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Licht und Schatten bei Ausschreibungen in der Ukraine

Deutsche Botschaft in Kyjiw. Foto: A. Metz
06.03.2026
Viele deutsche Unternehmen sind in der Ukraine erfolgreich / Sie üben aber auch Kritik an den Verfahren.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft hat im Februar gemeinsam mit der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer (AHK Ukraine) deutsche Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit öffentlichen Ausschreibungen in der Ukraine befragt. Von 39 Unternehmen war immerhin fast jedes zweite bereits einmal bei einer Ausschreibung erfolgreich. Kritik gab es an der starken Fokussierung auf den niedrigsten Preis, dem bürokratischen Aufwand, fehlender Transparenz und der Kurzfristigkeit vieler Ausschreibungen. Groß ist das Interesse an Delegationsreisen in die Ukraine.

Laut der Umfrage gaben 39 Unternehmen an, sich bereits an öffentlichen Ausschreibungen beteiligt zu haben und konnten diesbezüglich über ihre Erfahrungen berichten:18 Unternehmen (47 Prozent) waren bei Ausschreibungen mindestens einmal erfolgreich. Die übrigen 22 Unternehmen (53 Prozent) gingen bislang leer aus, wobei von diesen wiederum mehr als die Hälfte (11 Unternehmen) der Ansicht sind, trotz eigentlich überzeugender Angebote nicht den Zuschlag erhalten zu haben. Die Ergebnisse zeigen, dass deutsche Unternehmen grundsätzlich Chancen im ukrainischen Ausschreibungssystem haben, dabei jedoch weiterhin mit strukturellen Hürden und Unsicherheiten konfrontiert sind.

Strukturelle Herausforderungen

In den Rückmeldungen der Unternehmen wurden eine Reihe wiederkehrender Herausforderungen genannt, die den Zugang zum ukrainischen Markt erschweren. Besonders häufig kritisiert wurde die starke Fokussierung auf den niedrigsten Preis als ausschlaggebendem Faktor (73 Prozent der beteiligten Unternehmen), was qualitativ hochwertige oder technologisch anspruchsvolle Angebote benachteiligt und eher Anbietern aus China oder der Türkei entgegenkommt. Dies sind ausgerechnet Länder, die keine Sanktionen gegen Russland eingeführt haben und die Ukraine auch finanziell nicht unterstützen.
72 Prozent der Unternehmen kritisierten, dass die Ausschreibungsunterlagen zu umfangreich, komplex oder schwer nachvollziehbar seien. 45 Prozent und damit fast jedes zweite Unternehmen bemängelte die ungewöhnlich kurzen Fristen für die Einreichung von Angeboten, die insbesondere für internationale Teilnehmer eine erhebliche Hürde darstellen. Hinzu kommen Defizite bei der Transparenz (20 Prozent), lange Entscheidungswege sowie ein hoher administrativer Aufwand (20 Prozent), der den Prozess zusätzlich erschwert.

Die teilnehmenden Unternehmen formulierten zudem konkrete Empfehlungen, wie das ukrainische Vergabewesen weiter verbessert werden kann. Besonders zentral ist für sie eine stärkere Gewichtung von Qualitäts- und Leistungsaspekten neben dem Preis, um fairen und nachhaltigen Wettbewerb zu ermöglichen. Darüber hinaus wird eine konsequentere Anwendung europäischer Standards, einschließlich klarer Beschwerdemechanismen, erwartet.

Viele Firmen wünschen sich außerdem persönliche Ansprechpartner, die Transparenz im Verfahren schaffen und die Kommunikation erleichtern. Ebenso wurden eine marktkonforme Preisgestaltung, mehr Offenheit bei Vergabeentscheidungen sowie ein umfassenderes Feedback für nicht erfolgreiche Bieter als essenziell hervorgehoben. Auch der Einsatz moderner digitaler Werkzeuge, längere Bearbeitungsfristen und eine Vereinfachung der Dokumentation werden als wichtige Schritte bewertet, um den Zugang zu Ausschreibungen zu erleichtern.

Interesse an Delegationsreisen

Trotz der weiterhin schwierigen Sicherheitslage und struktureller Herausforderungen besteht weiterhin ein konkretes Interesse deutscher Unternehmen in die Ukraine zu reisen. Im Rahmen der Umfrage wünschten sich 22 Unternehmen eine Beteiligung an Delegationsreisen, wobei hier vor allem die Hauptstadt Kyjiw genannt wurde.

Gemeinsam mit der AHK Ukraine und weiteren Partnern engagiert sich der Ost-Ausschuss dafür, neue wirtschaftliche Möglichkeiten zu eröffnen, die Modernisierung des ukrainischen Beschaffungssystems zu unterstützen und die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit weiter auszubauen. Dazu gibt es zahlreiche Konferenzen, Fach-Webinare und regelmäßige Abstimmungsrunden mit der Bundesregierung. Der Arbeitskreis Ukraine im Ost-Ausschuss gewährleistet die dauerhafte Vernetzung aller an der Ukraine interessierten Unternehmen. Als erste Anlaufstelle für Unternehmen steht der Service Desk Ukraine im Ost-Ausschuss jederzeit zur Verfügung.

Alena Akulich, Regionaldirektorin für Osteuropa 
Kateryna Kyslenko, Leiterin des Service Desk Ukraine
 

Kontakt

Alena Akulich
Regionaldirektorin Osteuropa
T. +49 30 206167-113
A.Akulich@oa-ev.de

Kateryna Kyslenko
Leiterin Service Desk Ukraine
T. +49 30 206167-129
K.Kyslenko@oa-ev.de

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