Urbane Zukunftskonzepte für Russland

23. April 2012

Veranstaltung im Rahmen der HANNOVER MESSE 2012

Im Rahmen der Sonderausstellung „Metropolitan Solutions“ der Hannover Messe 2012 fand am 23. April 2012 eine Konferenz zum Th ema „Smart Cities – Urbane Zukunftskonzepte für Russland“ statt . Der Schwerpunkt lag dabei auf Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffi zienz in russischen Städten und mögliche deutsch-russischen Kooperationen auf diesem Feld. Die Veranstaltung wurde von der Commit GmbH gemeinsam mit der Deutschen Energieagentur (DENA), der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft sowie weiteren Kooperationspartnern organisiert.

Andreas Gruchow, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Messe AG, begrüßte die Teilnehmer und verwies auf die vielfältigen Herausforderungen, vor denen angesichts von Globalisierung, Klimawandel und zunehmender Landflucht Städte und Ballungsgebiete weltweit stünden. Der Leiter der Abteilung für Energieeffizienz, Modernisierung und Entwicklung des Bereiches Energie und Brennstoffe im russischen Energieministerium, Pawel Swistunow, erläuterte die aktuellen Ziele der russischen Regierung. Das Hauptpotential für Energieeinsparungen sehe man in der industriellen Produktion und auf regionaler und kommunaler Ebene. Die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen würden gesetzt und man habe hohes Interesse daran, von den deutschen Erfahrungen in diesem Bereich zu profitieren.

Der stellvertretende Regierungsvorsitzende der Region Uljanowsk, Alexander Pinkow, zeigte in seinem Beitrag auf, welche Maßnahmen dort ergriffen wurden, beziehungsweise geplant sind, um Erneuerbare Energien für das System der kommunalen Wärmeversorgung zu nutzen. Der amtierende Generaldirektor der Deutsch-Russischen Energieagentur, Wiktor Schachin, gab einen Überblick über die aktuellen Themen seiner Organisation und informierte, dass man derzeit ein Projekt zur Erhöhung der Energieeffizienz in Städten vorbereite. Befragt nach bestehenden Problemen bei der Umsetzung aktueller Projekte konstatierte Schachin, dass die Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen gut funktioniere, während die Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden aufgrund der bestehenden Tarifpolitik oder noch ausbaufähiger gesetzlichen Grundlagen nicht immer einfach sei. Allerdings seien gerade kleinere und finanziell nicht so gut ausgestattete Kommunen sehr an Projekten zur Steigerung der Energieeffizienz interessiert – ein Eindruck, der auch durch anwesende Unternehmensvertreter bestätigt wurde.

Rainer Lindner, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, verwies in seinem Beitrag zu den Potentialen der deutsch-russischen Zusammenarbeit darauf, dass das Thema der „City Solutions“ auch im Rahmen des anstehenden Deutschlandjahres in Russland eine Rolle spielen werde. Angesichts der besonderen demographischen Herausforderungen, vor denen Russland stünde, sei dies besonders wichtig. Während in Russland insgesamt ein Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen sei, nehme die Ballung der Bevölkerung in den Städten zu. Für viele Kommunen sei die Frage der Finanzierung von energetischer Modernisierung und möglicher Förderinstrumente besonders dringlich.

Das Themenfeld der urbanen Zukunftskonzepte, so das Fazit, biete vielfältige Möglichkeiten der deutsch-russischen Kooperation. Der Investitionsbedarf in den russischen Städten und Gemeinden ist hoch und eine Umsetzung von Energieeffizienzprojekten wird vor dem Hintergrund steigender Energiepreise auch für die lokalen Administrationen immer attraktiver.

Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft