Vertrauensvoller Dialog in politisch schwierigen Zeiten

29. Mai 2014

Ein vertrauensvoller Dialog zwischen jungen Führungskräften beider Länder ist eine wichtige Grundlage für die zukünftigen deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Aus diesem Grund hat der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung und der BMW Stiftung Herbert Quandt mit den Deutsch-Russischen Gesprächen Baden-Baden ein erfolgreiches Forum für junge deutsche und russische Führungskräfte geschaffen.

Nach den jährlich im Oktober stattfindenden Gesprächen bleiben die Seminarteilnehmer über ein Alumni-Netzwerk miteinander im Austausch. Höhepunkte sind die jährlichen Alumni-Treffen in Russland, bei denen die jungen Führungskräfte die in Baden-Baden geschlossenen Kontakte und Freundschaften aus-bauen und sich jahrgangsübergreifend vernetzen. Am 6. Alumni-Treffen vom 29. bis 31. Mai 2014 in Moskau nahmen 30 Alumni teil, um das Netzwerk auszubauen und noch engmaschiger zu gestalten.

Routinierte Verhaltensweisen ändern – das lernten die Alumni beim „Dialogue in the Dark“. Verschiedene Aufgaben, die in vollkommener Dunkelheit 90 Minuten lang gemeinsam gelöst werden mussten, betonten die Bedeutung aufmerksamer, interkultureller Kommunikation und sozialer und emotionaler Kompetenz. Die Anleitung übernahmen dabei Blinde und sehbehinderte Menschen.

Die anschließende Diskussion unter den Alumni zeigte, dass sich auch in Russland ein Bewusstsein für die gesellschaftliche Teilhabe und Inklusion von Menschen mit Handicap entwickelt. Die Paralympischen Spiele im März 2014 in Sotschi gaben hierzu zusätzliche Impulse. Trotz vieler Verbesserungen gibt es aber noch ein enormes Entwicklungspotential, das insbesondere mit der Entwicklung von Social Entrepreneurship genutzt werden könnte.

Beim anschließenden Welcome Dinner mit fantastischem Blick über Moskau diskutierte der neue deutsche Botschafter in Moskau Rüdiger Freiherr von Fritsch mit den Teilnehmern die aktuellen politischen Beziehungen zwischen Russland, der EU und den USA. Der Botschafter betonte, dass es sich um die „schwerste Krise zwischen Ost und West seit Ende des Kalten Krieges“ handelt.

Am zweiten Tag besuchten die Alumni das „Winzavod“ in Moskau. In einer ehemaligen Weinfabrik ist der wahrscheinlich lebendigste Ort für zeitgenössische Malerei und Fotographie im Osten Europas entstanden. Ein Treffpunkt der Kreativszene, der für viele Alumni noch ein Geheimtipp war. Bei einem Unterneh-mensbesuch bei der OOO schattdecor in Tschechow erlebten die Alumni, wie das mittelständische Unternehmen aus Oberbayern vor den Toren Moskaus in einem modernen Werk Furnierfolien produziert und die Chancen des russischen Marktes erfolgreich nutzt. Ein zünftiges Schaschliki-Grillen auf Einladung des Unternehmens wurde zum gelungenen Abschluss der Werksbesichtigung. Bei russischen Köstlichkeiten und bayerischem Hefeweizen wurde viel gelacht und ausgiebig diskutiert.

Mit vielen neuen Impressionen, Denkansätzen aus den lebendigen Diskussionen, neuen Kontakten und Freundschaften reisten die Alumni in ihre Heimatstädte in Deutschland und Russland zurück. Die Alumni sagten zu, den Dialog aktiv fortzuführen und das Netzwerk der Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden auszubauen. So planen viele der Alumni, in der zweiten Wochenhälfte der vom 6. bis 12. Oktober 2014 stattfindenden 7. Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden anzureisen und sich mit den Teilnehmern des neuen Jahrgangs auszutauschen.

Matthias Toepfer
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft