Turkmenistan

Stand: Febraur 2011

Nach Jahren der Abschottung unter dem Präsidenten Sapamurat Nijasow öffnet sich Turkmenistan seit dem Jahr 2008 langsam für ausländische Investoren. Die Regierung unter Gurbanguly Berdymuchammedow zeigt die Bereitschaft zu Reformen, die sich langfristig positiv auf die Entwicklung auswirken können. Kern ihres politischen Programms sind die Modernisierung des Landes im Inneren (insbesondere in den Bereichen der Bildungs- und Sozialpolitik) sowie die Öffnung gegenüber internationalen Organisationen und ausländischen Institutionen. Die EU hat Ihre Beziehungen zu Turkmenistan mit der im Sommer 2007 verabschiedeten Zentralasienstrategie auf eine neue Grundlage gestellt.

Wirtschaftsentwicklung

Die hohen Wachstumsraten Turkmenistans (2009: 6,1 Prozent/ 2010: 9,2 Prozent) sind zum größten Teil auf  Energieexporte zurückzuführen: Mit über 80 Prozent der Exporteinnahmen sind Erdgas, Erdöl und Raffinerieprodukte die überragende Einnahmequelle. Turkmenistan gehört zu den Top 12 der Gasproduzenten und zu den sechs größten Gasexporteuren weltweit. Insgesamt bleibt die Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur  die Hauptherausforderung der turkmenischen Regierung.

Zwar zeugt die Zusammensetzung des BIP von einem hohen Anteil der Landwirtschaft. Nichtsdestotrotz steigt der Anteil von Industrie und Dienstleistungen an der Wirtschaftsleistung kontinuierlich. Laut der turkmenischen Regierung wird die Errichtung eines zweiten Export-Standbeins im verarbeitenden Gewerbe innerhalb und außerhalb des Energiesektors geplant. Auch sollen nach Plänen des turkmenischen Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen, in den kommenden Jahren ca. 1 Milliarde US$ in die Infrastruktur fließen, insbesondere in die Transportwege. Als neue Nord-Süd-Verbindung soll künftig eine Eisenbahnlinie Kasachstan über Turkmenistan mit dem Iran verbinden.

Vor diesem Hintergrund erscheint auch die Importstruktur Turkmenistans bezeichnend: Etwa ein Drittel der Importe sind Ausrüstungen und Maschinen, weitere 17 Prozent sind Fahrzeuge. Auch die Bedeutung der Bauwirtschaft und des Dienstleistungssektors zeigt sich immer offensichtlicher: Rohstoffe und Materialien wie Kunststoffe oder Marmor, der Verkleidung von zahlreichen Neubauten in Aschgabat dienend, stellen ein knappes Drittel der Importe dar. Nicht zuletzt kommen Konsumgüter, besonders aus den Bereichen High-Tech und Kommunikation, inzwischen für 17 Prozent der turkmenischen Einfuhr auf.

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Wirtschaftbeziehungen zu Deutschland

1. Handel

Seit 2008 haben die Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands mit Turkmenistan stark an Bedeutung zugenommen: 2009 lag das bilaterale Handelsvolumen bei 281 Millionen Euro. Deutschland ist eines der Top 10 Lieferländer für Turkmenistan. Deutschland importiert hauptsächlich Textilien und Bekleidung aus Turkmenistan. Turkmenistan hingegen importiert Maschinen, Eisen und Stahl, chemische Erzeugnisse, sowie Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus Deutschland. Noch ist der Handel mit Turkmenistan von sehr geringer Bedeutung für Deutschland. Dies könnte sich allerdings wegen der zunehmenden Bedeutung der turkmenischen Gas- und Ölreserven ändern.

2. Investitionen

Ausländische Investitionen in die turkmenische Wirtschaft zielen meist auf den Energiesektor ab. Das Ziel der turkmenischen Regierung, das Produktionsvolumen stark zu erhöhen, kann nach Ansicht von Experten nur erreicht werden, wenn bis 2012 jährlich etwa 4 bis 5 Milliarden US$ und danach bis 2030 rund 7 Milliarden US$ in Exploration und Förderanlagen investiert werden. Russland und China  sind in diesem Hinblick besonders aktiv. So baut Moskau seit  2007 die „Prikaspijsky“-Pipline aus, durch welche 50 Milliarden Kubikmeter Gas aus Turkmenistan nach Russland fließen.

Turkmenistan hat auch Verpflichtungen gegenüber China: Im Jahr 2006 haben sich beide Länder auf den Bau einer Pipeline verständigt, die nach Fertigstellung 30 Milliarden Kubikmeter transportieren soll. Eine weitere Pipeline nach Iran trägt derzeit etwa 8 Milliarden Kubikmeter jährlich und wird derzeit zu einer Kapazität von 14  Milliarden Kubikmeter ausgebaut.

Für Deutschland und die EU sind die Rohstoffe Turkmenistans besonders vor dem Hintergrund der Diversifizierung ihrer Energieimporte interessant, zumal die Fülle turkmenischer Gasressourcen im Herbst 2008 von einer britischen Unternehmensberatung offiziell bestätigt wurde. Die EU ist besonders an der Nabucco Pipeline interessiert, die von der Türkei nach Österreich verlaufen und u.a. mit turkmenischem Gas gefüllt werden soll. 

In Turkmenistan vertreten sind vor allem deutsche Großunternehmen wie die Deutsche Bank, Siemens, MAN Ferrostaal und die Daimler AG. Weitere Investitionen sollen durch von der Regierung eingeführte Investitionsanreize folgen. So stellt das turkmenische Ministerium für Wirtschaft und Finanzen Steuererleichterungen und Grundstücksbereitstellungen sowie einen je nach Produktpalette gestaffelten Gewinntransfer für Engagements im Öl- und Gassektor in Aussicht.  In diesem Bereich ist Deutschland besonders mit der BASF-Tochter  Wintershall vertreten, die der größte Investor im turkmenischen Offshore-Bereich des Kaspischen Meeres ist.

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Chancen, Risiken und Ausblick

Turkmenistan befindet sich im Prozess der Öffnung – wirtschaftlich wie politisch. Allerdings steht das Land erst am Anfang einer noch langen Entwicklung. So ist es bezeichnend, dass Turkmenistan im Doing Business Report der World Bank, erst gar nicht für das Jahr 2010 aufgenommen wurde.

Nichtsdestotrotz gibt es auch in Turkmenistan Chancen für ausländische Investoren, besonders im Energiebereich sowie im Bau- und Dienstleistungssektor. Vor diesem Hintergrund ist für deutsche Investoren das bilaterale Investitionsschutz- und Förderungsabkommen vom 19.02.2001 besonders relevant, da es das Risiko, in Turkmenistan zu investieren, deutlich reduziert. Vor Ort werden die Interessen deutscher Unternehmen von der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien in Almaty (Kasachstan) wahrgenommen.

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Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Seit Januar 2008 erscheinen dank einer Finanzierung durch Mitgliedsunternehmen und den Ost-Ausschuss monatliche „Länderanalysen Zentralasien“ zu den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Region. Diese werden gemeinsam von der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde herausgegeben. Die Länderanalysen Zentralasien können kostenlos unter www.laender-analysen.de abonniert werden.

Der Ost-Ausschuss ist aktiv in den wirtschaftspolitischen Dialog mit der Regierung Turkmenistans involviert. Anlässlich der ersten Sitzung der deutsch-turkmenischen Regierungsarbeitsgruppe im Mai 2009 wurde von Seiten der turkmenischen Regierung das Interesse an Kooperationsprojekten mit dem Ost-Ausschuss bekräftigt. Bereits im November 2008 hatte der turkmenische Staatspräsident Gurbanguly Berdymuchamedow anlässlich eines Berlin-Besuchs sein besonderes Interesse an der wirtschaftlichen Kooperation mit Deutschland zum Ausdruck gebracht.

Vom 8. bis 11. November 2009 reiste unter Leitung des Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Mangold eine zwölfköpfige Wirtschaftsdelegation durch drei Länder Zentralasiens, so auch durch Turkmenistan. Bei den Gesprächen der deutschen Unternehmer mit hochrangigen Vertretern der  Regierung ging es insbesondere um die Abstimmung neuer Investitions- und Kooperationsprojekte vor allem zur Projektfinanzierung, Infrastruktur-entwicklung, zum Maschinen- und Anlagenbau sowie um die Förderung von Aus- und Weiterbildung. Siehe auch den Bericht zur Delegantionsreise "Wirtschaftskrise und neue Chancen".

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Quellen:

Asian Development Bank
Auswärtiges Amt
Bundesagentur für Außenwirtschaft
European Bank for Reconstruction and Development
Statistisches Bundesamt  Deutschland
Turkmenisches Statistikamt
International Monetary Fund
 

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Statistik

Präsident: Gurbanguly Berdymuchammedow
Hauptstadt: Aschgabat

Bevölkerung, 2009: 4,9 Mio.
Nominales BIP, 2009: 25,4 Mrd. USD
BIP pro Kopf, 2009: 3.837 USD
BIP-Wachstum, 2010: 9,2 %
BIP-Wachstum, 2011: 10,0 %
 

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus TM, 2009: 39,1 Mio. Euro
Exporte nach TM, 2009: 241,9 Mio. Euro

Quellen:
Auswärtiges Amt, CIA World Fact Book, Statistisches Bundesamt, EBRD.

BIP: Bruttoinlandsprodukt

Weitere Informationen

Gründung der Regierungsarbeitsgruppe Wirtschaft 

Artikel

"Wirtschaftskrise und neue Chancen