Turkmenistan
Stand: Juli 2009.
- Wirtschaftsentwicklung
- Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland
- Chancen, Risiken und Ausblick
- Aktivitäten des Ost-Ausschusses
Nach Jahren der Abschottung unter dem Präsidenten Sapamurat Nijasow öffnet sich Turkmenistan seit zwei Jahren langsam, aber beständig für ausländische Investoren. Die Regierung unter Gurbanguly Berdymuchammedow zeigt die Bereitschaft zu Reformen, die sich langfristig positiv auf die Entwicklung auswirken können. Kern ihres politischen Programms sind die Modernisierung des Landes im Inneren (insbesondere in den Bereichen der Bildungs- und Sozialpolitik) sowie die Öffnung gegenüber internationalen Organisationen und ausländischen Institutionen. Insbesondere wurde die Beziehung zur Europäischen Union mit der im Sommer 2007 verabschiedeten Zentralasienstrategie der EU auf eine neue Grundlage gestellt. Turkmenistan ist stark abhängig von Öl- und Gasexporten, die das stetige und schnelle Wachstum des Landes untermauern.
Die Wachstumsraten Turkmenistans in den letzten Jahren sind zum größten Teil auf Energieexporte zurückzuführen: Mit 83 Prozent der Exporteinnahmen sind Erdgas, Erdöl und Raffinerieprodukte die überragende externe Einnahmequelle Turkmenistans. Turkmenistan förderte 2007 67,4 Milliarden Kubikmeter Erdgas und gehört somit zu den Top 12 der Gasproduzenten und zu den sechs größten Gasexporteuren weltweit. Insgesamt bleibt die Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur die Hauptherausforderung der turkmenischen Regierung.
Zwar zeugt die Zusammensetzung des BIP von einem hohen Anteil der Landwirtschaft. Nichtsdestotrotz steigt der Anteil von Industrie und Dienstleistungen an der Wirtschaftsleistung kontinuierlich. Laut der turkmenischen Regierung wird die Errichtung eines zweiten Export-Standbeins im verarbeitenden Gewerb innerhalb und außerhalb des Energiesektors geplant. Auch sollen nach Plänen des turkmenischen Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen, in den kommenden Jahren ca. 1 Milliarde US$ in die Infrastruktur fließen, insbesondere in die Transportwege. Als neue Nord-Süd-Verbindung wird künftig eine Eisenbahnlinie Kasachstan über Turkmenistan mit dem Iran verbinden.
Vor diesem Hintergrund erscheint auch die Importstruktur Turkmenistans bezeichnend: Etwa ein Drittel der Importe sind Ausrüstungen und Maschinen, weitere 17 Prozent sind Fahrzeuge. Auch die Bedeutung der Bauwirtschaft und des Dienstleistungssektors zeigt sich immer offensichtlicher: Rohstoffe und Materialien wie Kunststoffe oder Marmor, der Verkleidung von zahlreichen Neubauten in Aschgabat dienend, stellen ein knappes Drittel der Importe dar. Nicht zuletzt kommen Konsumgüter, besonders aus den Bereichen High-Tech und Kommunikation, inzwischen für 17 Prozent der turkmenischen Einfuhr auf.
Wirtschaftbeziehungen zu Deutschland
1. Handel
Im Jahr 2008 haben die Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands mit Turkmenistan stark an Bedeutung zugenommen: Der Import von Waren aus Turkmenistan vervierzehnfachte sich bei einem Exportwachstum von knapp 15 Prozent. Insgesamt lag der Handel bei knapp 230 Millionen Euro.
Deutschland ist eines der Top 10 (Rang 6) Lieferländer für Turkmenistan. Turkmenistan belegt allerdings die Plätze 101 für deutsche Exporte und 169 für deutsche Importe. Dabei importiert Deutschland hauptsächlich Textilien und Bekleidung aus Turkmenistan. Turkmenistan hingegen importiert Maschinen, Eisen und Stahl, chemische Erzeugnisse, sowie Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus Deutschland. Noch ist der Handel mit Turkmenistan von sehr geringer Bedeutung für Deutschland. Dies könnte sich allerdings wegen der zunehmenden Bedeutung der turkmenischen Gas- und Ölreserven ändern.
2. Investitionen
Ausländische Investitionen in die turkmenische Wirtschaft zielen meist auf den Energiesektor ab. Das Ziel der turkmenischen Regierung, das Produktionsvolumen stark zu erhöhen, kann nach Expertenschätzung nur erreicht werden, wenn bis 2012 jährlich etwa 4 bis 5 Milliarden US$ und danach bis 2030 rund 7 Milliarden US$ in Exploration und Förderanlagen investiert werden. Russland und China sind in diesem Hinblick besonders aktiv. So baut Moskau seit 2007 die „Prikaspijsky“-Pipline aus, durch welche 50 Milliarden Kubikmeter Gas aus Turkmenistan nach Russland fließen.
Turkmenistan hat auch Verpflichtungen gegenüber China: Im Jahr 2006 haben sich beide Länder auf den Bau einer Pipeline verständigt, die nach Fertigstellung 30 Milliarden Kubikmeter transportieren soll. Eine weitere Pipeline nach Iran trägt derzeit etwa 8 Milliarden Kubikmeter jährlich und wird derzeit zu einer Kapazität von 14 Milliarden Kubikmeter ausgebaut.
