„Dialog der Ehrlichkeit“

14. Juli 2016
400 Teilnehmer wagen einen Neustart des Petersburger Dialogs

Am 14. und 15. Juli 2016 fanden sich knapp 400 Deutsche und Russen in St. Petersburg ein, um im Rahmen des zivilgesellschaftlichen Petersburger Dialogs in verschiedenen Arbeitsgruppen zu aktuellen Themen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Gesellschaft, Kirchen und Ökologie zu diskutieren.
 
Der Petersburger Dialog war in den vergangenen zwei Jahren vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise zeitweise ausgesetzt worden. Erst seit Oktober 2015 tagt er wieder regelmäßig. Angesichts der globalen Bedrohungen wie dem Terror, der Migrationskrise und dem Syrien-Krieg gibt es genügend Themen, um zwischen Deutschland und Russland wieder neue Wege des Dialogs und der Vertrauensbildung zu finden. 
 
Eher zwiespältig fiel dabei die Bilanz der Arbeitsgruppe Wirtschaft zum Thema Digitalisierung aus, die der Ost-Ausschuss von deutscher Seite mit vorbereitet hatte und die Burkhard Dahmen (SMS Holding GmbH) als Vorstandsmitglied des Ost-Ausschusses co-moderierte. Die deutsche Seite hielt sich mit Vorträgen von Siemens, Nokia, SAP und TUI an Thema und Zeitrahmen, dagegen ließen die russischen Vorträge jede Präzision vermissen.
 
Andere Arbeitsgruppen des Petersburger Dialogs tagten bei diesem Treffen zum ersten Mal, wie die Arbeitsgruppe Ökologische Modernisierung, so dass hier zunächst Konsens darüber erreicht werden musste, zu welchen Themen überhaupt diskutiert werden soll.
 
Pragmatismus siegte
 
In der Abschlussdiskussion wurde nochmals deutlich, dass der Wille da ist, wieder zueinander zu finden, beide Seiten aber zugleich auf ihren jeweiligen Positionen beharren. Letztlich siegte jedoch der Pragmatismus: Trotz Meinungsverschiedenheiten streben beide Seiten zugleich danach, eine neue Annäherung zu wagen und neue Kooperationen anzugehen. Ronald Pofalla, der deutsche Vorsitzender des Petersburger Dialogs, konstatierte am Ende: „Dieser Dialog, diese Ehrlichkeit, das wäre vor zwei Jahren noch nicht möglich gewesen.“ Und der russische Vorsitzende des Petersburger Dialogs Viktor Subkow sagte als Gastgeber abschließend: „Das kann doch nicht sein, dass Deutschland und Russland nicht im Frieden miteinander leben können.“
 
Dr. Christiane Schuchart
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft