Schwaches Russland-Geschäft belastet Handel

27. Februar 2014

2013 stagnierten deutsche Exporte nach Osteuropa/ Hohe sicherheitspolitische und konjunkturelle Risiken durch Lage in der Ukraine/ Ost-Ausschuss für raschen Abbau von Handelshürden

Nach einem Rekordergebnis von 80,5 Milliarden Euro im Jahr 2012, hat sich der deutsche Handel mit Russland im vergangenen Jahr  deutlich auf 76,5 Milliarden Euro abgeschwächt. Dies hat der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft auf Basis jetzt vorliegender Zahlen des Statistischen Bundesamtes berechnet. Sowohl die Importe aus Russland (2013: 40,4 Mrd. Euro), als auch die Exporte nach Russland (2013: 36 Mrd. Euro) sanken um über fünf Prozent. Russland fiel damit in der Rangliste der wichtigsten deutschen Handelspartner in Osteuropa wieder knapp hinter Polen zurück.  

„Seit 2011 schwächt sich das Wachstum in Russland beständig ab. Dies bleibt nicht ohne Folgen für den deutsch-russischen Handel“, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes. „Für das laufende Jahr erwarten wir eher noch eine Verstärkung dieses Trends. In Russland wird eine Rezession nicht mehr ausgeschlossen, zudem verteuert die gegenwärtige starke Abwertung des Rubels deutsche Exporte.“

Dennoch verbindet der Ost-Ausschuss mit der gegenwärtigen Entwicklung auch Chancen: „In Russland gewinnt nach Jahren relativen Stillstands die Reformdebatte wieder an Fahrt“, sagte Cordes, der vergangene Woche in Berlin den russischen Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew getroffen hatte. „Die Bereitschaft, auf deutsche und europäische  Partner und Investoren zuzugehen, wächst spürbar. Dies sollten wir für neue Kooperationen nutzen und weiter an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen arbeiten“, so der Ost-Ausschuss-Vorsitzende. 

 Cordes forderte die Aufnahme von Gesprächen zwischen Russland und der EU zur Ausarbeitung eines Fahrplans für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum. „Beide Seiten haben wiederholt eine gemeinsame Freihandelszone von Lissabon bis Wladiwostok als wünschenswertes Ziel genannt. Wir brauchen dazu jetzt einen institutionalisierten Dialog.“  

Ost-Ausschuss Geschäftsführer in der Ukraine

Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Lindner hält sich gegenwärtig zu Gesprächen in Kiew auf. „Wichtig ist, dass die Ukraine finanzielle Soforthilfe erhält, um erst einmal die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden“, sagte Lindner. „Dabei sollten mögliche Kreditgeber wie die EU, der IWF und die Europäische Investitionsbank ein abgestimmtes Vorgehen mit Russland anstreben.“ Die ukrainische Wirtschaft werde noch auf Jahre stark vom russischen Markt und von russischen Energielieferungen abhängig bleiben. 

Mit Sorge betrachtet der Ost-Ausschuss die gegenwärtige Zuspitzung der Lage auf der Krim. Ein Dauerkonflikt der EU mit Russland um die Zukunft der Ukraine würde sich negativ auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung im osteuropäischen Raum auswirken. „Konjunkturell sind wir alle voneinander abhängig. Dieses gemeinsame Interesse sollte letztlich auch zu gemeinsamen Lösungen führen“, sagte der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses.

Der Ost-Ausschuss spricht sich nachdrücklich für eine rasche Abschaffung der Visa-Hürden zwischen der EU und ihren östlichen Nachbarstaaten und die Beseitigung von Handelsschranken aus. Damit würde der wirtschaftliche Austausch mit diesen Ländern unmittelbar erleichtert und ein Beitrag zu ihrer wirtschaftlichen Gesundung geleistet.

Gemischtes Bild in Südosteuropa

Zu den besonderen Stützen des deutschen Exports gehörten im abgelaufenen Jahr auffallend viele Länder aus Südosteuropa, darunter Ungarn (Exporte: + 7,4 Prozent), Slowenien (+6,6 Prozent),  Rumänien (+5 Prozent) und Serbien (+3,5 Prozent). Nach einer längeren Zeit der Konsolidierung fasst diese Region konjunkturell wieder Fuß. Eine Ausnahme bleibt das neue EU-Mitgliedsland Kroatien, das sich seit 2009 in einer Rezession befindet. 2013 sanken die deutschen Exporte nach Kroatien um fast neun Prozent.

Positiver Trend in Zentralasien

Positiv ist der Trend für Zentralasien. Für Kasachstan, dem mit Abstand wichtigsten deutschen Handelspartner in dieser Region wurde eine Zunahme der deutschen Exporte 2013 um über acht Prozent berechnet. Die deutschen Exporte nach Usbekistan stiegen 2013 um sieben Prozent, die Exporte nach Turkmenistan nahmen ausgehend von einem niedrigen Niveau sogar um 23 Prozent zu. Das Land konnte sich damit in der Rangliste der wichtigsten Abnehmer deutscher Exporte pro Einwohner von Platz 85 auf Platz 78 verbessern.

Uneinheitlich ist das Bild für die Länder des Südkaukasus. Während sowohl die deutschen Exporte nach Georgien (-17 Prozent) und Armenien (- 7 Prozent) deutlich zurückgingen, legten die Ausfuhren nach Aserbaidschan um über sechs Prozent zu.