Armenien

Stand: August 2016

Seit Anfang 2015 gehört Armenien als Vollmitglied zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), die zu Jahresbeginn aus der bisherigen Zollunion der drei Länder Russland, Kasachstan und Belarus offiziell hervorgegangen ist. Das Land hat bis 2022 Zeit, seine Zolltarife dem EAWU-Standard anzupassen. Im Herbst 2014 hatte Armenien überraschend die Ratifizierung eines Assoziierungsabkommens mit der EU abgesagt. Die bestehenden Kooperationen mit der EU sollen dennoch genutzt und weiterentwickelt werden. Armenien ist Teil des Östliche-Partnerschaft-Programms der EU.

Wirtschaftsentwicklung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Armeniens entwickelte sich im vergangenen Jahr besser als erwartet. Der reale BIP-Zuwachs fiel mit drei Prozent vergleichsweise robust aus. Vor allem der Agrarsektor und der Bergbau (mit der Inbetriebnahme der großen Kupfermine Teghut) konnten deutlich zulegen. Dagegen erwies sich die Rezession in Russland als Haupthandelspartner Armeniens als Bremsklotz für die heimische Wirtschaft. Durch die Schwäche der russischen Wirtschaft sanken auch die Rücküberweisungen der armenischen Arbeitsmigranten. Investitionen und privater Konsum waren rückläufig. Allerdings gibt es auch hausgemachte Probleme, wie die Schattenwirtschaft, stockende Reformen, Defizite in der Infrastruktur und schwache Institutionen.

Ungeachtet des beschriebenen schwierigen Wirtschaftsumfelds wird für Armenien sowohl für 2016 als auch für 2017 ein reales BIP-Wachstum von rund zwei Prozent erwartet. Die Prognosen basieren auf einer positiven Dynamik in Industrie, Landwirtschaft und Dienstleistungssektor sowie einer leichten Belebung der Exporte und der Investitionen. Institutionen wie die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), die Weltbank oder der Internationale Währungsfonds (IWF) wollen neue Kreditlinien für das Land bereitstellen. Ein Risikofaktor für den Ausblick ist der wieder aufgeflammte Konflikt mit Aserbaidschan um Berg-Karabach.

Geschäftspotenzial bieten vorrangig der Infrastruktursektor (Transport, Strom und Wasser/Abwasser), die Landwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe, der IT-Sektor und der Tourismus. Zudem will die Regierung die Energiesicherheit erhöhen und setzt auf einen Mix aus fossilen Brennstoffen (Erdgas), Kernenergie und erneuerbaren Energien (Wasserkraft). Projekte im Infrastrukturbereich sind ein Nord-Süd-Straßenkorridor sowie der Bau einer Eisenbahnverbindung in den Iran. Die Rolle internationaler Finanzierungsinstitutionen bei der Investitionstätigkeit ist hoch.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Deutschland ist weiterhin einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Armeniens. Im Jahr 2015 betrug das bilaterale Handelsvolumen rund 289 Millionen Euro. Die deutschen Exporte stiegen kräftig um 18 Prozent auf fast 151 Millionen Euro. Die Importe aus Armenien legten ebenfalls deutlich um 30 Prozent auf gut 138 Millionen Euro zu. Aus Deutschland werden hauptsächlich Maschinen, Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, chemische Erzeugnisse sowie Rohstoffe  nach Armenien exportiert. Bei den Importen aus Armenien dominieren NE-Metalle, Eisen und Stahl sowie Textilien und Bekleidung.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Mitte Oktober 2015 veranstaltete der Ost-Ausschuss ein Deutsch-Armenisches IT-Forum in Berlin. 65 IT-Unternehmen aus beiden Ländern diskutierten und präsentierten Kooperationsmöglichkeiten in dieser Branche. Anfang April 2016 führte der Ost-Ausschuss 18 interessierte deutsche Unternehmen zu einem Gespräch mit dem armenischen Präsidenten Sersh Sargsjan in Berlin zusammen, um über mögliche Kooperationen zu diskutieren.