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Bulgariens Weg zum Hightech-Standort

Gruppenbild mit dem stellvertretenden Wirtschaftsminister Levent Memish in der Trakia Economic Zone. Foto: Ost-Auschuss
21.10.2026
30-köpfige Ost-Ausschuss-Delegation besucht Sofia und Plowdiw / Gespräche mit Ministerpräsident Radew und weiteren Regierungsmitgliedern

Vom 21. bis 22. Oktober besuchte eine 30-köpfige Unternehmensdelegation des Ost-Ausschusses Bulgarien. Die Leitung übernahm Christoph Beeck, Vorstand der ProCredit Bank und Sprecher des Arbeitskreises Südosteuropa im Ost-Ausschuss. Bei den Gesprächen mit Premierminister Rumen Radew und weiteren Regierungsvertretern ging es um das aktuelle Investitionsklima in Bulgarien, Reformen der Regierung und die Entwicklung von Zukunftstechnologien. Mit einem bilateralen Handelsvolumen von rund 13 Milliarden Euro im Jahr 2025 zählt Deutschland zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern Bulgariens.

Das Reiseprogramm begann mit einem Briefing zur wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Bulgariens, durch die deutsche Botschafterin in Sofia Irena Maria Plank, die Leiterin der Wirtschaftsabteilung der Botschaft Sonja Riemer sowie Spitzenvertreter der AHK Bulgarien. Anschließend empfing der seit Mai 2026 amtierende Ministerpräsident Rumen Radew die Delegation und lobte dabei die große Bedeutung deutscher Investitionen für die industrielle Entwicklung seines Landes. Deutschland sei ein zentraler Wirtschaftspartner, dessen Unternehmen zur Modernisierung des Landes und zum Transfer erfolgreicher Geschäftsmodelle beitrügen. Als Standortvorteile hob Radew die strategische Lage Bulgariens an wichtigen Energie-, Verkehrs- und Digitalkorridoren sowie die Rolle des Landes für die Energiesicherheit Südosteuropas hervor. Zudem wies Radew auf die Fortschritte Bulgariens in den Bereichen Robotik, Mechatronik, Elektronik und Informationstechnologie hin. Die Regierung arbeite am Abbau administrativer Hürden und an neuen Modellen öffentlich-privater Partnerschaften, um Infrastrukturprojekte zu beschleunigen.

Exkursion nach Plowdiw

Am folgenden Tag besuchte die Delegation die Trakia Economic Zone in der Nähe von Plowdiw, der zweitgrößten Stadt des Landes, und hatte dabei Gelegenheit, sich mit dem stellvertretenden Wirtschaftsminister Levent Memish über die wirtschaftspolitischen Prioritäten der Regierung auszutauschen. Ziel sei die Ansiedlung von Investitionen mit hoher Wertschöpfung und technologischer Intensität unter anderem in den Sektoren Verteidigungsindustrie, Mikroelektronik oder die Automobilindustrie als strategische Zukunftsbranchen. Zudem stellte er Maßnahmen zum Bürokratieabbau und zur Verbesserung der Koordination staatlicher Stellen bei Investitionsvorhaben vor.

Unternehmensbesuch bei Liebherr

Der folgende Termin führte die Delegation zu Liebherr Hausgeräte Maritsa, wo sie vom Standortleiter Gerhard Diewald und weiteren Mitarbeitern empfangen wurde. Liebherr hat sich früh für den Standort Bulgarien und die Nähe zu Plowdiw entschieden. Das Unternehmen ist Teil der Trakia Economic Zone. Das erste und bekannteste Werk von Liebherr im Raum Plowdiw wurde im Jahr 2000 eröffnet. Dabei handelte es sich um einen Produktionsstandort für Hausgeräte (Kühl- und Gefriergeräte) in Radinowo in der Gemeinde Marica, die direkt an Plowdiw grenzt.

Zurück in Sofia traf die Delegation Innovations- und Digitalisierungsminister Ivan Vasilew. Dieser stellte die technologische Modernisierung Bulgariens als eine der zentralen Prioritäten der Regierung dar. Ziel sei es, Verwaltungsleistungen für Bürger und Unternehmen schneller, einfacher und digital zugänglich zu machen. Dabei komme der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft eine Schlüsselrolle zu.

Vasilew wies auf den guten Ausbildungsstand der bulgarischen Fachkräfte hin und erwähnte bestehende sowie geplante Anreize für die Ansiedlung technologieorientierter Unternehmen. Die Regierung verfolgt das Ziel, Bulgarien bis 2030 zu einem der attraktivsten Standorte Europas für Hightech-Unternehmen zu machen. Zu diesem Zweck wurde unter anderem ein Rat für Innovation und technologische Entwicklung eingerichtet und der Sofia Tech Park ausgebaut, in dem mit dem Institut für Künstliche Intelligenz INSAIT, dem nationalen MINT-Zentrum und dem Supercomputer Discoverer wichtige Innovationsinfrastrukturen gebündelt werden.

Im Austausch mit der Delegation standen außerdem Themen wie Künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Cybersicherheit, innovative Technologien sowie Investitions- und Kooperationsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Positiv aufgenommen wurde auch die Einführung der digitalen Kontrollplattform SIGMA für öffentliche Vergabeverfahren.

Zum Abschluss der ereignisreichen zwei Tage konnten sich die Delegationsmitglieder beim gemeinsamen Abendessen mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern des AHK-Vorstands über die gewonnenen Eindrücke austauschen und neue Kontakte knüpfen.

Bulgarien treibt seine wirtschaftliche Transformation hin zu einer innovations- und technologiegetriebenen Industrie aktiv voran. Deutsche Unternehmen werden dabei als wichtige Partner betrachtet. Besonders in den Bereichen Hochtechnologie, Digitalisierung, Energie, Infrastruktur und industrielle Produktion bestehen erhebliche Potenziale für eine Vertiefung der deutsch-bulgarischen Wirtschaftsbeziehungen.

Anja Quiring, 
Regionaldirektorin für Südosteuropa im Ost-Ausschuss

Kontakt

Anja Quiring
Regionaldirektorin Südosteuropa
T. +49 30 206167-130
A.Quiring@oa-ev.de

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