Für Deutschland und die EU sind die Rohstoffe Turkmenistans besonders vor dem Hintergrund der Diversifizierung ihrer Energieimporte interessant, zumal die Fülle turkmenischer Gasressourcen im Herbst 2008 von einer britischen Unternehmensberatung offiziell bestätigt wurde. Die EU ist besonders an der Nabucco Pipeline interessiert, die von der Türkei nach Österreich verlaufen und u.a. mit turkmenischem Gas gefüllt werden soll.
In Turkmenistan vertreten sind vor allem deutsche Großunternehmen wie die Deutsche Bank, Siemens, MAN Ferrostaal und die Daimler AG. Weitere Investitionen sollen durch von der Regierung sanktionierte Investitionsanreize folgen. So stellt das turkmenische Ministerium für Wirtschaft und Finanzen Steuererleichterungen und Grundstücksbereitstellungen sowie einen je nach Produktpalette gestaffelten Gewinntransfer für Engagements im Öl- und Gassektor in Aussicht. In diesem Bereich ist Deutschland besonders mit der BASF-Tochter Wintershall vertreten, die der größte Investor im turkmenischen Offshore-Bereich des Kaspischen Meeres ist.
Turkmenistan befindet sich im Prozess der Öffnung – wirtschaftlich wie politisch. Allerdings steht das Land erst am Anfang einer noch langen Entwicklung. So ist es bezeichnend, dass Turkmenistan im Doing Business Report der World Bank, dem Businessführer schlechthin, erst gar nicht für das Jahr 2009 aufgenommen wurde.
Nichtsdestotrotz gibt es auch in Turkmenistan Chancen für ausländische Investoren, besonders im Energiebereich sowie im Bau- und Dienstleistungssektor. Letztere nutzt die Volksrepublik China seit 2006 immer intensiver. Vor diesem Hintergrund ist für deutsche Investoren das bilaterale Investitionsschutz- und Förderungsabkommen vom 19.02.2001 besonders relevant, da es das Risiko, in Turkmenistan zu investieren, deutlich reduziert. Vor Ort werden die Interessen deutscher Unternehmen von der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien in Almaty (Kasachstan) wahrgenommen.
Aktivitäten des Ost-Ausschusses
Der Ost-Ausschuss ist aktiv in den wirtschaftspolitischen Dialog mit der Regierung Turkmenistans involviert. Anlässlich der ersten Sitzung der deutsch-turkmenischen Regierungsarbeitsgruppe im Mai 2009 wurde von Seiten der turkmenischen Regierung das Interesse an Kooperationsprojekten mit dem Ost-Ausschuss bekräftigt. Bereits im November 2008 hatte der turkmenische Staatspräsident Gurbanguly Berdymuchamedow anlässlich eines Berlin-Besuchs sein besonderes Interesse an der wirtschaftlichen Kooperation mit Deutschland zum Ausdruck brachte.
Seit Januar 2008 erscheinen dank einer Finanzierung durch Mitgliedsunternehmen und den Ost-Ausschuss monatliche „Länderanalysen Zentralasien“ zu den aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Region. Diese werden gemeinsam von der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen und der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde herausgegeben. Die Länderanalysen Zentralasien können kostenlos unter www.laender-analysen.de abonniert werden.
Vom 8. bis 11. November reiste unter Leitung des Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Mangold eine zwölfköpfige Wirtschaftsdelegation durch drei Länder Zentralasiens, so auch durch Turkmenistan. Bei den Gesprächen der deutschen Unternehmer mit hochrangigen Vertretern der Regierung ging es insbesondere um die Abstimmung neuer Investitions- und Kooperationsprojekte vor allem zur Projektfinanzierung, Infrastruktur-entwicklung, zum Maschinen- und Anlagenbau sowie um die Förderung von Aus- und Weiterbildung. Siehe auch den Bericht zur Delegantionsreise "Wirtschaftskrise und neue Chancen".
Quellen:
Asian Development Bank
Auswärtiges Amt
Bundesagentur für Außenwirtschaft
European Bank for Reconstruction and Development
Statistisches Bundesamt Deutschland
Turkmenisches Statistikamt
International Monetary Fund

Statistik
Präsident: Gurbanguly Berdymuchammedow
Hauptstadt: Aschgabat
Bevölkerung, 2009: 4,9 Mio.
BIP, 2008: 28,8 Mrd. USD
BIP pro Kopf (KKP), 2008: 6.100 USD
BIP-Wachstum, 2008: 10%
Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus TM, 2009: 39,1 Mio. Euro
Exporte nach TM, 2009: 241,9 Mio. Euro
Quellen:
Auswärtiges Amt, CIA World Fact Book, Statistisches Bundesamt.
BIP: Bruttoinlandsprodukt
KKP: Kaufkraftparität
Weitere Informationen
Gründung der Regierungsarbeitsgruppe Wirtschaft
Artikel
"Wirtschaftskrise und neue Chancen

