Armenien

Stand: September 2015

Seit Anfang 2015 gehört Armenien als Vollmitglied zur Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU), die zu Jahresbeginn aus der bisherigen Zollunion der drei Länder Russland, Kasachstan und Belarus offiziell hervorgegangen ist. Bis Ende 2015 ist die armenische Teilnahme an den EAWU-Exekutivorganen noch eingeschränkt. Das Land hat bis 2022 Zeit, seine Zolltarife dem EAWU-Standard anzupassen. Der zugrunde liegende Beitrittsvertrag war im Oktober 2014 unterzeichnet worden. Im Herbst 2014 hatte Armenien überraschend die Ratifizierung eines Assoziierungsabkommens mit der EU abgesagt. Die bestehenden Kooperationen mit der EU sollen dennoch genutzt und weiterentwickelt werden. Armenien ist Teil des Östliche-Partnerschaft-Programms der EU.

Wirtschaftsentwicklung

Armenien hat sich nur mühsam vom tiefen wirtschaftlichen Einbruch im Gefolge der weltweiten Finanzkrise erholt. 2014 wuchs die Wirtschaft um 3,4 Prozent. Der massive Einbruch der russischen Wirtschaft wird aber zunehmend zur Belastung für die armenische Volkswirtschaft. Russland ist ein wichtiger Handels- und Finanzierungspartner und eine Quelle für Heimatüberweisungen armenischer Gastarbeiter. Die EBRD hat ihre Wachstumsprognose für 2015 vor diesem Hintergrund von Null auf -1,5 Prozent gesenkt. Negativ auf die Perspektiven der armenischen Wirtschaft wirkt sich die hohe Abwanderung insbesondere der jungen Bevölkerung ins Ausland aus. Dazu kommen Reformdefizite und teils geschlossene Außengrenzen zu den Anrainern Aserbaidschan und Türkei.

Geschäftspotenzial bieten vorrangig der Infrastruktursektor (Transport, Strom und Wasser/Abwasser), die Landwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe, der IT-Sektor und der Tourismus. Zudem will die Regierung die Energiesicherheit erhöhen und setzt auf einen Mix aus fossilen Brennstoffen (Erdgas), Kernenergie und erneuerbaren Energien (Wasserkraft). Projekte im Infrastrukturbereich sind ein Nord-Süd-Straßenkorridor sowie der Bau einer Eisenbahnverbindung in den Iran. Die Rolle internationaler Finanzierungsinstitutionen bei der Investitionstätigkeit ist hoch.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Deutschland ist einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Armeniens. Im Jahr 2014 betrug das Handelsvolumen 235 Millionen Euro. Die deutsche Exporte stagnierten bei 128 Millionen Euro, während die Importe aus Armenien kräftig um über die Hälfte auf 107 Millionen Euro kletterten. Aus Deutschland werden hauptsächlich Maschinen, Elektrotechnik, Kfz und Kfz-Teile sowie chemische Erzeugnisse nach Armenien exportiert. Bei den Importen aus Armenien dominieren Metalle wie Eisen und Stahl sowie Textilien und Bekleidung.

Aktivitäten des Ost-Ausschusses

Armenien war zuletzt im Mai 2013 das Ziel einer Ost-Ausschuss-Delegationsreise, die gemeinsam mit der IHK Karlsruhe organisiert wurde. In Gesprächen mit Premier- und Wirtschaftsminister wurden Möglichkeiten zum Ausbau der bilateralen Handelsbeziehungen besprochen.