Russische Infrastrukturprojekte im Fokus des deutschen Mittelstandes

29. Januar 2014

Eisenbahn- und Recyclingprojekte bieten Chancen für deutsche Unternehmen

Bei der Bewertung des Investitionsstandorts Russland wird die Infrastruktur immer wieder als eine der bedeutendsten Herausforderungen im flächengrößten Land der Erde genannt. Dass die Modernisierung des Eisenbahnnetzes ein wichtiges Mittel für die Steigerung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit Russlands ist, hat auch die russische Regierung längst erkannt.

Die Modernisierung und die sich daraus ergebenden Kooperationsmöglichkeiten, etwa bei der Lokalisierung der Produktion für Projekte im Bereich Eisenbahn standen im Fokus eines Roundtables, das von der Redaktion des russischen Branchenblatts „Gudok“ am 29. Januar in Moskau veranstaltet wurde. Parlamentarier, Manager der russischen Staatseisenbahn RZD, Vertreter russischer und ausländischer Hersteller von Schienenfahrzeugen sowie Unternehmen aus der Zulieferindustrie kamen zusammen, um über die zukünftigen Entwicklungen der russischen Eisenbahn zu diskutieren. Der Schwerpunkt lag auf dem Bau von Schnellstrecken. Auch die Kontaktstelle Mittelstand für Russland (KSM) nahm aktiv an der Diskussion teil.

Auch wenn die Schnellstreckenprojekte sich momentan noch in der Planungsphase befinden, war für alle Anwesenden unbestritten, dass die Schnellstrecke kommt. Von deren Bau erhofft sich Russland positive Effekte für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Landes, eine Steigerung der Mobilität, die Schaffung neuer Arbeitsplätze sowie technologischen Fortschritt. So könnte den vorliegenden Berechnungen zufolge die Fahrzeit auf der Strecke Moskau-Kazan von aktuellen 14 auf nur 3,5 Stunden reduziert werden. Zudem könnten beim Bau der Trasse insgesamt mehr als 370.000 Arbeitsplätze in verschiedenen Industriebranchen entstehen. Die Planungen laufen bereits auf Hochtouren.

Auch deutsche Unternehmen interessieren sich sehr stark für dieses Thema. Deutsche Mittelständler wollen russischen Partnern ihre Produkte, Dienstleistungen und Fachexpertise anbieten. Kurz zuvor wurde die Kontaktstelle Mittelstand für Russland von einigen mittelständischen Branchenunternehmen angesprochen und um Unterstützung bei der Geschäftsanbahnung gebeten. Auf der Veranstaltung konnten für mittelständische Zulieferer und Dienstleister wichtige Kontakte geknüpft werden. 

Auch wenn es noch keinen konkreten Zeitpunkt für den Projektstart gibt, laufen die Vorbereitungen bereits heute. So arbeiten ausländische und russische Unternehmen schon jetzt gemeinsam an der Entwicklung der für die zukünftigen Schnellstrecken bestimmten Technologie. Zudem ergeben sich neue Anschlussprojekte im gesamten Eisenbahnbereich. Für zahlreiche deutsche Mittelständler ist die Russische Eisenbahn ein sehr attraktiver Partner. Durch eine Produktion vor Ort könnte eine für beide Seiten gewinnbringende Situation entstehen. Die Kontaktstelle Mittelstand für Russland plant daher in der kommenden Zeit weitere Aktivitäten im Eisenbahnbereich und lädt alle interessierte Unternehmen zum Dialog ein.

Deutsche Mittelständler an Zusammenarbeit mit Russland im Recycling-Bereich interessiert

Auch bei der Entwicklung der technischen Infrastruktur muss Russland einen großen Schritt nach vorn machen. Wie entwickelt sich die Recycling-Branche in Russland? Welche Trends zeichnen sich in der Abfallwirtschaft des Landes und in der Rechtsbasis ab? Wie werden Förder- und Anreizsysteme für zeitgemäße Entsorgung/Verwertung gestaltet? Und vor allem: Welche Möglichkeiten gibt es für deutsche Unternehmen, den russischen Markt zu erschließen? Diese Punkte standen auf der Agenda der Sitzung von German Recycling Technologies und Waste Partnership e.V. (RETech), die am 30. Januar im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Berlin stattfand. Auch die Kontaktstelle Mittelstand für Russland nahm an der Sitzung teil.

Vertreter der in Russland tätigen deutschen Branchenunternehmen, Fachbeamte des BMWi und des Umweltbundesamts sowie Rechtsexperten namhafter Anwaltskanzleien konnten sich intensiv austauschen. Im Ergebnis hieß es, der russische Recyclingmarkt sei zwar nicht einfach, aber attraktiv genug, um einen Markteintritt in Erwägung zu ziehen. Da in der russischen Abfallwirtschaft ein erheblicher Nachholbedarf an Technologie, Ausrüstung und Optimierung von Abläufen besteht, können sich deutsche mittelständische Unternehmen mit ihren Produkten, Dienstleistungen und ihrer Fachexpertise potentiell gut positionieren. Hierfür werden allerdings eine gute Marktstrategie sowie belastbare Netzwerke vor Ort benötigt. 

Einige deutsche Unternehmen haben auf dem russischen Recyclingmarkt bereits gute Erfahrungen gesammelt und erfolgreiche Geschäfte abgeschlossen. Es gibt jedoch noch weitere mittelständische Firmen, die den russischen Markt noch nicht für sich entdeckt haben. Die Kontaktstelle Mittelstand für Russland wird gemeinsam mit RETech Kontakte zu russischen Partnern in Moskau, aber auch in den Regionen knüpfen und dadurch die Kooperation voranbringen. 

Alexey Savinskiy
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft