Vor 15 Jahren starb Zoran Djindjic – Stipendienprogramm erinnert an großen serbischen Reformer

9. März 2018

Stipendienprogramm zu Ehren Zoran Djindjic feiert 15-jähriges Bestehen/ Bislang 640 Stipendiaten aus sieben Ländern des Westlichen Balkans/ Gründer sind der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und das BMZ

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft erinnert an den serbischen Reformer, Freund Deutschlands und großen Europäer Zoran Djindjic: „Mit Zoran Djindjic begann in den 1990er Jahren der demokratische Aufbruch und die wirtschaftliche Modernisierung Serbiens. Er war ein enger Partner des Ost-Ausschusses und seine Ermordung vor 15 Jahren war ein riesiger Verlust, nicht nur für Serbien, sondern auch für Europa“, erklärt der Vorsitzende des Ost-Ausschusses Wolfgang Büchele anlässlich des 15. Todestags des früheren serbischen Ministerpräsidenten. Zoran Djindjic wurde am 12. März 2003 in Belgrad durch einen Scharfschützen hinterrücks ermordet.

Auch der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Gerd Müller hebt die Bedeutung des Politikers hervor: „Zoran Djindjic hat mit Überzeugung und Leidenschaft den europäischen Gedanken und die Integration des lange Zeit isolierten Serbien in die westliche Wertegemeinschaft vorangetrieben. Damals wie heute braucht es überzeugte Europäer, die sich gegen nationale Egoismen und Alleingänge für ein offenes und solidarisches Europa einsetzen.“

Djindjic, der 1974 in der Tito-Zeit als oppositioneller Student zeitweilig inhaftiert wurde und mit Unterstützung von Heinrich Böll und Jürgen Habermas in den 1970er Jahren in Frankfurt und Heidelberg Philosophie studierte und danach in Konstanz promovierte, organisierte in den 1990er Jahren in Serbien die demokratische Opposition gegen Slobodan Milosevic. 1997 wurde Djindjic kurzzeitig erster nicht-kommunistischer Oberbürgermeister von Belgrad, im Januar 2001 schließlich serbischer Ministerpräsident. Vor allem die Bundesregierung und die deutsche Wirtschaft waren seine ersten Ansprechpartner und Unterstützer in der EU. In die Amtszeit Zoran Djindjics fiel auch ein engagierter Kampf gegen Korruption und die Auslieferung Milosevics an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag – Schritte, die Djindjic letztlich das Leben kosten sollten.

Zoran Djindjic und der Ost-Ausschuss

Djindjic knüpfte bereits im Oktober 2000, noch vor der für die Opposition erfolgreichen Parlamentswahl im Dezember 2000, Kontakte zum Bundesverband der Deutschen Industrie und zum Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. Im November 2000 und im Februar 2001 hielten sich bereits Ost-Ausschuss-Delegationen in Belgrad auf, im April 2001 eröffnete Djindjic eine große Ost-Ausschuss-Konferenz zu Jugoslawien auf der Hannover Messe, am 2. Dezember 2002 war er einer der Hauptredner anlässlich des 50-jährigen Geburtstages des Ost-Ausschusses in Berlin. „Ich hoffe, dass wir als ein Teil einer stabilen Region zu Europa gehören, im Sinne von ähnlichen Institutionen und ähnlicher Lebensqualität. Wir wünschen uns, dass wir in zehn Jahren eine gesunde Gesellschaft und eine gesunde Wirtschaft haben“, sagte Djindjic damals.

15 Jahre Zoran Djindjic Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für die Länder des Westlichen Balkans

Die Nachricht über die Ermordung Djindjics löste in Deutschland große Trauer und Bestürzung aus. Noch im März 2003 stellten der damalige Ost-Ausschuss-Vorsitzende Klaus Mangold und die damalige Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die unmittelbar nach Djindjics Ermordung nach Belgrad gereist war, die Weichen zur Gründung eines Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft für Praktikanten aus Serbien. Damit sollte eine der Leitideen des ermordeten Reformers weiter verfolgt werden, die Verständigung über europäische Grenzen hinweg. Für Djindjic stellten junge Menschen und ihre Ausbildung, Erfahrung und Motivation das größte Potential eines jeden Landes dar.

Während das Stipendienprogramm in den ersten drei Jahren auf Serbien begrenzt blieb, hat es sich seit 2007 schrittweise erweitert und bietet heute jährlich bis zu 75 jungen Nachwuchskräften in den sieben Programmländern – Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien – die Möglichkeit, drei bis sechsmonatige Praktika in deutschen Unternehmen in Deutschland zu absolvieren. Es dient dazu, den Stipendiatinnen und Stipendiaten einen Einblick in marktwirtschaftliche Abläufe und die Arbeitsweise deutscher Unternehmen zu ermöglichen und überregionale Kontakte zu knüpfen. Mehr als 150 Unternehmen haben sich bislang an dem Stipendienprogramm beteiligt und bis heute 640 Plätze zur Verfügung gestellt, für die insgesamt über 16.000 Bewerbungsschreiben eingingen. Aus einem bilateralen Projekt entstand in den vergangenen 15 Jahren ein Programm, das sich über die Bereiche Bildung, Wirtschaftsentwicklung und regionale Aussöhnung erstreckt. Das aktive Alumni-Netzwerk fördert überregionale Kontakte nachhaltig und trägt dazu bei, diese weiter auszubauen.

„Heute können wir auf 15 sehr erfolgreiche Jahre des Zoran Djindjic Stipendienprogramms zurückblicken. Das Programm ist ein hervorragendes Beispiel für die gelungene Kooperation der Deutschen Wirtschaft mit dem BMZ und der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Südosteuropa“, sagt der Vorsitzende des Ost-Ausschusses Wolfgang Büchele. „Unser Programm leistet einen kleinen, aber entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Vertrauensbildung zwischen den Ländern des Westlichen Balkans und unterstützt die grenzüberschreitende Integration Südosteuropas.“ Bundesminister Gerd Müller betont: „Mit unserem gemeinsamen Stipendienprogramm und dem Alumni-Netzwerk wird die Idee von Zoran Djindjic weiter getragen.“

Am 26. Juni 2018 wird das Stipendienprogramm mit einem Festakt in Berlin sein 15-jähriges Bestehen feiern und die Stipendiaten des aktuellen, 15. Jahrgangs in Deutschland begrüßen. Weitere Informationen dazu folgen.

Das Zoran Djindjic Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für die Länder des Westlichen Balkans wird im Auftrag des BMZ durch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt. Federführend in der Umsetzung ist der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft in Kooperation mit der Zoran Djindjic Stiftung, die von der Witwe des ermordeten Ministerpräsidenten Ruzica Djindjic gegründet wurde.

Durch die große Unterstützung von Institutionen der organisierten Wirtschaft, der Entwicklungszusammenarbeit, der deutschen Botschaften in den Ländern der Region und Institutionen aus dem Bildungsbereich entwickelte sich das Zoran Djindjic Stipendienprogramm seit 2003 zu einem erfolgreichen best-Practice Beispiel eines Public-Private-Partnership.

Nach der Rückkehr in ihre Heimatländer werden die Absolventinnen und Absolventen in ein aktives Netzwerk integriert und bleiben dadurch Deutschland, der deutschen Kultur und Wirtschaft verbunden. Das Alumni-Netzwerk bietet einen Pool an hochqualifizierten Young-Professionals, die in führenden deutschen, internationalen und lokalen Unternehmen sowie Institutionen in der Region aktiv sind.

Unternehmen, die sich an dem Programm beteiligen wollen, können sich im Ost-Ausschuss an die Projektleiterin Antje Müller (a.mueller3@bdi.eu) wenden.

Weitere Informationen zum Programm gibt es auch auf der Internetseite www.djindjic-stipendienprogramm.de/de/