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Deutsch-Russische Initiative zur Harmonisierung der Technischen Reglements

Im Jahr 2018 wurde auf der Industriemesse Innoprom die Deutsch-Russische Initiative zur Harmonisierung der Technischen Reglements per Handschlag besiegelt. Aus dem Versuch, gemeinsame Themenfelder zu identifizieren, ist mittlerweile eine feste Struktur mit rund 150 beteiligten Spezialisten und elf bilateralen Arbeitsgruppen (AG) geworden, die bei den Themen Qualitätsinfrastruktur, industrielle Produktion und Digitalisierung an der Angleichung von Normen und Standards sowie an Fragen der Akkreditierung, Zulassung, Zertifizierung und Konformitätsbewertung arbeiten. Die Plattform zum Informationsaustausch bieten die Industrieverbände beider Länder, der Russische Verband der Industriellen und Unternehmer (RSPP) und für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) der Ost-Ausschuss. 

Ziel ist die bestmögliche Harmonisierung der technischen Regulierungen im Sinne der Wirtschaft beider Länder, aber auch von EU und Eurasischer Wirtschaftsunion (EAWU). Die erarbeiteten Vorschläge werden dem Gesetzgeber zur Umsetzung empfohlen. Die Initiative lebt vom Input der Spezialisten aus den Unternehmen, die die Agenda festlegen und sich auf Expertenebene austauschen. Damit bildet sie die Grundlage für den Dialog zwischen Regierungsvertretern, die ebenfalls aktive Teilnehmer an den Sitzungen sind.

Pilotprojekte gestartet

Ein wichtiges Ergebnis des intensiven Austauschs sind Pilotprojekte einiger Arbeitsgruppen. Im Bereich Qualitätsinfrastruktur soll beispielsweise noch 2021 ein Projekt zur gegenseitigen Anerkennung von Prüfresultaten ausgewählter Labore gestartet werden. Nach wie vor mangelt es an der Transformation und Anerkennung von Prüfprotokollen, einerseits wegen fehlender gesetzlicher Regelungen, andererseits aufgrund mangelnden Wissens. Die AG will sich deshalb der Auditierung von Laboren, Spezialisten und Verfahren und dem Wissenstransfer annehmen. In einer der wichtigsten Industriebranchen der deutschen Wirtschaft, dem Maschinen- und Anlagenbau, ist das Projekt Elektrolichtbogenofen entwickelt worden, um über die gesamte Prozesskette hinweg aufzuzeigen, bei welchen Schritten eine Harmonisierung oder Angleichung notwendig ist.

Von besonderer Bedeutung ist die Etablierung von Regeln im Bereich der Digitalisierung. Der Bedarf in allen Anwendungsbereichen ist groß, ebenso der Wildwuchs. Es darf deshalb als großer Erfolg gelten, dass die russische Seite die Begrifflichkeiten im Bereich Industrie 4.0 komplett für den Einsatz in der Russischen Föderation übernommen hat und sie im sogenannten Glossar Industrie 4.0 veröffentlicht hat. In der Praxis bedeutet diese Adaption nicht mehr und nicht weniger, als dass digitale Industriestandards auch in Russland anwendbar sein werden. 

Auch in der Arbeitsgruppe Intelligent Electricity Grid ist aus der Kooperation praktisches Handeln geworden: Gemeinsam mit der Siemens AG wurde eine Roadmap für die Umsetzung eines gemeinsamen Projekts zur Integration innovativer technischer Lösungen zur dynamischen Überwachung von Stromleitungen in das europaweite Programm des Konzerns – Smart Grid Architecture Model – entwickelt. Auch hier gilt: Gemeinsame Standards ermöglichen einen erleichterten Zugang zum Markt und wesentlich weniger Aufwand für Prüfung, Zulassung, Kontrolle und Normung. Perspektivisch sind auch in den Bereichen Bauwirtschaft, Elektrotechnik und Smart Manufacturing praktische Anwendungsumsetzungen geplant.

Die als bilaterales deutsch-russisches Projekt geplante und implementierte Initiative wirkt auch in die beiden Wirtschaftsräume EU und EAWU hinein. Technische Reglements, die weitestgehend angeglichen und gemeinsam entwickelt wurden, machen Handel und Handeln in beide Richtungen deutlich unkomplizierter und sparen Zeit, Geld und personelle Kapazitäten. 

Da Standards und Normen in allen Industriebereichen eine herausragende Rolle spielen, sind Firmen und Spezialisten herzlich eingeladen, ihre Expertise und ihre Fragen mit in die Initiative einzubringen und sich aktiv zu beteiligen. 

Die Zwischenergebnisse der Initiative wurden in der Broschüre „Harmonisierung der Technischen Reglements – eine Chance für deutsche und russische Unternehmen“ im April 2021 veröffentlicht.

 

Kontakt

Jens Böhlmann
Leiter Kontaktstelle Mittelstand für Russland
Tel.: +49 30 206167 127
J.Boehlmann@oa-ev.de

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