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Die wichtigsten Ergebnisse der Ukraine Recovery Conference

Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zwischen dem Verband ukrainischer Unternehmer (Kateryna Glazkova) und dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (Michael Harms). Foto Ost-Ausschuss
25.06.2026
Ukraine Recovery Conference in Danzig mit mehr als 5.000 Beteiligten/ Der Ost-Ausschuss beteiligte sich an Side-Events und unterschrieb ein MoU mit dem ukrainischen Unternehmerverband

Die Ukraine Recovery Conference (URC) 2026, die am 25. und 26. Juni in Danzig stattfand, brachte Regierungen, Organisationen, Investoren, Unternehmen und Innovatoren aus mehr als 20 Ländern zusammen. Neben dem offiziellen Programm leisteten hochrangige Side Events, in denen sich auch der Ost-Ausschuss engagierte, einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und des Investitionsdialogs. In diesem Jahr reisten mehr als 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Danzig. Acht deutsche Unternehmen erhielten die Gelegenheit, sich im offiziellen Konferenzprogramm mit Ständen vorzustellen.

Die Ukraine Recovery Conference (URC) in Danzig bestätigte das langfristige Engagement der internationalen Gemeinschaft für den Wiederaufbau der Ukraine durch umfangreiche Finanzzusagen, Investitionsinstrumente und Reforminitiativen. Zudem wurden neue Finanzierungen für Wohnungsbau, Straßeninfrastruktur, Energieprojekte und die Verteidigungsindustrie vereinbart. Im Mittelpunkt der URC standen die Mobilisierung privater Investitionen sowie die engere Verknüpfung von Wiederaufbau, Sicherheit und EU-Integration. Erstmals wurde zudem die Dimension Sicherheit und Verteidigung ausdrücklich in die Konferenzagenda aufgenommen.

Als wichtigstes Ergebnis wurden nach Angaben der Veranstalter rund 160 Vereinbarungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als zehn Milliarden Euro abgeschlossen. Dazu gehören die erste Auszahlung von 3,2 Milliarden Euro aus einem neuen EU-Finanzinstrument für die Ukraine, ein 3,4-Milliarden-Dollar-Abkommen mit der Weltbank zur Unterstützung des Staatshaushalts sowie die Einrichtung des „European Flagship Fund for the Reconstruction of Ukraine“.

Unter anderem wurden 1,1 Milliarden Euro für Investitionsabkommen, 478 Millionen Euro für den Wiederaufbau kommunaler Infrastruktur sowie 500 Millionen Euro an neuen Krediten für ukrainische kleine und mittlere Unternehmen angekündigt. Zu den vereinbarten Maßnahmen gehört auch die Stärkung der Korruptionsbekämpfung durch die EU, Deutschland und internationale Partner, die stärkere Integration ukrainischer Unternehmen in den EU Binnenmarkt, Programme zur Modernisierung staatlicher Unternehmen, zusätzliche Finanzierungen von über 500 Millionen Euro durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBRD sowie Initiativen zum Schutz des kulturellen Erbes und zur Unterstützung von zerstörtem Wohnraum.

Side-Events mit Ost-Ausschuss-Beteiligung

Im Vorfeld der Konferenz veranstaltete das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie am 24. Juni in Zusammenarbeit mit der DIHK und Unterstützung des Ost-Auschusses, AHK Ukraine und der GIZ das Side Event „Promoting Ukraine's Economic Recovery: Financing, Risk, and Real Returns “. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Förderung einer transparenten öffentlichen Auftragsvergabe, konkrete Beispiele aus der Praxis für die wirtschaftliche Resilienz der Ukraine, die Weiterentwicklung nachhaltiger Investitionsinstrumente sowie die Erleichterung der trilateralen Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Polen und der Ukraine. Der Ost-Ausschuss beteiligte sich an der Gestaltung der Agenda, der Einbindung relevanter Akteure sowie der fachlichen Ausrichtung. Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms moderierte eine Runde zum Thema „Public Procurement in Ukraine – challenges, risks and potential“, an der auch die Mitgliedsunternehmen Hitachi Rail GTS Germany und Siemens teilnahmen. Im Rahmen des abschließenden Networkings konnten sich zudem ukrainische Unternehmen mit europäischen Partnern vernetzen.

High Round Table „Agriculture Reimagined“

Am 25. Juni fand im Holiday Inn Danzig der High Round Table „Agriculture Reimagined. Ukraine’s Processing Shift into Europe’s Supply Chain“ statt, organisiert von der Ukraine Facility Platform, dem Ost-Ausschuss und der German Agribusiness Alliance. Co-Moderator war der Geschäftsführer der German Agribusiness Alliance GAA, Per Brodersen. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die Rolle der Ukraine in europäischen Wertschöpfungsketten, Investitionspotenziale in Bereichen wie Pflanzenproteine, Hanf, Flachs und Lysin sowie EU Standards und Zertifizierungsanforderungen.

Der Ost-Ausschuss beteiligte sich aktiv an der Mitgestaltung der Agenda und führte einen intensiven fachlichen Austausch mit deutschen und EU Stakeholdern. Die zentrale Botschaft der Diskussion war, dass die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und der EU nicht im Ausbau von Rohstoffexporten liegt, sondern in der Entwicklung von Verarbeitungsindustrien zur Schließung europäischer Versorgungslücken. Im Fokus steht die Tiefenverarbeitung von proteinreichen und technischen Kulturen wie Soja, Hanf und Flachs, bei denen die EU stark importabhängig ist, während die Ukraine über erhebliches Potenzial verfügt. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der stark wachsenden Nachfrage, etwa nach alternativen Proteinen, deren Marktvolumen bis 2040 auf über 50 Milliarden Euro geschätzt wird.

Europäische Unternehmen erkennen diese komplementären Potenziale, doch Investitionen bleiben begrenzt. Als zentrale Hemmnisse gelten das Fehlen langfristiger Abnahmeverträge, regulatorische Hürden sowie die mangelnde Synchronisierung von Produktion und Verarbeitung. Ohne gesicherte Absatzmärkte investieren Verarbeiter nicht, während Landwirte ihre Produktion ohne verlässliche Abnehmer nicht umstellen. Zusätzlich verzögern langwierige Genehmigungsverfahren in der EU und die laufende Angleichung an EU-Standards in der Ukraine Projekte weiter.


Der Krieg wird zwar als Risikofaktor wahrgenommen, gilt jedoch nicht als entscheidendes Hindernis. Die größte Herausforderung bleibt die fehlende Verknüpfung entlang der Wertschöpfungskette. Insgesamt wurde deutlich, dass diese Barrieren nur durch ein koordiniertes Vorgehen überwunden werden können. Nachhaltige Lösungen erfordern gemeinsame Schritte der Ukraine und der EU, insbesondere durch langfristige Partnerschaften, abgestimmte regulatorische Rahmenbedingungen und den parallelen Aufbau von Produktion, Verarbeitung und Absatz.

U Nation Conference

Als Side-Event der URC fand zudem eine Konferenz der ukrainischen Plattform U-Nation statt. Die Plattform fördert die Gründung ukrainischer Start-ups, entwickelt ein digitales Ökosystem in der Ukraine, fördert den internationalen Erfahrungsaustausch und bemüht sich darum, ukrainische Produkte auf den Weltmarkt zu bringen. Kateryna Kyslenko vom Service Desk Ukraine des Ost-Ausschusses brachte hier ihre Expertise in zentrale Diskussionen zur Vertiefung der deutsch ukrainischen Zusammenarbeit, zur Verbesserung des Investitionsumfelds sowie zur Beschleunigung des Wiederaufbaus durch Public Private Partnerschaften ein. Dabei wurden wesentliche Herausforderungen bei der Mobilisierung privaten Kapitals und der Umsetzung grenzüberschreitender Projekte aufgezeigt – insbesondere im Hinblick auf notwendige Reformen zur Förderung von Investitionen im Produktionssektor der Ukraine.

Memorandum of Understanding — Stärkung der institutionellen Rolle

Anlässlich der URC 2026 unterzeichnete der Ost-Ausschuss ein Memorandum of Understanding mit dem Verband ukrainischer Unternehmer (SUP). Derzeit vereint der Verband etwas mehr als 1.300 Mitgliedsunternehmen aus verschiedenen Regionen der Ukraine. Das Abkommen bezieht sich auf die Förderung bilaterale Partnerschaften, Handel und Investitionen, die Einbindung des Privatsektors in den Wiederaufbau sowie gemeinsame Initiativen und Wissensaustausch. Damit wird die Rolle des Service Desk Ukraine als zentrale Brücke zwischen der ukrainischen und der deutschen Wirtschaft weiter gestärkt.

Kateryna Kyslenko
Leiterin Service Desk Ukraine
 

Kontakt

Kateryna Kyslenko
Leiterin Service Desk Ukraine
T. +49 30 206167-129
K.Kyslenko@oa-ev.de
 

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