Aserbaidschan

Stand: April 2018

Aserbaidschan nimmt seit 2009 am EU-Programm der Östlichen Partnerschaft teil, zählt unter den sechs beteiligten Ländern im Grad der Intensität der Zusammenarbeit aber zu den Nachzüglern. Ein Assoziierungs- und Partnerschaftskommen mit der EU nach dem Vorbild der Ukraine, Moldaus und Georgiens ist derzeit nicht abzusehen. Trotz guter Beziehungen zu Russland hat das Land auch keine Pläne, der von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion beizutreten.

Wirtschaftsentwicklung

Aserbaidschans Wirtschaft leidet noch unter den Folgen des Ölpreisverfalls der Vorjahre. Die fehlenden Exporteinnahmen, gekürzte Staatsausgaben sowie erhebliche Kaufkrafteinbußen aufgrund der starken Abwertung des Manats sorgten für Bremsspuren beim Wirtschaftswachstum. Die Investitionen – ein wichtiger Wachstumstreiber der vergangenen Jahre – waren stark eingebrochen. 2017 stagnierte die Wirtschaft noch. Für 2018 rechnet die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) aber mit einem Wachstum von zwei Prozent. Dazu tragen höhere Ölpreise und die Inbetriebnahme des Erdgasfelds Shah Deniz bei, aber auch die Erholung in anderen Branchen. Risiken bleiben die Probleme im krisengeschüttelten Bankensystem und die große Abhängigkeit vom Energiesektor.

Größte Herausforderung für die Regierung in Baku bleibt die Diversifizierung der Wirtschaft. Die Modernisierung muss vorangetrieben und die Produktivität im Nichtölsektor deutlich gesteigert werden. Entwicklungspotenzial bieten vor allem die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie. Von höchster wirtschaftlicher Priorität für die Regierung ist der Bau des südlichen Gaskorridors. Das 40-Milliarden-Dollar-Projekt soll 2020 Erdgas aus Aserbaidschan in die EU bringen. Die Trans-Anatolische Pipeline (TANAP) und die Trans-Adriatische Pipeline (TAP) werden Aserbaidschan über Georgien, die Türkei, Griechenland und Albanien mit Italien verbinden. Aserbaidschan ist zudem ein wichtiger Teil der „Neuen Seidenstraße“, die Europa mit Asien verbinden soll. Daher wird in den Ausbau der Verkehrswege investiert.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Aserbaidschan ist Deutschlands wichtigster Wirtschaftspartner im Südkaukasus. Der deutsch-aserbaidschanische Handel legte 2010 bis 2013 stetig zu, musste aber seit 2014 einen Rückgang hinnehmen. Im vergangenen Jahr lag der bilaterale Handelsumsatz laut Statistischem Bundesamt bei insgesamt 1,4 Milliarden Euro, fast 600 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. 2016 war Deutschland nach Italien, der Türkei und Taiwan noch der viertgrößte Absatzmarkt Aserbaidschans. Die deutschen Importe, fast ausschließlich Erdöl, fielen 2017 allerdings um 38 Prozent auf gut eine Milliarde Euro. Die deutschen Exporte erholten sich dagegen um elf Prozent auf 352 Millionen Euro. Aus Deutschland werden in der Hauptsache Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, Maschinen sowie Nahrungsmittel nach Aserbaidschan geliefert.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Im März 2017 besuchte Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Harms Baku, um sich über die Pläne zur Diversifizierung der Wirtschaft zu informieren. Im Oktober 2017 fand in Baku das erste Deutsch-Aserbaidschanische Wirtschaftsforum statt, das von der Deutsch-Aserbaidschanischen Auslandshandelskammer (AHK) organisiert und vom Ost-Ausschuss und dem Osteuropaverein unterstützt wurde. Mit rund 200 Teilnehmern und hochrangigen Referenten der Regierung verdeutlichte es das rege Interesse an der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und dem Land im Kaukasus. Im Februar 2018 reiste eine 20-köpfige Ost-Ausschuss-Delegation zu Gesprächen mit Präsident Ilham Aliyev und drei Ministern nach Aserbaidschan.

Quellen: OWC, GTAI, EBRD, IWF, Nationales Statistikamt, Statistisches Bundesamt