Direkt zum Inhalt

Konjunkturimpulse aus dem Osten

Bundeswirtschaftsministerin Reiche stellte in ihrer Rede die enge Verflechtung von Wirtschafts- und Geopolitik in den Mittelpunkt. Foto: Christian Kruppa
13.01.2026
Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft eröffnet das Jahr 2026/ Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beim traditionellen Neujahrsempfang

Rund 300 geladene Gäste aus Wirtschaft, Politik und Diplomatie folgten am 13. Januar durch Eis und Schnee der Einladung des Ost-Ausschusses zu seinem traditionellen Neujahrsempfang. Den politischen Akzent in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt setzten Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Bernhard Kotsch. Das Piano-Cello-Duo Ron & Nina Gohde, die mit ihren Auftritten in Parks und Plätzen Berlins zum Stadtgespräch geworden sind, sorgte für die musikalische Umrahmung.

Die Französische Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von der Berliner Hugenottengemeinde errichtet. Diese französischen Glaubensflüchtlinge trugen als Handwerker, Kaufleute und Gelehrte zu einem spürbaren wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung ihrer Aufnahmeländer bei - gerade auch in Berlin und Brandenburg-Preußen. In der historischen Kulisse der über 300 Jahre alten Kirche blickten die Rednerinnen und Redner nicht nur auf das vergangene Jahr zurück, sondern vor allem auf die aktuellen Entwicklungen in den Partnerregionen des Ost-Ausschusses und die Herausforderungen 2026.

Claas: „Pioniergeist ist heute mindestens so wichtig wie damals“

Die Ost-Ausschuss-Vorsitzende Cathrina Claas-Mühlhäuser schlug in ihrer Rede einen Bogen aus der Kirchengeschichte in die Gegenwart. Die Hugenotten mit ihrem Pioniergeist seien ein Beispiel für die gelungene - wenn auch schon damals nicht konfliktfreie - Integration von ausländischen Fachkräften. „Gegen alle Widrigkeiten kann man sich in schwierigsten Zeiten etwas Neues aufbauen“, betonte Claas-Mühlhäuser. „Dieser Pioniergeist ist heute mindestens so wichtig wie damals.“

Obwohl 2025 kein einfaches Jahr gewesen sei, habe die deutsche Wirtschaft in Mittel  und Osteuropa sowie Zentralasien Exportzuwächse erzielt. Allein in den ersten elf Monaten 2025 habe der deutsche Außenhandel mit der Region die Marke von einer halben Billion Euro überschritten. Sie würdigte den Mut deutscher Unternehmen, die sich in der Ukraine engagierten. „Die Ukraine zeigt: Wir müssen und wir können auch in schwierigen Zeiten Chancen aktiv ergreifen und uns vielversprechende Märkte erschließen.“, sagte Claas-Mühlhäuser. Der Ost Ausschuss werde Unternehmen auch 2026 tatkräftig bei deren Engagements zwischen Prag und Almaty unterstützen. Steigenden Mitgliederzahlen zeigten das wachsende Interesse an der Region.

Mehr Flexibilität bei der EU Erweiterung

Auf die 29 Länder Mittel  und Osteuropas sowie Zentralasiens entfiele rund ein Fünftel des deutschen Außenhandels und über 166 Milliarden Euro deutscher Direktinvestitionen. Die EU Länder in Mittel  und Südosteuropa seien dynamische und verlässliche Partner. Polen habe 2025 seine Rolle als viertgrößter Absatzmarkt Deutschlands weiter ausgebaut. Ähnliche Erfolgsgeschichten hätten seit den EU-Erweiterungen 2004 auch Tschechien, Ungarn, die Slowakei, die baltischen Staaten und die EU-Mitglieder Südosteuropas geschrieben. Vor diesem Hintergrund warb Claas-Mühlhäuser für die Erweiterung und Vertiefung des Binnenmarkts. „Der weitere Abbau von Hürden im europäischen Binnenmarkt und mehr Flexibilität bei der EU-Erweiterung um die Länder des Westlichen Balkans, die Ukraine und Moldau wären ein gigantisches Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft.“

Mit Blick auf Zentralasien hob Claas Mühlhäuser dessen wachsende Bedeutung für Energie  und Rohstoffsicherheit, Absatzmärkte und Fachkräftegewinnung hervor. Der Normalisierungsprozess zwischen Armenien und Aserbaidschan verbessere auch das wirtschaftliche Umfeld im Südlichen Kaukasus und stärke den Mittleren Korridor als Transportroute. Jetzt gelte es, die gestartete europäische Initiative für die Region entschlossen umzusetzen: „Wir müssen Global Gateway zu einer europäischen Überholspur machen, bevor uns Wettbewerber zuvorkommen“, sagte Claas-Mühlhäuser. Mit der Forderung nach einer reformstarken, durchsetzungsfähigen Bundesregierung „mit Blick auch für den Osten“ übergab sie an Bundeswirtschaftsministerin Reiche.

Reiche: „Neue Partner auf der ganzen Welt finden und bestehende Beziehungen vertiefen“

Reiche stellte in ihrer Rede die enge Verflechtung von Wirtschafts- und Geopolitik in den Mittelpunkt. Sie erinnerte an die Krisen zu Jahresbeginn – von Venezuela über den Iran bis zu den anhaltenden Angriffen auf die Ukraine – und machte deutlich, dass die EU sich auch 2026 in einem instabilen Umfeld bewege. „Unser Wohlstand und unsere Wirtschaft hängen davon ab, wie schnell wir uns an diese Gegebenheiten anpassen“, betonte die Ministerin. Wachstum sei nur möglich, wenn Deutschland neue Partner auf der ganzen Welt finde und bestehende Beziehungen vertiefe. Mittel- und Osteuropa spiele dabei eine besondere Rolle. Sie dankte dem Ost-Ausschuss für seine Arbeit in der Region. Die Außenwirtschaftsinstrumente der Bundesregierung sollten nicht nur Partnerschaften stärken, sondern auch dazu beitragen, Deutschland selbst widerstandsfähiger und zukunftsfähiger zu machen.

Einen besonderen Schwerpunkt legte Reiche auf die Ukraine, die „mehr als Solidarität verdiene“ – nämlich konkrete Schritte zur Integration in den Binnenmarkt, Unterstützung beim Wiederaufbau und im Abwehrkampf. „Die Ukraine verteidigt zentrale europäische Werte“, sagte die Ministerin, die Ende Oktober 2025 Kyjiw besucht hatte. Sie hob die beeindruckende Widerstandsfähigkeit des Landes hervor und verwies auf die Innovationskraft der ukrainischen Verteidigungsindustrie, von der auch deutsche Unternehmen profitieren könnten. Das neue Förderprogramm UkraineConnect für mittelständische Unternehmen und die Unterstützung des Energiesektors in Richtung eines modernen dezentralen Energiesystems nannte sie als konkrete Beispiele für das Engagement der Bundesregierung.

Chancen einer erweiterten europäischen Integration

Ausführlich ging die Ministerin auf die Partnerländer des Ost-Ausschusses ein. Sie unterstrich dabei die Chancen einer erweiterten europäischen Integration der Westbalkanstaaten, Moldaus und der Ukraine und betonte, dass die EU-Kommission die Beitrittsgespräche mit Montenegro schon Ende 2026 und mit Albanien Ende 2027 abschließen wolle. Wie die Ost-Ausschuss-Vorsitzende sprach sich Reiche für einen flexiblen europäischen Integrationsprozess aus, wie zuletzt mit dem Beitritt der der Westbalkan-Länder zum europäischen Zahlungsverkehrsraum SEPA. „Wir haben von der EU-Erweiterung massiv profitiert“, erinnerte sie mit Blick auf die wirtschaftliche Dynamik in Polen und anderen Ländern Mittel- und Südosteuropas. Die EU-Erweiterung habe gezeigt, was wirtschaftliche Öffnung und Integration bewegen könnten. Ausführlich ging Reiche auch auf die Zusammenarbeit mit Zentralasien und den Ländern des Südlichen Kaukasus ein. Armenien suche einen Neustart in der Zusammenarbeit mit der EU, Aserbaidschan sei ein wichtiger Partner bei der europäischen Gasversorgung. Zentralasien biete als zentrales Bindeglied zwischen Europa und Asien Rohstoffe, Energie, Landwirtschaft, und Fachkräfte.

Wachsende Bedeutung wirtschaftsorientierter Diplomatie

Im anschließenden Fireside-Chat mit Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms betonte Staatssekretär Bernhard Kotsch vom Auswärtigen Amt die wachsende Bedeutung wirtschaftsorientierter Diplomatie. Ein Schwerpunkt legte Kotsch auf den Westbalkan, auch mit Blick auf die jüngste Reise von Außenminister Johann Wadephul in die Region. Die Länder hätten Fortschritte erzielt, doch es bestehe weiterhin Nachbesserungsbedarf, um den Annäherungsprozess erfolgreich abzuschließen. Mit Blick auf Zentralasien unterstrich Kotsch die hohen Erwartungen an die Region – sowohl aus strategischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen –, und wies auf das geplante Außenministertreffen im Z5+1-Format im Februar in Berlin hin. Gleichzeitig forderte er mehr Selbstbewusstsein in Europa und warb für eine konsequente Fortsetzung der Integration. Alle Elemente für eine erfolgreiche EU seien da, der EU-Binnenhandel entwickle sich gut. „Wir müssen weitergehen mit der europäischen Einigung“, sagte Kotsch.

Im Anschluss setzten die zahlreichen Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Medien und Politik, darunter Botschafterinnen, Botschafter und Wirtschaftsattachés aus rund 20 Ländern, bei Speisen, Getränken und Live-Musik den regen Austausch über die Herausforderungen und Chancen in Mittel- und Osteuropa und Zentralasien fort. Im Rahmen des Neujahrsempfangs wurden auch die neuen Jahressponsoren des Ost-Ausschusses vorgestellt. Insgesamt sind es 15 Unternehmen in den Kategorien Platin, Gold und Silber, die mit ihren zusätzlichen Beiträgen solche Veranstaltungen ermöglichen. Die sieben neuen Platinsponsoren des Ost-Ausschusses - aka-Bank, ProCredit-Bank, Raiffeisen Bank International, Rödl, telc, Turkish Airlines und Würth - hatten dabei erstmals die Gelegenheit sich mit Ständen zu präsentieren.

Christian Himmighoffen
Leiter Presse und Kommunikation

 

 

Wir danken unseren Jahressponsoren 2026

Image

Christian Himmighoffen
Leiter Presse und Kommunikation
T. +49 30 206167-122
C.Himmighoffen@oa-ev.de

Diese Seite teilen: