Kasachstan
Stand: Juli 2009.
- Wirtschaftsentwicklung
- Deutsch-kasachische Wirtschaftsbeziehungen
- Chancen, Risiken und Ausblick
- Aktivitäten des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft
Die Wirtschaft Kasachstans wird vom Öl- und Gassektor dominiert, das Land ist mittlerweile der fünftgrößte Erdölexporteur der Welt. Die Ölproduktion soll von 1,3 Mio. Barrel in 2005 bis 2010 auf 1,8 Mio. und bis 2015 auf 3 Mio. Barrel gesteigert werden. Neben dem Öl- und Gassektor stützt sich das Wirtschaftswachstum vor allem auf die Erlöse aus dem Metall- und Getreideexport sowie die Umsetzung großer Investitionsprojekte im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor.
Kasachstan hat in den Jahren seit 2003 verschiedene wirtschaftsfördernde Einrichtungen geschaffen, die die Diversifizierung der Wirtschaft voranbringen sollen. Derzeit umfasst das Portfolio der Institute mehr als 180 zur Mitfinanzierung genehmigte Projekte mit einem Wert von 4,4 Mrd. Euro. Bis 2012 soll das Investitionsportfolio auf mehr als 13 Mrd. USD steigen. Dennoch befindet sich Kasachstan erst am Beginn einer modernen diversifizierten Wirtschaft. Bisher hing das Wachstum im Wesentlichen von der günstigen Konjunktur auf dem Weltrohstoffmarkt ab. Hinzu kommt die nach wie vor in vielen Sektoren blühende Schattenwirtschaft, deren Anteil am BIP sich nach Meinung kasachischer Ökonomen insgesamt auf bis zu 30 Prozent beläuft.
Die Auswirkungen der Finanzkrise haben Kasachstan wegen seiner starken internationalen Finanzverflechtung früher als andere Länder der Region erreicht. Im Zuge der aktuellen Entwicklung im kasachischen Bankensektor wurde die generelle Anerkennung von kasachischen Banken aufgehoben. Hermes überprüft die Deckungsmöglichkeiten für Exporte in das zentralasiatische Land nun im Einzelfall. Bis auf weiteres übernimmt der Bund keine Hermesdeckungen mehr für Geschäfte, die durch die BTA Bank, die Astana Finance Bank oder die Alliance Bank besichert sind.
Deutsch-kasachische Wirtschaftsbeziehungen
1. Handel
Trotz der Auswirkungen der internationalen Finanzkrise bleibt Kasachstan für die deutsche Wirtschaft nach wie vor einer der wichtigsten Partner in Zentralasien. Das Land besitzt eine wachsende Bedeutung als Energielieferant für die EU. Für Deutschland ist Kasachstan der sechstgrößte Öllieferant. Das Handelsvolumen beider Länder liegt bei über 6,1 Mrd. Euro (2008) und ist gegenüber 2007 um 8,7% gestiegen. Wichtigste deutsche Exportgüter bleiben Pkw, Nachrichten- und Energietechnik, Bergwerks-, Bau- und Baustoffmaschinen, Fabrikationsanlagen, Lkw, Busse und Spezialfahrzeuge, elektrotechnische Erzeugnisse, Blech- und Metallwaren, Medizintechnik, Pumpen, Kompressoren, Armaturen, Stahlrohre, Hebezeuge, Kunststoffwaren, Arzneimittel, Kosmetika sowie Papier und Pappe. Wichtigste Einfuhrgüter sind Rohöl, Ferrolegierungen, Kupfer, Aluminium und Zink, chemische Vorerzeugnisse und Gold für gewerbliche Zwecke.
2. Investitionen
Die akkumulierten Direktinvestitionen aus Deutschland lagen 2008 bei ca. 3,1 Mrd. US-Dollar. Neben Siemens gehört die Firma Knauf mit 80 Mio. US-Dollar zu den größten deutschen Direktinvestoren. Große aktuelle Investitionsprojekte werden außerdem von HeidelbergCement, Ferrostaal und ThyssenKrupp in den Sektoren Anlagenbau und Investitionsgüterhandel verwirklicht.
Kasachstan hat zahlreiche Maßnahmen zur Förderung ausländischer Investitionen ergriffen, wie Steuererleichterungen und die Schaffung von Wirtschaftszonen mit günstigen Investitionsbedingungen.
Seit 1995 besteht ein deutsch-kasachisches Investitionsschutzabkommen und seit 1998 ein Doppelbesteuerungsabkommen. Mit der EU besteht seit 1995 ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen.
Chancen:
Kasachstan verfügt über eine aufstrebende, liberale Wirtschaft mit großem Modernisierungs- und Diversifizierungsbedarf, rasant wachsender Binnennachfrage und wachsendem Qualitätsbewusstsein. Das Potential Kasachstans basiert auf enormen Rohstoffreichtum, großen Ressourcen im Agrarbereich sowie seiner Lage als Transportkorridor für den europäischen, sibirischen und chinesischen Markt.
Weitere Chancen für die intensive Kooperation der Ministerien von beiden Staaten im Rahmen der Zentralasienstrategie 2007-2013 bieten sich in den Bereichen Umweltschutz, erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Entwicklung alternativer Energiequellen.
