Montenegro

Stand: Februar 2011

Montenegro hat etwa 670.000 Einwohner und ist flächenmäßig etwas kleiner als Schleswig-Holstein. Die Republik gehörte fast 90 Jahre zu Jugoslawien und bildete später einen Staatenbund mit Serbien, wobei Montenegro über eine weitgehende Autonomie verfügte, die sukzessive erweitert wurde. Am 03. Juni 2006 erklärte Montenegro seine Unabhängigkeit und trat aus der Staatenunion mit Serbien aus. Dem vorausgegangen war ein Referendum, in dem 55,5 Prozent der Wahlbeteiligten für die Unabhängigkeit stimmten. Die Souveränität Montenegros wurde weltweit anerkannt. Bereits im Jahr 1999 führte die montenegrinische Regierung die Deutsche Mark als offizielle Währung ein und übernahm später auch den Euro als offizielles Zahlungsmittel. Montenegro ist jedoch nicht Mitglied der Eurozone.

Montenegro ist seit der Erklärung der Unabhängigkeit 2006 Mitglied der Vereinten Nationen, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Des Weiteren strebt das Land eine Mitgliedschaft in der WTO und der NATO an. Ein wichtiges Ziel der Republik stellt die Integration in die Europäische Union dar. Aus diesem Grund wurde bereits 2007 ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Einen weiteren Schwerpunkt stellen die Ausbau der Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten und die Aussöhnung, insbesondere mit den Staaten des ehemaligen Jugoslawien, dar. Am 15.12.2008 reichte Montenegro den Antrag auf EU-Mitgliedschaft ein. Ende 2009 schaffte die EU im Reiseverkehr die Visa-Pflicht für Bürger Montenegros ab. Seit 17.12.2010 gilt Montenegro als offizieller Beitrittskandidat der EU.

Wirtschaftliche Entwicklung

In den ersten beiden Jahren nach der Unabhängigkeit 2006 verzeichnete Montenegro einen regelrechten Wirtschaftsboom mit Zuwachsraten von bis zu 8,7 Prozent des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) jährlich. Dies lag sowohl an den in das Land fließenden ausländischen Direktinvestitionen als auch am rasanten Ausbau des Tourismus und des Bausektors. Die Küstenregion erlebte einen regelrechten Investitionsboom. Russische Staatsbürger benötigen für Montenegro kein Visum. Auch deshalb investierten russische Unternehmer viel Geld in den Ausbau von Hotels und Appartements.

Mit Verzögerungen wurde auch Montenegro von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise erfasst. Das Bruttoinlandsprodukt sank im Jahr 2009 um 5,7 Prozent. Inzwischen blickt die junge Republik optimistisch in die Zukunft. Während das BIP im Jahr 2010 nach Berechnungen der EBRD noch um ca. 0, 6 Prozent sank, geht man für das Jahr 2011 von einem Wachstum von etwa 2,5 Prozent aus. Für das Jahr 2012 prognostiziert das montenegrinische Finanzministerium sogar ein Wachstum von vier Prozent. Die Arbeitslosigkeit im Land liegt offiziell bei etwa 15 Prozent, wobei es einen großen informellen Arbeitsmarkt gibt. Der Durchschnittslohn liegt etwa bei 450 Euro im Monat.

Die wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes liegen in den Bereichen Dienstleistungen (Tourismus) mit 70 Prozent, Industrie (Aluminium- und Stahlproduktion sowie Bergbau) mit 17,9 Prozent und Landwirtschaft mit 11,7 Prozent des BIP (2009). Montenegro verfügt über Vorkommen an Braunkohle, Bauxit, Erdöl und Erdgas. Hauptexportgüter sind Aluminium und landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Exporte lagen 2009 bei 34 Prozent des BIP. Aluminium, Stahl und Treibstoff machten dabei rund 70 Prozent aller Exporte aus. Montenegro führt seine Erzeugnisse in erster Linie nach Serbien, Deutschland, Kroatien und Italien aus.

Die Europäische Union ist mit rund 40 Prozent Hauptexporteur von Montenegro. Hauptlieferländer sind dabei Italien, Deutschland, Slowakei und Griechenland. Die Republik importiert in erster Linie Maschinen und Fahrzeuge, Brennstoffe und Mineralöle, Nahrungsmittel sowie chemische Erzeugnisse. Russland konzentriert sich primär auf den Immobiliensektor.

Der Tourismus soll auch zukünftig Schwerpunkt der montenegrinischen Wirtschaft sein. Dazu sind hohe Investitionen in Hotelbau und Infrastruktur (vor allem Straßen/Autobahnbau) sowie Wasserversorgung notwendig. Des Weiteren sollen große Investitionen im Energiesektor getätigt werden. Geplant sind der Bau von Wasserkraftwerken sowie konventioneller Kraftwerken. Auch mehrere Windparks sollen in den nächsten Jahren mit Hilfe ausländischer Investoren gebaut werden.

Die Wiederherstellung der Energieversorgung des Landes war das wichtigste Ziel der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit in den ersten Jahren nach den Balkankriegen in den 1990er Jahren. Mittlerweile verlagert sich die Zusammenarbeit dahingehend, eine ökologisch nachhaltige Energieproduktion und die Steigerung der Energieeffizienz zu erreichen. So werden beispielsweise mit deutscher Hilfe die Wasserkraftwerke Perucica und Piva modernisiert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung der Küstenregion, da dies eine unverzichtbare Voraussetzung für den Tourismus darstellt. Bereits seit 2003 besteht eine bilaterale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Mit dem Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan bietet der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft jungen Nachwuchskräften aus Montenegro die Möglichkeit, im Rahmen von Berufspraktika in deutschen Unternehmen Erfahrungen zu sammeln. Das Programm ist eine gemeinsame Initiative mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Am 9. März 2011 organisierte der Ost-Ausschuss in Zusammenarbeit mit der Messe Berlin GmbH, dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie un der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH eine Veranstaltung zu Montenegro, an der rd. 60 Unternehmensvertreter teilnahmen.

 

 

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Statistik

Staatsoberhaupt: Filip Vujanovic
Regierungschef: Milo Dukanovic
Hauptstadt: Podgorica
 
Bevölkerung, 2009: 600 Tsd.
Nominales BIP, 2009: 2,9 Mrd. Euro
BIP pro Kopf, 2009: 4.833 Euro
BIP-Wachstum, 2010: 0,2 %
BIP-Wachstum, 2011: 3,1 %
 
 
Bilateraler Handel mit Deutschland
Importe aus MNE, 2009: 3,9 Mio.
Exporte nach MNE, 2009: 74,4 Mio.
 
Quellen:
EBRD.