Vom 17. bis 19. Mai 2026 organisierte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft eine hochrangige Delegationsreise nach Usbekistan. Mit mehr als 90 Vertreterinnen und Vertretern deutscher Unternehmen gehörte die Delegation zu den größten Wirtschaftsmissionen der vergangenen Jahre und unterstrich das hohe Interesse der deutschen Wirtschaft am usbekischen Markt.
Ein Höhepunkt der Reise war die 10. Sitzung des Deutsch-Usbekischen Wirtschaftsrates (DUWIRAT) in Taschkent. Diese wurde gemeinsam vom usbekischen Premierminister Abdulla Aripov und Uwe Knotzer, Geschäftsführender Gesellschafter der Knauf-Gruppe, geleitet. Im Mittelpunkt standen Investitionsprojekte deutscher Unternehmen und deren Umsetzung in Usbekistan. Ein besonderes Zeichen setzte dabei Volkswagen. Das Unternehmen kündigte an, die Präsenz auf dem usbekischen Markt deutlich auszubauen. Nachdem Volkswagen bereits 2025 eine strategische Kooperation mit Uzavtosanoat zur Fahrzeugmontage in Usbekistan angekündigt hatte, konkretisieren sich die Pläne nun weiter in Richtung lokaler Produktion mit wachsender Lokalisierungstiefe und langfristiger regionaler Perspektive.
Das starke Interesse des Automobilsektors spiegelte sich auch in der Zusammensetzung der Delegation wider: Rund zehn Unternehmen aus dem Bereich Automobilindustrie und Zulieferwirtschaft nahmen mit Unterstützung von Mangold Consulting an der Reise teil. Neben dem Automobilsektor zeigten aber auch Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter, Haushaltschemie, Schuhhandel sowie Sportartikel konkretes Interesse an einem verstärkten Engagement im usbekischen Markt.
Viele Projektanliegen wurden in den German Investment Navigator (GIN) aufgenommen. Dieses Instrument dient zur strukturierten Begleitung deutscher Investitionsprojekte im Land und wird in enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Investitionen, Industrie und Handel der Republik Usbekistan realisiert. Ziel ist es, Projektfortschritte transparent nachzuverfolgen, regulatorische oder administrative Hürden frühzeitig zu identifizieren und gemeinsam mit den zuständigen usbekischen Stellen Lösungsansätze zu entwickeln.
Der Deutsch-Usbekische-Wirtschaftsrat hat sich in den vergangenen Jahren als zentrales bilaterales Format für den strategischen Austausch zwischen deutscher und usbekischer Wirtschaft etabliert. Als hochrangige Plattform bietet der DUWIRAT deutschen Unternehmen die Möglichkeit, Investitionsvorhaben unmittelbar an die usbekische Regierung zu adressieren. Die Vorbereitung und Durchführung der Jubiläumssitzung erfolgte in enger Zusammenarbeit des Ost-Ausschusses mit dem Büro der Deutsch-Usbekischen Wirtschaftskooperation sowie der Botschaft der Republik Usbekistan in Deutschland.
Ein weiterer wichtiger Programmpunkt der Delegationsreise war die Teilnahme am Tag der Deutschen Wirtschaft in Usbekistan. Die Veranstaltung war ein gelungenes Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen dem Ost-Ausschuss und der Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien. Einer der zentralen Schwerpunkte lag auf dem Thema Fachkräftesicherung und der beruflichen Bildung. Das Thema ist für beide Länder von besonderer Relevanz, weil im geburtenstarken Usbekistan Jobs fehlen, während in Deutschland gleichzeitig in einigen Branchen Arbeitskräftemangel herrscht. Im Rahmen der hochrangig besetzten Diskussionsrunde, die Ost-Ausschuss-Regionaldirektor Vladimir Nikitenko moderierte, wurden Perspektiven für den Ausbau dualer Ausbildungsmodelle, die engere Verzahnung von Wirtschaft und Bildungseinrichtungen sowie die Qualifizierung junger Fachkräfte nach international anerkannten Standards erörtert. Dabei wurde deutlich, dass Usbekistan derzeit erhebliche Schritte zur Modernisierung seines Berufsbildungssystems unternimmt.
Derzeit entscheiden sich rund 34 Prozent der usbekischen Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach der neunten Klasse für eine berufliche Ausbildung; bis 2030 soll dieser Anteil auf 50 Prozent steigen. Ab dem 1. September 2026 werden Studierende an Colleges erstmals staatliche Stipendien erhalten, ein bedeutender Schritt zur Attraktivitätssteigerung der beruflichen Bildung. Zusätzlich sollen Unternehmen, die Ausbildungsplätze bereitstellen, von staatlichen Anreizen profitieren, darunter regulatorische Vergünstigungen sowie eine positive Berücksichtigung in staatlichen Bewertungssystemen.
Deutsche Industrieunternehmen wie Papenburg, Knauf und Deutsche Bahn engagieren sich bereits mit eigenen Initiativen im Bereich der Aus- und Weiterbildung. Dabei geht es sowohl um die Qualifizierung von Fachkräften für den wachsenden usbekischen Markt als auch um Modelle, die perspektivisch zur Fachkräftesicherung des deutschen Arbeitsmarktes beitragen können.
Das Programm der Reise wurde durch weitere Fachgespräche und Unternehmensbesuche ergänzt. Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch des IT-Parks in Taschkent, bei dem die Delegation persönlich von Sherzod Shermatov, Minister für digitale Technologien der Republik Usbekistan, durch die Einrichtung geführt wurde. Der direkte Austausch mit dem Minister unterstrich die hohe politische Priorität, die Usbekistan der Entwicklung seiner Digitalwirtschaft beimisst. Der Delegation wurde dabei eindrucksvoll das Wachstumspotenzial des usbekischen IT-Sektors aufgezeigt: In den kommenden Jahren soll der Export von IT-Dienstleistungen von derzeit rund einer Milliarde auf fünf Milliarden Dollar gesteigert werden.
Die Delegationsreise und die 10. Jubiläumssitzung des Deutsch-Usbekischen Wirtschaftsrates setzten ein starkes Signal für die weitere Vertiefung der deutsch-usbekischen Wirtschaftsbeziehungen. Der Ost-Ausschuss wird diesen Dialog auch künftig aktiv begleiten und den Austausch zwischen Unternehmen und politischen Partnern auf beiden Seiten weiter ausbauen.
Vladimir Nikitenko
Regionaldirektor für Zentralasien
Andreas Metz
Leiter Public Affairs
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