Risiken:
Trotz des Modernisierungsstrebens der kasachischen Regierung treffen ausländische Investoren auf zum Teil schwierige Rahmenbedingungen, vor allem in Bezug auf mangelnde Vertragstreue und Transparenz bei Entscheidungsprozessen, fehlende Rechtssicherheit sowie Interventionen von Staatsorganen in das Wirtschaftsgeschehen. Trotz verschiedener multilateraler Fortbildungsprogramme und Bildungskooperationen in Manager- und Medizinpersonalausbildung besteht nach wie vor ein Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften.
Ausblick:
Kasachstan bleibt in einem erheblichen Maße auf den Import von Maschinen und Anlagen angewiesen. Die Importquote im Maschinenbausektor beträgt heute etwa 85 Prozent. Eine weiter steigende Nachfrage nach Importtechnik für 2009 prognostizieren Marktkenner insbesondere in den Industriesektoren Öl- und Gaswirtschaft, Erzbergbau, Hüttenwesen, Nahrungsmittelindustrie sowie Produktion von chemischen- und Kunststofferzeugnissen. Der Agrarsektor wurde in letzter Zeit von der kasachischen Regierung besonders gefördert, so dass hier für ausländische Anbieter von Maschinen und Ausrüstungen perspektivreiche Absatzchancen bestehen. Daneben werden die Sektoren Immobilienwirtschaft/Vermietung und unternehmensnahe Dienste sowie der Transport- und Telekommunikationssektor von zunehmendem Interesse sein.
Für die dringend erforderliche Modernisierung beim Ausbau der Stromwirtschaft und der Wärmeversorgung hat die Regierung Kasachstans zahlreiche Maßnahmen eingeleitet, die maßgebliche Impulse auf das Importgeschäft in diesem Sektor geben werden. Ebenso bestehen im Bereich Gesundheitswesen / Medizintechnik besondere Wachstumschancen. Viele Regionalverwaltungen haben die Erneuerung in den öffentlichen Gesundheitseinrichtungen, die Ausbildung des Medizinpersonals sowie die Ausstattung neuer Krankenhäuser und Polikliniken ganz oben auf die Agenda gesetzt.
Aktivitäten des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft
Anfang Februar 2009 veranstaltete der Ost-Ausschuss gemeinsam mit der Deutschen Bank und dem OMV in Berlin eine Wirtschaftskonferenz anlässlich der Eröffnung des Kasachstan-Jahres in Deutschland, an der Staatspräsident Nursultan Nasarbajew teilnahm. Der Ost-Ausschuss ist weiterhin in Form der Regierungsarbeitsgruppe (RAG) Handel und Wirtschaft aktiv in den wirtschaftspolitischen Dialog mit der kasachischen Regierung involviert. Aufgabe der RAG ist es, die deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen zu fördern und konkrete Unternehmensprojekte, die der staatlichen Flankierung bedürfen, voranzutreiben. Daneben geht es um die Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen Kooperation. Seit 2004 gibt es ein deutsch-kasachisches Manager-Fortbildungsprogramm, das kürzlich bis 2010 verlängert wurde. Bisher weilten 150 kasachische Manager zu Praktika in Deutschland.
Seit Januar 2008 erscheinen dank einer Finanzierung durch Mitgliedsunternehmen und den Ost-Ausschuss monatliche „Länderanalysen Zentralasien“ zu den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Region. Diese werden gemeinsam von der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde herausgegeben. Die Länderanalysen Zentralasien können kostenlos unter www.laender-analysen.de abonniert werden.
Vom 8. bis 11. November reiste unter Leitung des Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Mangold eine zwölfköpfige Wirtschaftsdelegation durch drei Länder Zentralasiens, so auch durch Kasachstan. Bei den Gesprächen der deutschen Unternehmer mit hochrangigen Vertretern der Regierung ging es insbesondere um die Abstimmung neuer Investitions- und Kooperationsprojekte vor allem zur Projektfinanzierung, Infrastruktur-entwicklung, zum Maschinen- und Anlagenbau sowie um die Förderung von Aus- und Weiterbildung. Siehe auch den Bericht zur Delegantionsreise "Wirtschaftskrise und neue Chancen".
Quellen:
Auswärtiges Amt
European Bank for Reconstruction and Development
Statistisches Bundesamt
International Monetary Fund

Statistik
Präsident: Nursultan Nasarbaew
Regierungschef: Karim Massimow
Hauptstadt: Astana
Bevölkerung, 2009: 16,4 Mio.
BIP, 2008: 141,2 Mrd. USD
BIP pro Kopf (KKP), 2008: 11.500 USD
BIP-Wachstum, 2008: 3%
Bilateraler Handel mit Deutschland
Importe aus KAZ, 2009: 2,3 Mrd. Euro
Exporte nach KAZ, 2009: 1,4 Mrd. Euro
Quellen:
Auswärtiges Amt, CIA World Fact Book, Statistisches Bundesamt.
BIP: Bruttoinlandsprodukt
KKP: Kaufkraftparität
Artikel
"Wirtschaftskrise und neue Chancen

