Usbekistan

Stand: September 2016

Wirtschaftliche Entwicklung

Das neunte Jahr in Folge legte Usbekistans Wirtschaftsleistung 2015 um rund acht Prozent zu. Trotz der Rezession auf dem Hauptabsatzmarkt Russland und des Rückgangs der Geldüberweisungen usbekischer Gastarbeiter konnte das Land mithilfe öffentlicher Investitionen sowie im Zuge einer guten Entwicklung im Bauwesen den Wachstumskurs der Vorjahre beibehalten. Auch in diesem Jahr ist in Usbekistan mit einer lebhaften Investitionstätigkeit zu rechnen. Dies wird die Schwäche des Handelspartners Russland und die niedrigen Rohstoffpreise zumindest teilweise ausgleichen. Voraussetzung für eine Fortsetzung des Wachstumskurses ist aber, dass der Tod des langjährigen Präsidenten Islam Karimow im September 2016 nicht zu politischen Turbulenzen führt.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) erwartet in ihrer Prognose vom Mai 2016 für 2016 und 2017 Wachstumsraten von jeweils über sechs Prozent und damit einen leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung im Vergleich zu den Vorjahren. Hauptwachstumstreiber ist der von Investitionen getragene Industriesektor. Dieser soll mithilfe von Reformprogrammen modernisiert und diversifiziert werden. Mit Lohn- und Rentenerhöhungen sowie Transferleistungen erhofft sich der usbekische Staat, den privaten Konsum anzukurbeln und das Wachstum auch im Dienstleistungssektor zu stützen. In der Landwirtschaft will die Regierung künftig auf mehr Nachhaltigkeit setzen. So soll statt Baumwolle mehr Gemüse angebaut werden, um zum einen höhere Erzeugerpreise und zum anderen ein vielfältigeres Exportangebot zu erreichen.

Sorgenkind der usbekischen Wirtschaft bleibt trotz Fortschritten die schwache Entwicklung auf mikroökonomischer Ebene. Die Privatisierung staatlicher Industriebetriebe stockt weiterhin. Die Abhängigkeit der Unternehmen von staatlichen Aufträgen bleibt weiter groß. Der Importprotektionismus sowie die kostenintensive Entwicklungsstrategie einer staatlich gelenkten Industrialisierung hemmen einen sich selbst tragenden Wirtschaftsaufschwung. Hinzu kommen strukturelle Probleme der Wirtschaft wie Bürokratie und Korruption.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Das bilaterale Handelsvolumen zwischen Deutschland und Usbekistan, dem zweitwichtigsten Handelspartner Deutschlands in Zentralasien, lag im vergangenen Jahr bei rund 440 Millionen Euro. Deutsche Unternehmen exportierten 2015 Waren im Wert von insgesamt 422 Millionen Euro nach Usbekistan, ein Rückgang um 15 Prozent gegenüber 2014. Deutschland bezog usbekische Güter im Wert von lediglich knapp 18 Millionen Euro - ein Rückgang von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Usbekistans Rahmenbedingungen für Investoren entsprechen weiterhin nicht den internationalen Standards. Hier ist insbesondere die schleppende Konvertierung der Nationalwährung zu nennen, die ausländische Investoren weiterhin behindert. Insgesamt setzt die usbekische Regierung aber strikt auf die Modernisierung der eigenen Industrie, wobei hier ein Augenmerk auf deutsche Technologien gelegt wird. Mit der Gründung des Deutsch-Usbekischen Wirtschaftsrats möchte die usbekische Regierung das Interesse an einer verstärkten Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen unterstreichen.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Aktuelle Entwicklungen in Zentralasien standen auf der Agenda des traditionellen Treffens des Expertenkreises „Zentralasien“ des Ost-Ausschusses Ende September 2015 in Berlin. Im Rahmen des Expertenkreises tauschten sich Fachexperten und Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage in der Region aus. Im Rahmen des Eurasia Business Forum am 24. November 2015 während der OECD Eurasia Business Week fanden Treffen mit hochrangigen Regierungsvertretern aus Zentralasien statt. Vor allem Tadschikistan, aber auch Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan standen im Mittelpunkt des 5. Nowruz Forum Mitte April in Hamburg. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des deutsch-usbekischen Wirtschaftsrats Ende April 2016 wurde der Ost-Ausschuss in den Beirat der Organisation gewählt.

Quellen: OWC, gtai, EBRD