Nachhaltige Modernisierungsstrategien

19. Januar 2012

Zentrale Zukunftsfragen der globalen Ernährungssicherung

20 Jahre nach dem Weltgipfel von Rio de Janeiro wird im Juni 2012 erneut eine UN-Konferenz zur nachhaltigen Entwicklung stattfinden. „Green Economy“ und die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele werden dabei im Fokus stehen. Vor diesem Hintergrund diskutieren wir auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche im Januar 2012 in Berlin die zentralen Zukunftsfragen der globalen Ernährungssicherung.

Agrarminister aus aller Welt, Entscheidungsträger der Agrar- und Ernährungswirtschaft, sowie Vertreter von Wissenschaft und Zivilgesellschaft werden die Herausforderungen der globalen Ernährungssicherung angesichts knapper werdender Ressourcen, unbestreitbaren Klimawandels und wachsender Weltbevölkerung erörtern und Lösungsstrategien entwickeln.

Dabei sollte nach meiner Überzeugung das von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO beschriebene Konzept der „nachhaltigen Intensivierung“ im Zentrum stehen. Dies gilt sowohl für Entwicklungs- und Schwellenländer als auch für die leistungsfähigsten Agrarstandorte in Europa. Nur durch bestmögliche, ressourcenschonende Nutzung der Potentiale kann es gelingen, die Zukunftsfragen zu lösen.

Natürlich spielt nicht nur das Klima, sondern auch das Wetter eine wichtige Rolle. Welche gravierenden Auswirkungen wetterbedingte Ernteausfälle zur Folge haben, zeigte sich besonders auch 2010 mit der Dürreperiode in Russland. Der anschließende russische Exportstopp hat das Problem aber nicht gelöst, sondern führte zu einem massiven Preisanstieg, der bis zum Frühjahr 2011 anhielt sowie zur Anheizung eines weiteren Anstiegs der Rohstoffspekulationen weltweit.

Die Landwirtschaft Osteuropas wird bei der Lösung dieser Probleme eine wesentliche Rolle spielen. Russland, die Ukraine und Kasachstan gehören bereits heute zu den führenden Getreideproduzenten weltweit. Das Potential ist aber bisher unzureichend genutzt. Laut Experten wäre eine weitere Steigerung der Getreideproduktion in Russland und der Ukraine um über 50 Millionen Tonnen, das heißt um mehr als 33 Prozent, im nächsten Jahrzehnt möglich. Neben dem Zugang zu modernen Betriebs- und Investitionsmitteln sowie bestem Know-how ist entscheidend, dass Handelshemmnisse kontinuierlich abgebaut werden. Markteingriffe, wie beispielsweise durch einen Dreierverbund zwischen der Ukraine, Russland und Kasachstan würden zu einer Bündelung von etwa 20 Prozent des weltweiten Getreideexportes führen und lassen befürchten, dass der Weltmarkt für Getreide leichter aus dem Gleichgewicht gerät und Spekulationen weiter befeuert werden.

Im Rahmen des GFFA wird die Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und den Landwirtschaftsministern der Region die Perspektiven für die Agrar- und Ernährungswirtschaft erörtern. Maßgeblich für die Ausschöpfung der noch ungenutzten Potenziale werden die wirtschaftspolitischen Weichenstellungen in der Region sein.

Wir freuen uns auf interessante Diskussionen.

Dr. Thomas Kirchberg
Mitglied des Vorstandes, Südzucker AG Mannheim/Ochsenfurt
Russland-Sprecher der AG Agrarwirtschaft im Ost-Ausschuss