Kasachstan setzt auf Industrie 4.0

14. Dezember 2017

Digitalisierung als Treiber der deutsch-kasachischen Beziehungen/ 22. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Berlin

Kasachstan möchte bis 2050 zu den 30 wirtschaftsstärksten Ländern der Welt gehören. Dafür wäre ein jährliches Wachstum von rund fünf Prozent notwendig. Allein mit dem Rohstoffreichtum, mit dem das größte zentralasiatische Land gesegnet ist, wäre dieses Ziel nicht zu erreichen. Daher setzt die kasachische Regierung auf weitere Wachstumstreiber, darunter - dem Zeitgeist entsprechend - auch auf Digitalisierung. Die Industriebranchen, allen voran der Bergbau und die Schwerindustrie, sollen dank der Industrie 4.0 wettbewerbsstärker und profitabler gemacht werden. Wie weit diese Pläne vorangeschritten sind und wie Deutschland und Kasachstan sich hier gegenseitig unterstützen können, waren die Fragen, die im Rahmen der 22. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs am 14. Dezember in Berlin diskutiert wurden.

Digitalisierung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Dass die Digitalisierung als eine gesamtgesellschaftliche Gestaltungsaufgabe wahrgenommen werden muss, betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Uwe Beckmeyer, in seiner Begrüßung. Gerade als Industriestandort müsse Deutschland aufpassen, den Kontakt zwischen Produzenten und Konsumenten nicht an Plattformen zu verlieren. Gleichzeitig betonte Beckmeyer die zahlreichen Kooperationsansätze in der Zusammenarbeit mit Kasachstan und mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) als Ganzes, deren Gründungsmitglied Kasachstan ist. Das größte Potenzial für eine vertiefte Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen sieht Beckmeyer im Bereich der Qualitätssicherung und der technischen Regulierung. Normung und Standardisierung, Konformitätsbewertung und Akkreditierung würden technologische Entwicklung und Innovation fördern und helfen, Kosten zu reduzieren und Handelshemmnisse abzubauen.

Sowohl der kasachische Botschafter in Deutschland Bolat Nussupov als auch sein deutscher Kollege in Kasachstan Rolf Mafael hoben in Ihren Grußworten die intensiven Begegnungen des Jahres 2017 hervor. Die zahlreichen Treffen auf Experten- bis hin zur Präsidentenebene hätten einen weiteren Schub für die bilateralen Beziehungen gegeben.

In seiner Begrüßung für den Ost-Ausschuss arbeitete der Chief Technology & Strategy Advisor der WILO SE, Markus Beukenberg, das Thema Digitalisierung aus der Sicht eines typischen deutschen Mittelstandsunternehmens heraus. Dabei stehe für WILO bei einem Engagement auf einem Auslandsmarkt das Thema Nachhaltigkeit im Vordergrund. Die digitale Transformation sehe man für Länder wie Kasachstan als Chance für einen Sprung in der wirtschaftlichen Entwicklung an.

Mahnende Worte

Die anschließende Diskussionsrunde wurde von den Impulsvorträgen von Khairat Karibzhanov, Direktor des Instituts für Standardisierung und Zertifizierung der Republik Kasachstan, sowie Burghard Scheel, Vorsitzender des Kuratoriums des Fraunhofer IFF eingeleitet. Während Karibzhanov in seinem Vortrag auf die Bedeutung der Normen und der Standardisierung bei neuen Technologien sowie auf bestehende Partnerschaften mit Deutschland in diesem Bereich hinwies, fand Scheel mahnende Worte für die Modernisierungsvorhaben in Kasachstan: Planungshorizonte von fünf Jahren seien in Zeiten der digitalen Transformation zu lang, der Technologiesprung gewaltig. Hier müsse man aufpassen, nicht in Zeitnot zu geraten. Dazu seien gewaltige Anstrengungen, auch bei der Finanzierung, notwendig.

Finanzierung, Ausbildung und Fachkräftemangel sowie Sicherheitsfragen waren dann auch die Themen, die die Podiumsdiskussion dominierten. Diese wurde vom Koordinator des Arbeitskreises Digitalisierung im Ost-Ausschuss Stefan Kägebein moderiert. Während Olaf Schulz von Nokia sowie Fabian Bahr von der Giesecke & Devrient GmbH die Erfahrungen der deutschen Unternehmen darstellten, beleuchteten die Teilnehmer aus Kasachstan vor allem die staatlichen Vorhaben im Bereich Digitalisierung. Noch immer ist das Thema in Kasachstan staatlich dominiert. Allerdings kommen langsam Start Ups auf, die auch international bestehen können. Einig waren sich alle Redner, dass die zeitliche Komponente nicht aus den Augen gelassen werden darf. Der Digitalisierungszug ist bereits angefahren und man schafft es eventuell noch, auf den letzten Waggon zu springen. Ansonsten bleibt einem nur noch das Winken.

Eduard Kinsbruner
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft