Am 29. Oktober 2026 fand eine neue Ausgabe der Webinarreihe „Team Deutschland – Den Wiederaufbau der Ukraine gemeinsam voranbringen“ statt. Die Reihe wird vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und PwC Deutschland organisiert. Partner des Webinars zur ukrainischen Landwirtschaft waren die German Agribusiness Alliance, Euler Hermes und die DEG. Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Finanzinstitutionen schalteten sich zu.
Die Veranstaltung verband aktuelle Herausforderungen mit Unterstützungsangeboten und Erfahrungen von Unternehmen vor Ort. Zu Beginn betonte Moderatorin Alena Akulich (Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft) die Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Landwirtschaft und ihre Bedeutung für die ukrainische und europäische Wirtschaft. Co-Moderator Matthias Koster (PwC Deutschland) stellte die Investitionsgarantien des Bundes vor. Sie sichern deutsche Direktinvestitionen gegen politische Risiken ab und stehen trotz der Kriegsrisiken weiterhin ohne Einschränkung des Deckungsumfangs für Projekte in der Ukraine zur Verfügung. Seit der Ausweitung des russischen Angriffskrieges 2022 bis Ende 2025 wurden mehr als 50 Garantien für neue deutsche Direktinvestitionen übernommen. Das bestehende Garantievolumen für die Ukraine belief sich Ende 2025 auf 558 Millionen Euro.
Dörte Meyn (Euler Hermes), erläuterte die Exportkreditgarantien des Bundes. Sie sichern auch in der Ukraine deutsche Exportgeschäfte gegen politische und wirtschaftliche Risiken ab und können bereits während der Produktionsphase greifen. Zudem ermöglichen sie günstigere Finanzierungen und längere Zahlungsziele. Meyn verwies auf die zuletzt gestiegene Nachfrage und die besondere Bedeutung des Agrarsektors. Bei der Prüfung würden Bonität und aktuelles Kriegsgeschehen berücksichtigt.
Marion Hierl (DEG) stellte UkraineConnect vor. Das Programm bietet deutschen Unternehmen unbesicherte Darlehen von bis zu fünf Millionen Euro für Investitionen in der Ukraine mit Laufzeiten von drei bis sieben Jahren und optionalen Tilgungsfreijahren. Eine Kombination mit den Investitionsgarantien des Bundes ist möglich. Für bestimmte Kriterien werden Zinsvergünstigungen gewährt. Bis Oktober 2026 waren im Connect-Finanzierungsprogramm zwölf Projekte in der Ukraine mit insgesamt 58 Millionen Euro finanziert worden.
Olga Trofimtseva (Agrarpolitischer Dialog Ukraine) beschrieb die schwierigen Rahmenbedingungen für die ukrainische Landwirtschaft. Trotz fortgesetzter Produktion und Exporte belasteten Angriffe auf Betriebe und Infrastruktur sowie eingeschränkte Transportwege den Sektor erheblich. Höhere Logistikkosten schmälerten die Erlöse. Chancen für die Zusammenarbeit mit europäischen Unternehmen bestünden insbesondere bei der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse sowie bei pflanzlichen Proteinen und Spezialzutaten.
Helen Clarissa Schlüter (Deloitte) präsentierte vorläufige Ergebnisse einer noch unveröffentlichten Studie zur Ergänzung europäischer Wertschöpfungsketten durch ukrainische Agrarprodukte. Die Ukraine sei bereits mit Futtermitteln, Düngemitteln und Biokraftstoffen für die EU relevant. Weiteres Potenzial bestehe bei Vorprodukten für die chemische und pharmazeutische Industrie. Die Untersuchung solle Ansatzpunkte für Unternehmen und eine vertiefte Handelsintegration aufzeigen.
Thomas Otten (Otten Consulting) erläuterte steuerliche Rahmenbedingungen und Besonderheiten für Agrarbetriebe. Dazu gehörten eine flächenbezogene Pauschalbesteuerung unter bestimmten Voraussetzungen sowie ermäßigte Umsatzsteuersätze für ausgewählte Agrarerzeugnisse. Er betonte die formalen Anforderungen an Buchhaltungsbelege und die zentrale Registrierung von Umsatzsteuerscheinen. Verzögerungen bei Vorsteuererstattungen müssten insbesondere bei größeren Investitionen in der Liquiditätsplanung berücksichtigt werden.
Oliver Gierlichs (Bayer) berichtete über die Auswirkungen von russischen Angriffen auf die Logistik- und Energieinfrastruktur. Bayer sichere seine Saatgutproduktion unter anderem durch importierten Strom ab und nutze Maiskolbenreste zur Wärmeerzeugung. Trockenheit und eingeschränkte Exportmöglichkeiten belasteten die landwirtschaftlichen Betriebe zusätzlich. Er sprach sich für eine diplomatische Lösung zur Wiederaufnahme der Exporte aus Odessa aus. Dafür seien stärkerer internationaler Druck sowie das Engagement wichtiger Abnehmerländer ukrainischer Agrarprodukte, insbesondere in Afrika, notwendig. Von der ukrainischen Regierung wünschte er sich mehr Klarheit und Stabilität bei der Mobilisierung von Beschäftigten in der Landwirtschaft. Zudem appellierte er an die deutsche und europäische Politik, die bestehenden Kriegsversicherungen beizubehalten und auszubauen.
Nataliya Zinych (John Deere) betonte, dass kurzfristige Unterstützung und langfristige Modernisierung zusammengedacht werden müssten. John Deere unterstütze Betriebe mit Maschinen, Ersatzteilen, Service, Schulungen und Finanzierungsmöglichkeiten sowie über Partnerschaften zur Minenräumung. Präzisionslandwirtschaft, Digitalisierung und Automatisierung böten Zukunftsperspektiven. Sie regte ein Programm „SAPARD 2.0“ nach dem Vorbild des früheren EU-Agrarvorbeitrittsprogramms an, um Investitionen und die Vorbereitung auf eine EU-Mitgliedschaft zu unterstützen.
Für den vertieften Austausch folgten parallele Breakout-Sessions zu Finanzierung und Absicherung, Besteuerung sowie Landwirtschaft und Landtechnik. Die nächste Ausgabe der Webinarreihe wird für den 26. November zum Thema Industrie, Metallurgie & Maschinenbau / „Green Steel“ geplant.
Kateryna Kyslenko, Alexander Dundua,
Service Desk Ukraine im Ost-Ausschuss
YouTube-Link zum Webinar:
Webinar „Team Deutschland“: Landwirtschaft, Agrarindustrie & Agrar-Verarbeitung
Kateryna Kyslenko
Leiterin Service Desk Ukraine
T. +49 30 206167-129
K.Kyslenko@oa-ev.de
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