Kasachstan

Stand: März 2015

Kasachstan ist Mitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion, die Anfang 2015 in Kraft trat und der außerdem noch Russland, Belarus und Armenien angehören. Daneben sucht das Land aber auch die Kooperation mit der EU. Im Januar 2015 wurde in Brüssel ein Erweitertes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit der EU auf den Weg gebracht, das die bilateralen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen soll. Kasachstan ist das erste Land Zentralasiens, das ein solches Abkommen mit der EU anstrebt. Das neue erweiterte Vertragswerk soll das existierende Partnerschafts- und Kooperationsabkommen von 1999 ersetzen.

Wirtschaftsentwicklung

Die Wirtschaftslage in Kasachstan hat sich 2014 spürbar eingetrübt. Für erheblichen konjunkturellen Gegenwind sorgten der Ukraine-Konflikt mit seinen negativen wirtschaftlichen Auswirkungen in der Region sowie der Verfall des Ölpreises. Schließlich wird die Wirtschaft Kasachstans vom Öl- und Gassektor dominiert: Das Land ist mittlerweile der fünftgrößte Erdölexporteur der Welt. Rund ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Hälfte der staatlichen Einnahmen und zwei Drittel der Exporterlöse basieren auf Rohöl. Dazu kommen hausgemachte Probleme wie der hohe Bestand an notleidenden Krediten im Bankensystem. Vor diesem Hintergrund verlangsamte sich das Wachstum von sechs Prozent (2013) auf 4,3 Prozent 2014. Der Gegenwind dürfte 2015 sogar noch schärfer werden und das Wirtschaftswachstum nach Prognose der EBRD auf nur noch 1,5 Prozent drücken. Hintergrund ist das anhaltend schwierige externe Umfeld, insbesondere die Rezession in Russland, und der niedrige Ölpreis. Regierung und Zentralbank stemmen sich mit einer Reihe von Maßnahmen gegen den Konjunktureinbruch: So hat der Präsident Ende 2014 ein überwiegend auf Infrastrukturinvestitionen gestütztes Konjunkturprogramm (Nurly Zhol) verkündet, das aus dem Nationalfonds finanziert wird, und Wirtschaftsministerium und Zentralbank wollen ihre Wirtschafts- und Geldpolitik koordinieren.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Auf Kasachstan, das flächenmäßig größte Land der Region, konzentrieren sich über 85 Prozent des deutschen Handelsumsatzes mit Zentralasien. Gleichwohl gibt es einige Probleme in den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. In der Frage der Wiederaufnahme der Hermes-Garantien im Kasachstan-Geschäft ist bisher keine Lösung erreicht worden. Das Hermes-Instrumentarium steht damit weiter nur stark eingeschränkt für deutsche Unternehmen zur Verfügung. Das Regierungsabkommen mit Kasachstan zur Rohstoffkooperation und Modernisierung von 2012 hat dagegen positive Impulse gegegen. Neue Chancen für deutsche Unternehmen eröffnen sich im Zusammenhang mit der Ausrichtung der EXPO 2017 in Astana, die unter dem Titel „Energien der Zukunft“ steht.

Die kasachische Konjunkturabkühlung und die Abwertung der Währung (Tenge) hinterließen im Vorjahr jedoch ihre Spuren im deutsch-kasachischen Handel: Die deutschen Ausfuhren nach Kasachstan gingen um ein Fünftel auf 1,7 Milliarden Euro zurück. Die deutschen Einfuhren von dort schrumpften um 3,3 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Unter den kasachischen Beschaffungsmärkten lag Deutschland in den ersten neun Monaten 2014 mit deutlichem Abstand hinter Russland und China auf Rang drei. Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter Richtung Kasachstan sind Maschinen, chemische Erzeugnisse und Kfz/Kfz-Teile. Erdöl und Erdölprodukte dominieren die deutschen Importe aus Kasachstan. Nach Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle war Kasachstan in den ersten neun Monaten 2014 mit 5,3 Millionen Tonnen das fünftwichtigste Öllieferland der Bundesrepublik.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Der Ost-Ausschuss ist aktiv in den wirtschaftspolitischen Dialog mit den zentralasiatischen Länder in Form der Regierungsarbeitsgruppen (RAG) Wirtschaft und Investitionen eingebunden. Die letzte Sitzung fand im Juni 2014 statt. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe setzt der Ost-Ausschuss seit 2012 ein Projekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit zur Rohstoffkooperation mit Zentralasien um.

Im vergangenen Jahr organisierte der Ost-Ausschuss eine Vielzahl von Veranstaltungen zu Kasachstan. So fand im Februar 2014 ein Wirtschaftsforum „Energieeffizientes Bauen und Modernisieren in Osteuropa“ als Begleitveranstaltung der Internationalen Fachmesse für Bauen und Gebäudetechnik – bautec 2014 statt. Parallel dazu organisierte der Ost-Ausschuss ein Fachgespräch zwischen kasachischen und deutschen Experten zur Einführung von Eurocodes im Bauwesen in kasachische Normen und Standards. Der Ost-Ausschuss beteiligte sich an der Vorbereitung und Durchführung der Sitzung des Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsrates sowie des Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsforums mit Teilnahme des kasachischen Vize-Premierministers Issekeschew im März 2014 in Berlin und nahm im Mai 2014 am Astana Economic Forum teil. Im Juni 2014 begleitete die Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft des Ost-Ausschusses den Außenwirtschaftstag der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft in Berlin. Mit einem Kasachstan-Forum wurde dabei ein regionaler Schwerpunkt auf Zentralasien gesetzt.

Im Oktober 2014 veranstaltete der Ost-Ausschuss gemeinsam mit Partnern einen Wirtschaftstag Kasachstan in Stuttgart, der Kooperationsmöglichkeiten unter anderem im Rohstoffsektor gewidmet war. Im November 2014 reiste Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in Begleitung einer Unternehmensdelegation nach Astana. Der Ost-Ausschuss wurde durch seinen Geschäftsführer Rainer Lindner vertreten. Steinmeier nahm auch an der 7. Sitzung des Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsrates teil, die parallel zu der Reise stattfand. Im März 2015 organisierte der Ost-Ausschuss eine Informationsveranstaltung zur EXPO 2017 in Astana.