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Kraftstoffe vom Acker

Am 24. Juni informierten sich Unternehmensvertreterinnen und -vertreter über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Bioenergie bei einem Werksbesuch bei Verbio. Foto: Christian Himmighoffen
24.06.2026
Unternehmensplattform Grüne Transformation besuchte Bioraffinerie von Verbio in Schwedt

Am 24. Juni informierten sich Unternehmensvertreterinnen und -vertreter bei einem Werksbesuch bei Verbio in Schwedt an der Oder über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Bioenergie. Der Ortstermin bei dem Ost-Ausschuss-Mitglied wurde von der Unternehmensplattform Grüne Transformation im Ost-Ausschuss organisiert.

Fossile und grüne Kraftstofferzeugung sind Nachbarn

In Schwedt sind fossile und grüne Kraftstofferzeugung Nachbarn. Die seit 2004 in Betrieb befindliche Bioraffinerie von Verbio ist Untermieter auf dem Gelände der PCK-Raffinerie, die Berlin, Brandenburg und Teile Polens mit fossilen Kraftstoffen versorgt. Bei der Werksvorstellung, der Führung über das Gelände und den anschließenden Fachgesprächen wurde deutlich: Biomasse ist kein Randthema der Energiewende, sondern kann ein zentraler Baustein überall dort sein, wo Strom an seine Grenzen stößt und Moleküle benötigt werden – im Schwerlastverkehr, in Raffinerie- und Industrieprozessen, in der Landwirtschaft und zunehmend auch in der grünen Chemie.

Verbio verarbeitet dazu Rohstoffe aus der Region im Umkreis von rund 200 Kilometern. „Wir sind ein Entsorgungsunternehmen für Agrarrohstoffe”, sagte Claus Sauter, CEO der Verbio SE. „Biomasse ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende.“ Was auf den Feldern anfällt, wird in Schwedt zu nachhaltigen Energieträgern und Produkten weiterverarbeitet. Dabei ist die Effizienz des Kreislaufs beeindruckend: Rund 99 Prozent der eingesetzten Biomasse gehen wieder als Produkt heraus. Mit einer Energieproduktion von rund 100 Megawatt zählt Schwedt zu den größten Anlagen dieser Art in Europa. Neben erneuerbaren Kraftstoffen entstehen hier auch Komponenten für die grüne Chemie.

Nutzung von Biomasse politisch umstritten

In den Gesprächen mit Claus Sauter und Carsten Weber, den Geschäftsführern von Verbio Logistik, wurde jedoch auch deutlich, dass die Potenziale von Biomasse, Biomethan und biogenem Wasserstoff politisch noch nicht ausreichend anerkannt werden – vor allem wegen der möglichen Flächenkonkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion. Während der politische Fokus daher auf Elektromobilität und Wasserstoff liegt, fehlt etwa für Wasserstoff aus Biomethan bislang ein funktionierender Markt – auch wegen fehlender politischer Unterstützung. Gleichzeitig ist fossiles Erdgas weiterhin günstiger als Biomethan, obwohl Letzteres beim Kohlendioxidausstoß signifikante Vorteile bietet.

Gerade im Schwerlastverkehr zeigt Verbio, was bereits heute möglich ist: Das Unternehmen betreibt eine eigene Flotte mit Bio-LNG und profitiert so von den höheren Preisen für fossile Kraftstoffe. Die notwendige Infrastruktur, wie etwa LNG-Tankstellen und ein Fuhrpark, wurde dabei ohne staatliche Förderung aufgebaut. Höhere Investitionen rechnen sich schnell, wenn regulatorische Rahmenbedingungen Technologieoffenheit zulassen. 145 Fahrzeuge sind bereits im Einsatz und mit Bio-LNG lässt sich heute von Portugal bis Norwegen durchfahren.

Der Besuch zeigte eindrucksvoll: Die grüne Transformation ist keine abstrakte Idee mehr, sondern in Anlagen, Wertschöpfungsketten und unternehmerischen Entscheidungen längst Realität. Biomasse, Biomethan und Bio-LNG können einen Beitrag zur Emissionsreduzierung im Verkehr leisten, die Klimabilanz bei schwer elektrifizierbaren Anwendungen verbessern und zugleich die industrielle Resilienz stärken, indem heimische Rohstoffe in der Produktion genutzt werden.

Christian Himmighoffen
Leiter Presse und Kommunikation

Kontakt

Jens Böhlmann
Direktor Mittelstand | Grüne Transformation
T. +49 30 206167-127
J.Boehlmann@oa-ev.de

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