor stützt sich das Wirtschaftswachstum vor allem auf die Erlöse aus dem Metall- und Getreideexport sowie die Umsetzung großer Investitionsprojekte im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor.
Kasachstan hat in den Jahren seit 2003 verschiedene wirtschaftsfördernde Einrichtungen geschaffen, die die Diversifizierung der Wirtschaft voranbringen sollen. Dennoch befindet sich Kasachstan erst am Beginn einer modernen diversifizierten Wirtschaft. Bisher hing das Wachstum im Wesentlichen von der günstigen Konjunktur auf dem Weltrohstoffmarkt ab. Hinzu kommt die nach wie vor in vielen Sektoren blühende Schattenwirtschaft, deren Anteil am BIP sich nach Meinung kasachischer Ökonomen insgesamt auf bis zu 30 Prozent beläuft.
Weil Kasachstan enger in die internationale Finanzwelt eingebunden ist als die Nachbarrepubliken, zeigten sich die Folgen der Wirtschaftskrise hier früher und stärker. Die Regierung in Astana hat darauf mit Entwicklungsprogrammen zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Stabilität und zur Gewährleistung der Versorgung der Bevölkerung reagiert. Dass das kasachische Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2009 nur um 1,3 Prozent geschrumpft ist, und damit weitaus weniger als in vergleichbaren Ländern, verdankt das Land nicht zuletzt den im zweiten Halbjahr 2009 wieder gestiegenen Weltmarktpreisen für Rohstoffe.
Wie sich die kasachische Wirtschaftsleistung in den kommenden Jahren entwickelt wird zu großen Teilen davon abhängen, inwieweit es der Republik gelingt, die Probleme des Bankensystems zu überwinden. Diese erheblichen Schwierigkeiten im Banksektor betreffen unmittelbar auch die deutsche Wirtschaft. So hat die Euler Hermes Kreditversicherungs-AG die generelle Anerkennung von kasachischen Banken aufgehoben und überprüft die Deckungsmöglichkeiten für Exporte nach Kasachstan sowie auch in die anderen zentralasiatischen Republiken nun im Einzelfall. Für Geschäfte, die durch die Bank Turan Alem, die Alliance Bank und die Astana Finance Bank besichert sind, übernimmt der Bund zudem bis auf Weiteres keine Hermesdeckungen mehr. Der Ost-Ausschuss hat die kasachische Regierung mehrfach auf das schwer beschädigte Vertrauen in das kasachische Bankwesen hingewiesen und sich als Vermittler zwischen kasachischen und deutschen Regierungsstellen betätigt.
Kasachstan bleibt unangefochten der wichtigste Wirtschaftspartner für Deutschland in Zentralasien und konnte diese Stellung 2011 sogar weiter ausbauen: Auf die flächenmäßig größte Republik der Region entfallen über 85 Prozent des deutschen Handelsumsatzes mit Zentralasien. Die Wirtschaft wuchs 2011 um sieben Prozent und setzte damit das dynamische Wachstum des Vorjahres fort. Die Inflationsmarke von acht Prozent konnte trotz Preisrückgang bei den exportwichtigen Rohstoffen mit 7,4 Prozent deutlich unterboten werden. Der Staatshaushalt ist nahezu ausgeglichen.
Deutsch-kasachische Wirtschaftsbeziehungen
1. Handel
Der bilaterale Austausch von Waren und Dienstleistungen mit Kasachstan setzt sein Wachstum fort. Nach knapp 44 Prozent in 2010 steigerte er sich um knapp 19 Prozent in 2011 auf insgesamt 6,2 Milliarden Euro. Den größeren Anteil daran hatte der Export, der um 25 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zulegte. Damit konnte der Export wieder Dynamik aufnehmen, die in den vergangenen Jahren fehlte (2010: +4 Prozent; 2009: -25 Prozent). Der Import aus Kasachstan stieg um über 16 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Das Saldo ist weiterhin deutlich negativ. Die Wirtschaftsbeziehungen haben die damit die Folgen der Internationalen Finanzkrise offenbar überwunden und zu früherer Intensität zurück gefunden. Gleichzeitig bestehen aber noch Schwierigkeiten, deren Überwindung zu einer Beschleunigung führen kann. Dies betrifft in erster Linie die weiterhin weitgehend fehlenden Hermes-Deckungsmöglichkeiten, was eine Folge der Restrukturierungspolitik der kasachischen Banken ist. Das Vertrauen in das kasachische Finanz- und Bankenwesen ist immer noch nicht wieder hergestellt und bedarf weiterer vertrauensbildender Maßnahmen.
Die Wirtschaftsbeziehungen mit Kasachstan haben durch den Besuch des kasachischen Präsidenten Nasarbajew in Berlin im Februar 2012 einen neuen Impuls erhalten. Während des Besuches wurde das Regierungsabkommen mit Kasachstan zur Rohstoffkooperation und Modernisierung unterzeichnet. Entscheidend ist nun, dass mit dessen Umsetzung ein wirklicher Impuls für die Wirtschaftsbeziehungen erfolgt. Darüber hinaus wurden Verträge und Absichtserklärungen im Wert von 3,5 Milliarden Euro vereinbart. Das spiegelt das bestehende große Interesse an Kooperation wider. Kasachstan bleibt ein chancenreicher und vielversprechender Markt.
2. Investitionen
Kasachstan hat zahlreiche Maßnahmen zur Förderung ausländischer Investitionen ergriffen, wie Steuererleichterungen und die Schaffung von Wirtschaftszonen mit günstigen Investitionsbedingungen.
Seit 1995 besteht ein deutsch-kasachisches Investitionsschutzabkommen und seit 1998 ein Doppelbesteuerungsabkommen. Mit der EU besteht seit 1995 ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen.
Chancen:
Kasachstan verfügt über eine aufstrebende, liberale Wirtschaft mit großem Modernisierungs- und Diversifizierungsbedarf, rasant wachsender Binnennachfrage und wachsendem Qualitätsbewusstsein. Das Potential Kasachstans basiert auf enormen Rohstoffreichtum, großen Ressourcen im Agrarbereich sowie seiner Lage als Transportkorridor für den europäischen, sibirischen und chinesischen Markt.
Weitere Chancen für die intensive Kooperation der Ministerien von beiden Staaten im Rahmen der Zentralasienstrategie 2007-2013 bieten sich in den Bereichen Umweltschutz, erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Entwicklung alternativer Energiequellen.
Von wachsender Bedeutung ist Kasachstan für die deutsche Wirtschaft auch als Lieferant von Seltenen Erden und anderen Rohstoffen, die in der Hightechindustrie (Computer, Smartphones) und für alternative Antriebe (Windkraft, E-Mobile) dringend benötigt werden. Das Land zählt zu den Schwerpunktländern der Energiestrategie der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft.
Risiken:
Trotz des Modernisierungsstrebens der kasachischen Regierung treffen ausländische Investoren auf zum Teil schwierige Rahmenbedingungen, vor allem in Bezug auf mangelnde Vertragstreue und Transparenz bei Entscheidungsprozessen, fehlende Rechtssicherheit sowie Interventionen von Staatsorganen in das Wirtschaftsgeschehen. Trotz verschiedener multilateraler Fortbildungsprogramme und Bildungskooperationen in Manager- und Medizinpersonalausbildung besteht nach wie vor ein Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften.
Ausblick:
Kasachstan bleibt in einem erheblichen Maße auf den Import von Maschinen und Anlagen angewiesen. Die Importquote im Maschinenbausektor beträgt heute etwa 85 Prozent. Eine weiter steigende Nachfrage nach Importtechnik prognostizieren Marktkenner insbesondere in den Industriesektoren Öl- und Gaswirtschaft, Erzbergbau, Hüttenwesen, Nahrungsmittelindustrie sowie Produktion von chemischen- und Kunststofferzeugnissen. Der Agrarsektor wurde in letzter Zeit von der kasachischen Regierung besonders gefördert, so dass hier für ausländische Anbieter von Maschinen und Ausrüstungen perspektivreiche Absatzchancen bestehen. Daneben werden die Sektoren Immobilienwirtschaft/Vermietung und unternehmensnahe Dienste sowie der Transport- und Telekommunikationssektor von zunehmendem Interesse sein.
Für die dringend erforderliche Modernisierung beim Ausbau der Stromwirtschaft und der Wärmeversorgung hat die Regierung Kasachstans zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, die maßgebliche Impulse auf das Importgeschäft in diesem Sektor geben werden. Ebenso bestehen im Bereich Gesundheitswesen / Medizintechnik besondere Wachstumschancen. Viele Regionalverwaltungen haben die Erneuerung in den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen, die Ausbildung des Medizinpersonals sowie die Ausstattung neuer Krankenhäuser und Polikliniken ganz oben auf die Agenda gesetzt.
Aktivitäten des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft
Seit Januar 2008 erscheinen dank einer Finanzierung durch Mitgliedsunternehmen und den Ost-Ausschuss monatliche „Länderanalysen Zentralasien“ zu den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Region. Diese werden gemeinsam von der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde herausgegeben. Die Länderanalysen Zentralasien können kostenlos unter www.laender-analysen.de abonniert werden.
Ein Schwerpunktthema in den Wirtschaftsbeziehungen mit Kasachstan ist die Etablierung einer Rohstoffpartnerschaft mit dem zentralasiatischen Land. Im Rahmen dieser Aufgabe führte der Ost-Ausschuss gemeinsam mit der Bundesregierung und anderen Partnern mehrere Treffen durch, die die Kooperationsmöglichkeiten in diesem Bereich auf politischer und Unternehmensebene eruierte. Die Ausfüllung der Rohstoffpartnerschaft wurde in einer Arbeitsgruppe im BDI koordiniert, die mögliche Leuchtturmprojekte identifizierte.
Den Höhepunkt der Ost-Ausschuss-Aktivitäten bildete am 8. Februar 2012 der Besuch des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew in Deutschland, bei dem ein Regierungsabkommen zur Zusammenarbeit in den Bereichen Rohstoffe, Industrie und Technologien unterzeichnet wurde, das eine neue Stufe der Wirtschaftsbeziehungen eröffnen soll. Fragen der Entwicklung dieser Beziehungen wurden bei einem Abendessen diskutiert, das der Ost-Ausschuss zu Ehren des kasachischen Präsidenten in Berlin gab und an dem insgesamt rund 120 Personen teilnahmen. Der Ost-Ausschuss unterstützte auch weitere Wirtschaftsveranstaltungen im Rahmen des Berlin-Besuches des Präsidenten, wie die Unterzeichnung von Wirtschaftsverträgen und einen Round-Table zur Umsetzung der Rohstoffpartnerschaft.
Der Ost-Ausschuss ist weiterhin aktiv in den wirtschaftspolitischen Dialog mit den Regierungen der Länder der Region in Form der Regierungsarbeitsgruppen (RAG) Wirtschaft und Investitionen eingebunden und beteiligt sich außerdem beim Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsrat.
Quellen:
Auswärtiges Amt
European Bank for Reconstruction and Development
Statistisches Bundesamt
International Monetary Fund

Statistik
Präsident: Nursultan Nasarbaew
Regierungschef: Serik Achmetow
Hauptstadt: Astana
Bevölkerung, 2012: 16,7 Mio.
Nominales BIP, 2012: 200,6 Mrd. US$ (Schätzung)
Nominales BIP, 2013: 220,1 Mrd. US$ (Schätzung)
BIP pro Kopf, 2012: 12021,2 US$ (Schätzung)
BIP-Wachstum, 2012: 5,5 % (Schätzung)
BIP-Wachstum, 2013: 5,7 % (Schätzung)
Bilateraler Handel mit Deutschland
Importe aus KAZ, 2012: 4 Mrd. Euro
Exporte nach KAZ, 2012: 2 Mrd. Euro
Quellen:
Auswärtiges Amt, CIA World Fact Book, Statistisches Bundesamt,
EBRD, GTAI.
BIP: Bruttoinlandsprodukt
Nützliche Links
Delegation der deutschen Wirtschaft für Zentralasien
Artikel
"Wirtschaftskrise und neue Chancen





