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Rekordergebnis für Exporte nach Osteuropa

2. März 2012

Ausfuhren nach Osteuropa sichern hierzulande 1,5 Millionen Jobs / Besseres Ergebnis mit Russland wird durch fehlenden Freihandel und Visa-Pflicht verhindert

Das Jahr 2011 war ein Rekordjahr für den deutschen Außenhandel: Mit einem Ergebnis von 1,06 Billionen Euro übersprangen die gesamten deutschen Ausfuhren erstmals die Billionen-Marke. Wichtige Impulse kamen dabei gerade von den osteuropäischen Märkten. Dies zeigen die aktuell veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die der Ost-Ausschuss ausgewertet hat.

Die meisten deutschen Waren pro Einwohner nehmen Nachbarländer wie Österreich, die Schweiz, aber auch Tschechien und Polen ab. Dagegen kann der deutsche Export das große Potenzial, das EU-Nachbarn wie Russland und die Ukraine bieten, noch gar nicht richtig ausschöpfen. „Der deutsche Handel mit Russland hat zwar 2011 einen neuen Rekord markiert. Wir könnten aber weit mehr erreichen, wenn wir eine gemeinsame Freihandelszone und Visa-Freiheit hätten“, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes. „Wir müssen alles daran setzen, diese noch brachliegenden Wachstumschancen zu nutzen.“

Anteil Osteuropas am deutschen Export wächst

Während die deutschen Exporte im vergangenen Jahr insgesamt um elf Prozent zunahmen, stiegen die Exporte in die Region zwischen Prag und Wladiwostok um über 18 Prozent. Besonders stark legte im vergangenen Jahr der Export nach Russland (+30,5 Prozent), Kasachstan (+25 Prozent) und Rumänien (+20 Prozent) zu. Insgesamt nahmen die Länder der Region 2011 deutsche Waren im Wert von 172 Milliarden Euro ab. Damit wurde die bisherige Rekordmarke aus der Zeit vor der Weltwirtschafts- und Finanzkrise 2008 um 32 Milliarden Euro übertroffen.

Die Region Osteuropa konnte damit ihren Anteil am gesamten deutschen Export von 15 auf 16 Prozent steigern. Zum Vergleich: China erreichte 2011 einen Exportanteil von 6 Prozent, die USA von 7 Prozent. Deutlich führend, allerdings mit sinkender Tendenz, sind in dieser Statistik weiterhin die westeuropäischen EU-Länder mit einem Gesamtanteil von 48 Prozent (2010: 49 Prozent) am deutschen Export.

Insgesamt sind nach letzten Berechnungen des Prognos-Instituts in Deutschland 9,6 Millionen Arbeitsplätze vom Export abhängig. Allein durch den Export nach  Osteuropa werden damit umgerechnet 1,5 Millionen Arbeitsplätze gesichert.  

Im Ranking der volumenmäßig wichtigsten Abnehmer deutscher Exporte konnte sich erneut Frankreich an erster Stelle platzieren, gefolgt von den USA, den Niederlanden, Großbritannien und China. Polen erreichte Platz 10, Russland Platz 12, Tschechien Platz 13 und Rumänien Platz 23.

Erstes Export-Ranking nach Einwohnerzahl

Für 2011 erstellte der Ost-Ausschuss erstmals auch eine Rangliste der Länder, die umgerechnet auf ihre Einwohnerzahl die meisten Waren aus Deutschland abnehmen. Die Tabelle wird von Luxemburg angeführt, das pro Einwohner deutsche Waren im Wert von 12.588 Euro importierte. Österreich (6.889 Euro), die Schweiz (6195 Euro), Belgien (4.348 Euro) und die Niederlande (4.150 Euro) folgen dahinter. Bereits an 6. Stelle liegt mit Tschechien eines der jungen EU-Länder (2.916 Euro pro Einwohner). Polen (1.135 Euro) erreicht Platz 17.

Auf den ersten 20 Positionen in dieser Rangliste finden sich ausnahmslos Länder, die mit Deutschland über einen gemeinsamen Binnenmarkt bzw. eine Freihandelszone verbunden sind oder mit denen zumindest Visa-Freiheit besteht. Russland, auf das die genannten Bedingungen weiterhin nicht zutreffen, nahm 2011 Waren im Wert von 241 Euro pro Einwohner ab und erreichte in der Tabelle Position 39. Damit konnte es sich immerhin noch vor den USA (Rang 40 / 235 Euro pro Einwohner), und weit vor den anderen BRIC-Staaten Brasilien (56 Euro), China (48 Euro) und Indien (8,7 Euro) platzieren.

Bereits nach Umsetzung des beschlossenen WTO-Beitritts wird sich die Bedeutung Russlands für den deutschen Export weiter erhöhen. Gegenseitige Visa-Freiheit und eine Freihandelszone dürften regelrechte Wachstumssprünge auslösen. Ähnliches gilt für die mit 45 Millionen Einwohnern bevölkerungsreiche Ukraine, die 2011 deutsche Exporte im Wert von 118 Euro pro Einwohner abnahm und sich damit in der Rangliste direkt vor Kasachstan nur an 49. Stelle platzieren konnte.

Datenmaterial:
Die verwendeten Tabellen finden Sie als Download in der rechten Spalte