Armenien

Stand: April 2018

Im Februar 2017 haben die EU und Armenien die Verhandlungen über ein neues umfassendes Partnerschaftsabkommen abgeschlossen, das die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen soll. Das Abkommen wurde im Mai 2017 unterzeichnet. Im Herbst 2014 hatte Armenien überraschend die Ratifizierung eines Assoziierungsabkommens mit der EU abgesagt und war 2016 der von Russland dominierten Eurasischen Wirtschaftsunion beigetreten. Armenien ist Teil des Östliche-Partnerschaft-Programms der EU.

Wirtschaftsentwicklung

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Armeniens belief sich 2017 nach Schätzung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) auf 3,5 Prozent. Im Jahr zuvor hatte die Wirtschaft des Kaukasuslandes noch nahezu stagniert (+0,2 Prozent). Vor allem die Entwicklung in Russland hat einen erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Zukunft Armeniens. Das Land im Südkaukasus ist nach wie vor von Rücküberweisungen armenischer Gastarbeiter abhängig. Durch die Schwäche der russischen Wirtschaft sanken diese 2016, dazu kommt die hohe Arbeitslosigkeit von inoffiziell über 30 Prozent. 2017 sorgten vor allem wachsende Exporte und die Erholung der Geldüberweisungen aus Russland für eine Belebung der Wirtschaft. Für 2018 wird laut EBRD erneut ein Wirtschaftszuwachs von 3,5 Prozent erwartet.

Hemmende Faktoren sind die geringen Binneninvestitionen und ungelöste geopolitische Probleme im Südkaukasus wie der Konflikt mit Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach. Die von den Nachbarländern Aserbaidschan und Türkei infolge des Konflikts seit den 1990er Jahren verhängte Verkehrs- und Energieblockade bremst auch eine stärkere Einbindung in die internationale Wirtschaft. Daneben belasten hausgemachte Probleme wie die Schattenwirtschaft, stockende Reformen, oligarchische Strukturen, Defizite in der Infrastruktur und schwache Institutionen die Konjunktur.

Geschäftspotenzial bieten vorrangig der Infrastruktursektor (Transport, Strom und Wasser/Abwasser), die Landwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe, der IT-Sektor und der Tourismus. Zudem will die Regierung die Energiesicherheit erhöhen und setzt auf einen Mix aus fossilen Brennstoffen (Erdgas), Kernenergie und erneuerbaren Energien (Wasserkraft). Projekte im Infrastrukturbereich sind ein Nord-Süd-Straßenkorridor sowie der Bau einer Eisenbahnverbindung in den Iran. Die Rolle internationaler Finanzierungsinstitutionen bei der Investitionstätigkeit ist hoch.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Deutschland ist weiterhin einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Armeniens. Im Jahr 2017 betrug das bilaterale Handelsvolumen rund 264 Millionen Euro. Die deutschen Exporte stagnierten bei 152 Millionen Euro. Die Importe aus Armenien gingen um ein Prozent auf 112 Millionen Euro zurück. Aus Deutschland werden hauptsächlich Maschinen, Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, chemische Erzeugnisse sowie Rohstoffe nach Armenien exportiert. Bei den Importen aus Armenien dominieren NE-Metalle, Eisen und Stahl sowie Textilien und Bekleidung.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Im Februar 2017 veranstaltete der Ost-Ausschuss gemeinsam mit anderen Partnern ein Deutsch-Armenisches Wirtschaftsforum in Berlin. Im Zentrum der eintägigen Veranstaltung standen die Möglichkeiten der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich der Informationstechnologien, des Verkehrs und im Energiesektor. Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms traf im Mai 2017 bei einem Besuch in der armenischen Hauptstadt Jerewan den armenischen Ministerpräsidenten Karapetjan. Vereinbart wurden eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Infrastruktur, Energie, IT, Landwirtschaft und Bergbau sowie eine flexible Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Ost-Ausschuss und dem armenischen Wirtschaftsministerium. Im Juni 2017 organisierte der Ost-Ausschuss eine Round-Table-Netzwerkveranstaltung mit der Stiftung Initiatives for Development of Armenia in Berlin.

Quellen: OWC, EBRD, IWF, gtai, Statistisches Bundesamt