Flutwelle trübt Aussichten für die Zukunft

7. Mai 2014

Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Rainer Lindner in Bosnien und Herzegowina

Am 7. und 8. Mai 2014 reiste der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses Rainer Lindner nach Sarajevo, um sich dort mit Vertretern der Regierung, der Wirtschaft und regionaler Institutionen ein Bild der aktuellen Wirtschaftsbeziehungen mit Bosnien-Herzegowina zu machen. Dies geschah mit Blick auf die anstehenden Parlamentswahlen im Oktober 2014 und vor dem Hintergrund der Proteste gegen die politische Führung vom Februar 2014, die in Tuzla begonnen und Städte wie Sarajevo und Mostar ebenfalls erfasst hatten.

Die politische Situation des Landes ist weiterhin von politischem Stillstand und Rivalitäten zwischen den Volksgruppen gekennzeichnet. Dennoch hat Bosnien- Herzegowina wirtschaftliches Potenzial: Im vergangenen Jahr konnte ein überraschend starkes Wachstum von 2,1 Prozent erzielt werden, für 2014 prognostiziert die European Bank for Reconstruction and Development immerhin noch ein Plus von 1,8 Prozent.

Der Handel mit Deutschland erreichte 2014 einen Wert von 1,3 Milliarden Euro und stieg damit gegenüber dem schwachen Jahr 2012 um vier Prozent. Nach Angaben der Delegation der Deutschen Wirtschaft sind etwa 150 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in Bosnien-Herzegowina engagiert, sie haben rund 10.000 Arbeitsplätze geschaffen. Vor dem Hintergrund der attraktiven Lohnkosten empfiehlt sich Bosnien-Herzegowina als Standort für arbeitsintensive Produktionen. Als potentiell besonders interessante Sektoren sind Metallver- und -bearbeitung, Holzwirtschaft, IT/TK, Textil und insbesondere Automotive zu nennen. Unternehmen wie Messer, Henkel, VW und Meggle sind nur einige Namen bekannter deutscher Unternehmen mit einer Produktion vor Ort.

In seinem Gespräch mit dem stellvertretenden Generalsekretär des Regional Cooperation Council, Botschafter Gazmend Turdiu, unterstrich Lindner die Notwendigkeit des Ausbaus der regionalen Zusammenarbeit Bosnien-Herze¬gowinas mit seinen Nachbarländern, die bereits jetzt im CEFTA-Raum zusammenarbeiten. Um diese Vernetzung zu fördern, plant der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft gemeinsam mit der regionalen Wirtschaftskammer ein Wirtschaftsforum für den Westbalkan, das am 24. und 25. September 2014 in Budva in Montenegro stattfinden wird. Ziel ist es, dort mit hochrangigen Vertretern der Regierungen der Westbalkanländer und Unternehmen gemeinsam Projekte mit regionalem Ansatz und Möglichkeiten zur Verbesserung der Rah¬menbedingungen mit Hinblick auf Investitionen im regionalen Kontext zu diskutieren.

Leider muss mit Blick auf die verheerende Flutkatastrophe, die Mitte Mai das Land getroffen hat, die positive Erwartung für die weitere wirtschaftliche Ent¬wicklung zunächst nach unten korrigiert werden. Ersten Schätzungen zufolge wird die Höhe der Flutschäden auf bis zu zwei Milliarden Euro geschätzt. Mindestens 46 Menschen kamen ums Leben. Besonders hart hat es die Infrastruktur des Landes sowie die für die Agrarwirtschaft wichtigen Gebiete getroffen. Zudem geht von weggeschwemmten Minen aus dem Bosnienkrieg (1992 bis 1995) eine große Gefahr aus. Vor Bosnien-Herzegowina liegt ein schwieriges Jahr. Der Ost-Ausschuss wird sich noch stärker engagieren und die Bemühungen des Landes zur Überwindung der Flutschäden unterstützen.

Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft