8. Deutsch-Russische Gespräche Baden-Baden

17. November 2015

Vertrauensvoller Dialog junger Führungskräfte in Krisenzeiten

Vom 5. bis 11. Oktober 2015 trafen sich 27 junge Führungskräfte aus Deutschland und Russland zu den 8. Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden. Das jährlich stattfindende Intensivseminar im Palais Biron wird vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und der BMW Stiftung Herbert Quandt veranstaltet.

Eine Woche lang tauschten sich die Seminarteilnehmer aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft darüber aus, wie es um die strategische Partnerschaft in der Krise und die Perspektiven für die europäisch-russischen Beziehungen steht, welche Chancen und Herausforderungen die Eurasische Wirtschaftsunion sowie weitere strategische Allianzen bieten, wie zukunftsfähige und krisenfeste Wirtschaftsmodelle in Unternehmen gelingen, welche Strategien es zur Überwindung der Wirtschaftskrise in Russland geben könnte, welche Herausforderungen für russische Unternehmen bei Investitionen in Deutschland bzw. für deutsche Unternehmen in Russland existieren, wie soziale Medien auf die Gesellschaft wirken und wie Innovationen und Start-ups in der Unternehmenslandschaft in beiden Ländern gelingen.

Für die Eröffnung der 8. Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden mit einem festlichen Welcome Dinner im KurhausCasino konnte der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder als Dinner Speaker gewonnen werden. Im Mittelpunkt seiner Rede stand – natürlich – das derzeitige deutsch-russische Verhältnis im zweiten Jahr der Ukraine-Krise und ein gutes Jahr nach Einführung der Wirtschaftssanktionen. „Unsinnig“, seien diese, sie „führten zu nichts“, sagte Schröder. Das russische Volk sei sehr leidensstark und habe einen Präsidenten, der sich nicht erpressen ließe.

Schröder würdigte zwar die Fortschritte bei den Friedensbemühungen, die bei den Verhandlungen im Normandie-Format im Rahmen von Minsk-I und II erzielt wurden, mahnte aber auch an, dass nun die Zeit gekommen sei, die Sanktionen nunmehr schrittweise zurück zu nehmen. Man müsse diese Fortschritte auch der russischen Seite würdigen und zunehmend wieder Gesprächsbereitschaft signalisieren. Mit seiner Rede gab Schröder einen starken Impuls, der in vielen Diskussionen in der Seminarwoche wieder aufgegriffen wurde.

Als Vertreter der Bundesregierung reiste Gernot Erler, Koordinator der Bundesregierung für Russland, Zentralasien und die Länder der Östlichen Partnerschaft, nach Baden-Baden, um mit den Seminarteilnehmern über die Frage zu diskutieren, was zur derzeitigen Situation in der Vergangenheit beigetragen hat und wie das Vertrauen zwischen Russland und der EU wieder aufgebaut werden kann. Gernot Erler gab einen sehr detaillierten Einblick in die Ziele der EU bei ihrer politischen Lösungsfindung im Ukraine-Konflikt. Zugleich vermittelte er einen Überblick über die derzeitige schwierige finanzielle und humanitäre Situation in der Ukraine.

Während des Seminars gaben weitere Top-Manager, Unternehmensgründer, Politiker und Wirtschaftsexperten aus Russland und Deutschland Diskussionsimpulse und standen als Gesprächspartner zur Verfügung.

In Workshops vertieften die Seminarteilnehmer ihren Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Insgesamt war die Seminararbeit von einer hohen Interaktivität geprägt. Die Teilnehmer diskutierten intensiv über soziales Unternehmertum, über die Möglichkeiten und Grenzen des Technologietransfers, über Energiesicherheit in Europa sowie über die Internationalisierung des Bildungssystems in Russland. Die Ergebnisse der Gruppenarbeiten wurden anschließend dem Gesamtplenum vorgestellt.

Die dichten Round-Table-Diskussionen im Palais Biron wurden durch ein umfassendes Rahmenprogramm ergänzt. Beim „Networking in Nature“ am ersten Seminartag kam es darauf an, in Teams mit intellektuellem und sportlichem Einsatz Aufgaben zu lösen. Es war spannende und unterhaltsame Teamarbeit, welche die Seminarteilnehmer zu einer tollen Gruppe zusammengeschweißt hat. Zudem besuchten die Teilnehmer das weltweit führende Chemieunternehmen BASF SE in Ludwigshafen und erhielten einen exklusiven Einblick in die Produktion. Beim „Wine & Dine“ auf Schloss Neuweier genossen die jungen Führungskräfte, deren Lebenspartner und angereiste Alumni badische Weine und Köstlichkeiten der regionalen Küche. Mit Live-Band, Tanz und guter Stimmung wurde ein krönender Abschluss des Seminars gefeiert.

Nach dem Seminar wurden die Teilnehmer in ein aktives Netzwerk von nunmehr über 230 Alumni aufgenommen. Über diese Vernetzung können sie auf die Fachexpertise ihrer Kollegen zurückgreifen sowie die in Baden-Baden geschlossenen Kontakte und Freundschaften ausbauen.

Die offenen und vertrauensvollen Gespräche zwischen den Seminarteilnehmern und das Entstehen belastbarer Kontakte und auch Freundschaften zeigten, dass es gerade in Zeiten, in denen die Politik Schwierigkeiten hat, miteinander zu sprechen, Diskussionsplattformen wie die Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden von besonderer Bedeutung sind.

Dr. Christiane Schuchart