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Wissenschaft trifft Wirtschaft

23. Mai 2012

Chancen der deutsch-russischen Zusammenarbeit in Forschung, Entwicklung und Ausbildung

Im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres der Bildung, Wissenschaft und Innovation 2011/12 luden der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und das Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation am 23. Mai 2012 zu einem Rundtisch-Gespräch in Berlin ein, um über eine intensivere Zusammenarbeit zwischen deutschen Unternehmen und russischen Exzellenzuniversitäten zu diskutieren.

Russland verfügt über eine gute Grundlagenforschung, muss diese aber noch enger mit der anwendungsorientierten Forschung verzahnen. Nur so kann eine umfassende Modernisierung und Diversifizierung der russischen Wirtschaft gelingen. Durch die Modernisierungspartnerschaft mit Russland kommt Deutschland hierbei eine besondere Rolle zu. 

Nach Einschätzung von Sergej Poljakow, Direktor des Russischen Fonds zur Unterstützung kleiner innovativer Unternehmen, ist die Zusammenarbeit russischer Forschungseinrichtungen mit deutschen Unternehmen bereits umfangreicher als mit Unternehmen anderer EU-Länder. Zwei Beispiele dieser Zusammenarbeit stellte Wjatscheslaw Bekker, Leiter des russischen Forschungs- und Technologiezentrums der OOO Robert Bosch vor. Das Unternehmen arbeite erfolgreich mit dem Institut für Materialforschung an der Universität Rostow zur Entwicklung bleifreier Keramik sowie mit der Staatlichen Polytechnischen Universität St. Petersburg bei computergestützten Crash-Test-Simulationen zusammen. Bekker merkte an, dass die Initiativen zur Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Russland bislang zu wenig von den Universitäten ausgehen und lud die anwesenden Universitätsvertreter zu Kooperationen ein.

Konkrete Angebote der Universitäten fehlen 

Auch Thomas Dehm, Geschäftsführer der OOO Eisenmann Russland, bestätigte, dass ein Großteil der bisherigen Kooperationen des mittelständischen Unternehmens mit russischen Universitäten eher durch Kontakte russischer Mitarbeiter zu ihren ehemaligen Universitäten als durch konkrete Angebote der Universitäten entstanden sind. Das Unternehmen hat auf diesem Weg vor fast drei Jahren eine Kooperation mit der Bauman-Universität begonnen. Studenten des fünften Studienjahres dieser Moskauer Exzellenzuniversität absolvieren Praxisaufenthalte im Unternehmen und führen erfolgreich Projekte der Roboterprogrammierung durch.

Tamara Chistjakowa, Prorektorin für Studienangelegenheiten an der Technischen Universität St. Petersburg, berichtete, dass die älteste russische Universität zuweilen Probleme bei der Identifizierung passender Partner aus der Industrie hat. Ist dieser Partner aber gefunden, so gestaltet sich die Zusammenarbeit in der Regel sehr fruchtbar. So arbeite die Universität beispielsweise erfolgreich mit einem deutschen Unternehmen bei der Entwicklung fälschungssicherer Arzneimittelverpackungen zusammen. Als besonders zielführend hat es sich erwiesen, unabhängige Forschungszentren zu gründen, die von Universität und Unternehmen gemeinsam getragen werden.

Die Veranstaltung zeigte, dass es einen hohen Abstimmungsbedarf zwischen Wirtschaft und Wissenschaft in Russland gibt. Die Teilnehmer wollen die begonnenen Gespräche intensiv fortführen. 

Matthias Toepfer
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

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Um die engere Verzahnung von Forschung und Produktentwicklung ging es bei der Diskussionsrunde in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Foto: Matthias Toepfer
Um die engere Verzahnung von Forschung und Produktentwicklung ging es bei der Diskussionsrunde in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Foto: Matthias Toepfer