Von Pristina nach Belgrad

22. Mai 2017

Delegationsreise des Ost-Ausschusses nach Serbien und in den Kosovo/ Unterstützung für Kammerkooperation

Vom 22. bis 24. Mai 2017 reiste eine Unternehmensdelegation des Ost-Ausschusses unter Leitung von Geschäftsführer Michael Harms nach Pristina und Belgrad. Dabei standen neben Treffen mit Ministern auch Gespräche bei den Wirtschaftskammern beider Länder auf dem Programm. Bereits vor zwei Jahren hatte der Ost-Ausschuss mit den Präsidenten der kosovarischen und serbischen Wirtschaftskammern Safet Gerxhaliu und Marko Cadez eine solche Reise verabredet. Hintergrund ist die enge Zusammenarbeit der beiden Kammern, die auf wirtschaftlicher Ebene pragmatische Lösungen für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen suchen. Ziel der Reise war es, diese Kooperation zu unterstützen und in Pristina und Belgrad mit Unternehmens- und Regierungsvertretern zu sprechen.

Am Image arbeiten

Den Auftakt bildete nach dem Briefing der Delegation durch die Ständige Vertreterin der Botschafterin in Pristina Christina Gehlsen ein Round Table in der kosovarischen Wirtschaftskammer. Dort informierten die Präsidenten Gerxhaliu und Cadez über ihre Kooperation und die aus ihrer Sicht notwendigen Schwerpunkte für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in der Region. Dazu gehören der Ausbau der Infrastruktur, die gemeinsame Anerkennung von Zertifikaten und ein pragmatischer Ansatz bei Zollverfahren. Mit Blick auf den Kosovo müsse man auch am Image arbeiten, das noch immer eher negativ geprägt sei.

Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Harms lobte die wirtschaftlichen Kennzahlen des Landes. Der Handel zwischen Deutschland und Kosovo bewege sich zwar mit etwa 200 Millionen Euro noch auf einem überschaubaren Niveau, aber das Wachstum von fast 20 Prozent im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr sei beachtlich. Um neue Investitionen deutscher Unternehmen anzuziehen, sei es aber wichtig, an der weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen zu arbeiten. Rechtssicherheit und die Transparenz von Verwaltungsverfahren sowie die praxisnahe Gestaltung der Ausbildung sowohl im berufsbildenden wie im universitären Bereich seien dabei wesentliche Faktoren.

In Gesprächen mit der kosovarischen Ministerin für Industrie und Handel Hykmete Bajrami und im Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung hatte die Delegation Gelegenheit zu einem Austausch über die aktuellen Strategien der Regierung zur Entwicklung des Landes, in dem für Juni Neuwahlen zum Parlament angesetzt sind.

Empfang für die neuen Stipendiaten

In Belgrad nahm die Delegation tags darauf am Abendempfang auf Einladung des deutschen Botschafters in Serbien Axel Dittmann anlässlich der Verabschiedung der neuen Generation der serbischen Stipendiaten des Zoran Djindjic Stipendienprogramms der Deutschen Wirtschaft und des DAAD teil. Im Briefing mit Botschafter Dittmann, dem Präsidenten der Deutsch-Serbischen Wirtschaftskammer Ronald Seeliger und deren Geschäftsführer Martin Knapp ergab sich die Möglichkeit zum intensiveren Austausch über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage in Serbien. Mit dem Wahlsieg von Premier Aleksandar Vucic bei den Präsidentschaftswahlen im April wird erneut eine Umbesetzung in der Regierung des Landes notwendig.

Zentraler Programmpunkt des Besuchs in Belgrad war der Besuch der serbischen Wirtschaftskammer, die in den vergangenen zwei Jahren einen intensiven Reformprozess durchlaufen hat. Auch dort wurde noch einmal der Aspekt der regionalen Kooperation unterstrichen. Bereits im August 2015 war eine Kooperation zwischen den Kammern der sogenannten Westbalkan-6 und Kroatien und Slowenien im Rahmen des Chambers Investment Forums unterzeichnet worden. Zum Abschluss eines intensiven Besuchsprogramms traf die Delegation zum Gespräch mit Wirtschaftsminister Goran Knezevic und Vertretern des Finanz- sowie des Ministeriums für Außenhandel, Telekommunikation und Tourismus zusammen.

Anja Quiring
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft