Ost-Ausschuss initiiert Pilotprojekt in der Ukraine

7. Mai 2012

Die galizische Kleinstadt Schowkwa soll mit deutscher Technik energetisch modernisiert werden

Eine kleine Stadt im Westen der Ukraine möchte energiepolitische Geschichte schreiben: In Schowkwa (Gebiet Lemberg) soll im Rahmen des vom Ost-Ausschuss initiierten Pilotprojekts „Energieeffiziente Stadt“ die kommunale Infrastruktur unter Beteiligung deutscher Unternehmen grundlegend modernisiert werden. Vorbild sind dabei Kommunen in Deutschland, deren Energieversorgung in den letzten Jahren dank Sanierung von öffentlichen und privaten Gebäuden sowie den städtischen Versorgungsnetzen umweltfreundlicher und Ressourcen schonender gestaltet werden konnte.

Die Idee zu diesem Projekt entwickelte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im Sommer 2011 anlässlich eines Treffens mit dem ukrainischen Präsident Wiktor Janukowitsch. Die Ukraine steht auf Grund der Abhängigkeit von teurem russischem Gas unter großem politischen Druck. Die Modernisierung der kommunalen Infrastruktur verspricht enorme Einsparpotentiale und wird in der Ukraine als viel versprechende Möglichkeit gesehen, um mehr Unabhängigkeit in der Energieversorgung zu erreichen. Am Beispiel von Schowkwa sollen in Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Ministerium für Regionalentwicklung beispielhaft Instrumente und Mechanismen zur energieeffizienten Sanierung entwickelt werden, die sich auf andere ukrainische Städte übertragen lassen.

Nach Vorbesprechungen in Kiew und Berlin lud der Ost-Ausschuss in Kooperation mit dem Ministerium für Regionalentwicklung Mitte April zu einem Arbeitstreffen in Schowkwa ein. Die 50 Teilnehmer zeigen das große Interesse auf beiden Seiten an dem Projekt – neben namhaften deutschen Unternehmen, darunter Bosch, BASF, Siemens, E.ON und Schüco, waren zahlreiche Vertreter der Stadt Schowkwa, kommunaler Unternehmen, der Gebietsverwaltung Lemberg und von Seiten des Ministeriums für Regionalentwicklung anwesend. 

In seiner Einführungsrede betonte Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Lindner den hohen Stellenwert des Projekts: „Wir bearbeiten ein Thema, das grundlegend ist für die Zukunft der Ukraine. Die Erfahrungen, die wir in Schowkwa sammeln, werden die Grundlage für künftige Projekte in anderen Städten der Ukraine sein.“ Die anwesenden deutschen Firmen nähmen weltweit eine Vorreiterrolle in der Entwicklung und Anwendung von Energiespartechnik ein. „Dieses Wissen lässt sich ganz konkret auch in Schowkwa einsetzen.“

Nach Vorstellung der Ausgangssituation, potentieller Sanierungsobjekte und einer ersten energietechnischen Analyse präsentierten die anwesenden Vertreter der deutschen Unternehmen innovative Lösungen für die Modernisierung von Gebäuden und kommunaler Infrastruktur. Im Fokus standen die städtische Energieversorgung, Wasser- und Abwassersysteme sowie die Abfallentsorgung.

Das Treffen verdeutlichte das Engagement und Interesse der ukrainischen Seite, namentlich der Stadt Schowkwa und des Ministeriums für Regionalentwicklung, an der Realisierung des Projekts. Der Gouverneur des Gebiets Lemberg, Michailo Kostiuk, sicherte ebenfalls seine Unterstützung zu und betonte gegenüber den Projektbeteiligten die Bedeutung der energetischen Sanierung ukrainischer Städte.

Als Ergebnis des Treffens wurde vereinbart, ein Consulting-Unternehmen mit umfangreicher Erfahrung bei der Erstellung von Energiekonzepten für deutsche Kommunen für das Projektmanagement einzusetzen. In Kooperation mit den Unternehmen, der Stadt und dem Ministerium sollen ein Konzept zur technischen Realisierung und Finanzierung des Vorhabens sowie Vorschläge für die Schaffung der erforderlichen politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen erarbeitet werden. Ein zentrales Anliegen der Teilnehmer war die Einbeziehung der Bevölkerung in den Sanierungsprozess, zum Beispiel durch Ausstellungen und Informationsveranstaltungen. Schowkwa wurde zudem in das nationale ukrainische Investitionsprogramm „Teply dom“ („Warmes Haus“) aufgenommen, in deren Rahmen erste Gebäude energetisch saniert werden sollen.

Ina Rumiantseva
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft