EXPO 2017 gibt Wirtschaftszusammenarbeit mit Kasachstan neuen Schwung

7. Juli 2017

Geballte deutsche Präsenz in Astana

Zahlreiche Veranstaltungen rund um die deutsche Woche auf der Weltausstellung EXPO-2017 in der kasachischen Hauptstadt Astana drehten sich um die bilaterale Zusammenarbeit insbesondere im Energie- und Rohstoffsektor.

Mit aller Kraft strebt Kasachstan in die Riege der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Bis 2030 möchte das zentralasiatische Land sich neu erfinden und einen Platz unter den 30 am meisten entwickelten Staaten einnehmen. Dafür ist die kasachische Regierung zu Reformen und Investitionsförderungen bereit. Nirgendwo im Land wird das sichtbarer als in der kasachischen Hauptstadt Astana, die praktisch aus dem Nichts innerhalb von 19 Jahren in die kasachische Steppe gebaut wurde und sich als eine futuristische, aber gleichzeitig lebenswürdige Stadt präsentiert. Die internationale Ausstellung EXPO-2017, die seit dem 10. Juni die Besucher anzieht, fügt sich mit ihrer Architektur nahtlos in das Stadtbild ein.

In der Woche um den 12. Juli 2017 war Deutsch die vorherrschende Sprache auf dem EXPO-Gelände und in der Hauptstadt. Um den deutschen Nationentag und den Besuch von Bundespräsident Frank-Walther Steinmeier reihten sich zahlreiche Veranstaltungen.

BEK diskutiert Energie- und Rohstofffragen

Den Auftakt machte am 10. Juli der Ost-Ausschuss gemeinsam mit der Botschaft der Republik Kasachstan in Berlin mit der 20. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs (BEK). Der BEK ist eine Dialogplattform, die 2012 anlässlich eines Deutschland-Besuchs des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew ins Leben gerufen wurde. Seit 1. Juli 2016 ist der Ost-Ausschuss deutscher Kooperationspartner des BEK. Bei der Sitzung in Astana stand das Thema „Deutschland und Kasachstan - 25 Jahre Partnerschaft: Zusammenarbeit im Energie-, Technologie- und Rohstoffsektor“ im Mittelpunkt. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten Fragen wie: Welche Rahmenbedingungen benötigen internationale Investoren? Welche sind die energetischen Herausforderungen der Zukunft und wie kann man die Rohstoffkooperation stärken? Als Bühne für die Veranstaltung diente das Nationale Museum Kasachstans, das derzeit auch die Ausstellung zur chinesischen Terrakotta-Armee beherbergt.

Ambivalent wurden die bisherigen Fortschritte beim deutsch-kasachischen Rohstoffabkommen bewertet. Der kasachische Vizeaußenminister Roman Vassilenko und der langjährige Vizeminister für Investitionen und jetzige Abgeordnete des kasachischen Parlaments Albert Rau sahen gewisse Fortschritte. So seien die Mechanismen der Zusammenarbeit festgelegt und der Rahmen gesetzt worden. Beide lobten vor allem auch die Zusammenarbeit im innovativen Bereich, so etwa das Engagement der Fraunhofer Gesellschaft.

Ost-Ausschuss-Projekt begleitet Reformprozess

Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms betonte die Rolle des Ost-Ausschusses im Rahmen des Projekts „Mineralische Rohstoffe für Entwicklung“ bei der Novellierung des Rohstoffgesetzes. In Kasachstan begleitet das Vorhaben den Reformprozess und berät bei der Überarbeitung der steuerlichen Rahmenbedingungen sowie der Regelungen zur Minenschließung als Teil der Gesetzesreform, die im September 2017 dem Parlament (Majilis) zur Abstimmung vorgelegt wird. Gleichzeitig mahnte Harms konkrete Projekte im Rohstoffbereich an. Hier gebe es noch reichlich Potenzial. Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und Ost-Ausschuss-Vorstandsmitglied, sah hier vor allem die aktuelle Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten als ausschlaggebend. Die Rohstoffmärkte seien zwar für ihre Volatilität bekannt. Vor allem vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Elektromobilität müssten deutsche Unternehmen aber den Zugang zu wichtigen Rohstoffen sichern.

Bolat Nussupov, Botschafter der Republik Kasachstan in Deutschland, betonte in seinen Ausführungen die Bedeutung der deutsch-kasachischen Zusammenarbeit, die sich nicht nur in den wirtschaftlichen Beziehungen manifestiere. In den 25 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern seien diese stetig enger geworden und der Besuch des Bundespräsidenten anlässlich des Nationentags sei ein Ausdruck der Bedeutung dieser Beziehungen. Der deutsche Botschafter Rolf Mafael bestätigte diese Einschätzung. Er verwies in seinen Ausführungen gleichzeitig auf die neuen Möglichkeiten, die sich aus der chinesischen „One-Belt-One-Road“-Initiative ergäben. Kasachstan könne hier immens von seiner geografischen Lage zwischen der EU und China profitieren.

In der anschließenden Diskussionsrunde, die durch einen Impulsvortrag von Friedbert Pflüger, Geschäftsführer der Pflüger International GmbH und Direktor des European Centre for Energy and Resource Security (EUCERS) am King's College London, eingeleitet wurde, war vor allem das Leitthema der EXPO-2017 „Energie der Zukunft“ tonangebend. Soll sich das rohstoffreiche Kasachstan auf erneuerbare Energien konzentrieren oder doch lieber von seinem Energiereichtum profitieren? Bei dieser Frage waren sich die Teilnehmer weitgehend einig. Den größten Nutzen für die Natur, aber auch für die kasachische Wirtschaft würde die Steigerung der Energieeffizienz haben. Hier könnten die größten Erfolge erzielt werden. Erneuerbare Energien würden aber mittel- und vor allem langfristig eine immer größere Rolle in Kasachstan spielen.

German Energy Dialogue mit dem Bundespräsidenten

Erneuerbare Energien und Energieeffizienz waren auch die Leitthemen des German Energy Dialogue, den die Deutsche Energieagentur (dena) gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss und der Auslandshandelskammer Zentralasien am 11. und 12. Juli in Astana veranstaltete. In mehreren parallelen Panels wurden an zwei Tagen politische, wirtschaftliche und technologische Treiber einer nachhaltigen Energieversorgung, Konzepte für eine nachhaltige städtische Energieinfrastruktur, Finanzierungsmodelle sowie Ansätze zur Kompetenzentwicklung durch Bildungsinitiativen diskutiert. Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt von Bundespräsident Steinmeier am zweiten Veranstaltungstag, der die zahlreichen Kooperationsprojekte im Energiebereich erwähnte und gleichzeitig für eine noch stärkere Zusammenarbeit warb. Zuvor besichtigte Steinmeier gemeinsam mit dem kasachischen Staatspräsidenten die EXPO und konnte einen Eindruck von den neuesten Lösungen im Energiebereich gewinnen. So zeigt unter anderem das nordhessische Unternehmen Viessmann als größter Aussteller im Pavillon für Best-Practices-Beispiele aus dem Energiesektor die Zukunftstechnologien Brennstoffzelle, Power to Gas und Eisspeicher.

Bereits am 11. Juli fand die 10. Sitzung des Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsrats statt. Der Wirtschaftsrat wurde 2010 während des Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Kasachstan gegründet und ist eine wichtige Plattform für den Dialog zwischen den Unternehmen der beiden Länder. Die Jubiläumssitzung wurde für die Unterzeichnung zahlreicher Verträge und Absichtserklärungen genutzt, so unter anderem mit den deutschen Unternehmen Linde und Siemens. Insgesamt wurden Verträge im Umfang von 900 Millionen Euro unterzeichnet. Gleichzeitig wurde die Begegnung auch für kritische Diskussionen, so unter anderem im Bereich der Arzneimittelpreisfindung, genutzt. Mit dem Minister für Gesundheit Jelschan Birtanow stand der richtige Ansprechpartner zur Verfügung. Darüber hinaus nahmen auch der kasachische Minister für Investitionen und Entwicklung Zhenis Kasimbek sowie Energieminister Qanat Bosymbajew an dem Treffen teil.

Einen Abschluss fand die deutsche Woche in Kasachstan mit der 11. Sitzung der deutsch-kasachischen Regierungsarbeitsgruppe am 13. Juli 2017. Auch diese Plattform wurde dazu genutzt, gemeinsame Projekte voranzutreiben und eine Flankierung durch die beiden Regierungen sicherzustellen. Insgesamt hat Deutschland mit der geballten Präsenz in Astana ein deutliches Signal für ein stärkeres Engagement in Kasachstan gesetzt. Nun liegt es an beiden Seiten, für die Umsetzung der Vorhaben zu sorgen.