Turkmenistan

Stand: August 2016

Wirtschaftliche Entwicklung

Die Wirtschaftsdynamik in Turkmenistan ist aktuell ein gutes Stück von den über viele Jahre zur Gewohnheit gewordenen zweistelligen Zuwachsraten entfernt. Die Wirtschaft ist im vergangenen Jahr offiziell um 6,5 Prozent gewachsen. Im Jahr zuvor waren es noch 10,3 Prozent. Dominierender Wachstumstreiber ist weiterhin der Gas- und Ölsektor. Noch profitiert Turkmenistan von langfristigen Energielieferverträgen mit China. Dennoch sind der anhaltende Ölpreisverfall und die Konjunkturabkühlung bei wichtigen Handelspartnern an dem Land nicht spurlos vorbeigegangen. Angesichts der niedrigen Energiepreise läuft das Export- und Devisengeschäft nicht gut. Dies macht sich in der Staatskasse bemerkbar, aus der ein Großteil der Investitionen, vor allem im Bau- und Montagebereich, finanziert wird. Auch der Konsum entwickelt sich im Zuge der vergleichsweise hohen Inflation gedämpft. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) erwartet für 2016 dank ausländischer Direktinvestitionen einen BIP-Zuwachs von erneut 6,5 Prozent.

Die turkmenische Regierung strebt die Diversifikation der Erdgasabnehmer an. Derzeit wird Erdgas vor allem an China geliefert. Russland hat beschlossen, 2016 kein Erdgas aus Turkmenistan einzukaufen. Die mögliche Lieferung von Erdgas nach Europa über die Trans-Kaspi-Pipeline scheitert derzeit an dem ungeklärten internationalen Status des Kaspischen Meeres. Gleichzeitig wurde der Startschuss für den Bau der TAPI-Pipeline gegeben. Diese soll turkmenisches Erdgas über Afghanistan und Pakistan nach Indien bringen. Das ambitionierte Vorhaben steht Aufgrund der sicherheitspolitischen Lage vor einigen Herausforderungen.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Die deutschen Ausfuhren nach Turkmenistan verzeichneten im vergangenen Jahr einen Zuwachs von elf Prozent auf insgesamt knapp 306 Millionen Euro. Aus Deutschland werden in erster Linie Maschinen, Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile sowie Elektrotechnik nach Turkmenistan geliefert. Im Gegenzug bezieht Deutschland vor allem Erdöl, Textilien und Bekleidung sowie andere Rohstoffe aus dem zentralasiatischen Land. Die deutschen Importe - vorwiegend Textilien und Bekleidung sowie Rohstoffe - beliefen sich im letzten Jahr auf rund 9,5 Millionen Euro und halbierten sich damit gegenüber 2014.

Aufgrund der angespannten Einnahmesituation ist es auch in Turkmenistan zu verstärkten Konvertierungsproblemen gekommen. Darüber hinaus gibt es noch Schwierigkeiten bei den Ein- und Ausreisemodalitäten sowie bei administrativen Genehmigungsverfahren. Das Modernisierungs- und Diversifizierungsbestreben bringt aber auch in Turkmenistan zahlreiche Möglichkeiten für deutsche Unternehmen mit. Darüber hinaus gibt es mit den Asian Olympic Games 2017 in Aschgabad ein sportliches Großereignis, bei dem deutschen Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen einbringen können.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Aktuelle Entwicklungen in Zentralasien standen auf der Agenda des traditionellen Treffens des Expertenkreises „Zentralasien“ des Ost-Ausschuss Ende September 2015 in Berlin. Im Rahmen des Expertenkreises tauschten sich Fachexperten und Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage in der Region aus. Im Rahmen des Eurasia Business Forum im November 2015 während der OECD Eurasia Business Week fanden Treffen mit hochrangigen Regierungsvertretern aus Zentralasien statt.

Der turkmenische Markt stand im Mittelpunkt des Deutsch-Turkmenischen Forums Anfang Februar 2016. Die Veranstaltung diente zum ersten Kennenlernen des turkmenischen Marktes für deutsche Unternehmen sowie zum Erfahrungsaustausch. Der Wirtschaftstag wurde durch das Konsulat von Turkmenistan in Frankfurt am Main und die Commerzbank AG mit Unterstützung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft organisiert. Vor allem Tadschikistan, aber auch Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan standen im Mittelpunkt des 5. Nowruz Forum Mitte April in Hamburg.

Im April 2016 wurde in Berlin die 6. Sitzung der Deutsch-Turkmenischen Regierungsarbeitsgruppe „Wirtschaft und Handel“ abgehalten. Der Ost-Ausschuss brachte für die deutsche Wirtschaft Petita ein. Die turkmenische Delegation wurde durch Wirtschaftsminister Batyr Bazarov geleitet. Im August 2016 organisierte der Ost-Ausschuss ein Deutsch-Turkmenisches Wirtschaftsforum in Berlin. Rund 200 Teilnehmer informierten sich über den turkmenischen Markt und das Potenzial der deutsch-turkmenischen Wirtschaftszusammenarbeit.

Quellen: OWC, gtai, IWF, Statistisches Bundesamt