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Vom Dialog zu praktischer Kooperation

46. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Astana. Foto: Kasachisches Außenministerium
23.04.2026
46. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs in Astana/ Austausch mit Präsident Tokajew

Vom 23. bis 26. April 2026 reisten mehr als 30 Vertreterinnen und Vertreter deutscher Unternehmen und Institutionen in die kasachische Hauptstadt Astana. Geleitet wurde die Delegation von der Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Cathrina Claas-Mühlhäuser. Anlass der Reise war die 46. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs (BEK) sowie bilaterale Gespräche mit der kasachischen Regierung im Kontext des Regional Ecological Summits in Astana (RES 2026). Im Mittelpunkt standen dabei Themen der deutsch-kasachischen Wirtschaftskooperation in den Bereichen Klima, Wasser, Landwirtschaft, Industrie und Logistik.

BEK: Wasser zentrales Thema

Im Mittelpunkt der Delegationsreise stand die 46. Sitzung des BEK unter dem Titel „Gemeinsam nachhaltige Entwicklung gestalten: Strategische Partnerschaft zwischen Kasachstan und Deutschland für eine grüne Zukunft“. Eines der zentralen Themen der Sitzung war Wasser, das in der Region längst zu einem wichtigen Faktor für wirtschaftliche Stabilität und Sicherheit geworden ist. In Kasachstan entfallen rund 80 Prozent der Süßwassernutzung auf die Landwirtschaft, was das Management von Wasserressourcen unmittelbar mit Ernährungssicherheit und wirtschaftlicher Entwicklung verknüpft.

Kasachstan ist einer der weltweit größten Weizenexporteure, und der Getreidesektor spielt sowohl für die Binnenwirtschaft als auch für die Exportposition des Landes eine strategische Rolle. Gerade deshalb wurde in den Diskussionen besonders betont, dass Wasser, Klima und Landwirtschaft nicht länger getrennt betrachtet werden dürften. Erörtert wurden aktuelle Herausforderungen für den Agrarsektor – von der geringen Erneuerungsrate bei Landtechnik bis hin zur Notwendigkeit der Digitalisierung und der Einführung wassersparender Lösungen.

Deutsche Unternehmen bauen Präsenz aus

Ein wichtiger praktischer Akzent lag auf der Rolle der deutschen Wirtschaft. Die Unternehmen CLAAS und CT Agro sind seit 25 Jahren in Kasachstan tätig und setzen die Lokalisierung der Produktion in Petropawlowsk fort, während gleichzeitig das Servicenetz ausgebaut wird. Neue Standorte sind 2026 in Petropawlowsk und 2028 in Kokshetau geplant. Besonderes Augenmerk gilt zudem der Fachkräftequalifizierung und dem Technologietransfer, was den langfristigen Charakter der Partnerschaft unterstreicht.

Ein nächster praktischer Schritt zur Vertiefung der Zusammenarbeit könnte die Einrichtung eines Kazakh-German Water Hub sein. Dabei geht es nicht nur um eine Plattform für fachlichen Austausch, sondern auch um einen Mechanismus zur Unterstützung des neuen Wasserkodexes in Kasachstan, zur Umsetzung von Pilotprojekten, zur Digitalisierung des Wassersektors sowie zur Ausbildung von Fachkräften. Im Rahmen der Sitzung wurden dazu Memoranden zwischen den zuständigen kasachischen Ministerien und dem unabhängigen Institut für Umweltfragen Deutschland sowie zwischen der staatlichen Gesellschaft „Kasachisches Zentrum für Modernisierung und Entwicklung der Wohnungs- und Kommunalwirtschaft“, German Water Partnership und dem deutschen Unternehmen System S&P GmbH unterzeichnet.

Die 46. BEK-Sitzung hat gezeigt, dass der Klub, der früher häufig vor allem als Plattform des politisch-wirtschaftlichen Austauschs wahrgenommen wurde, heute zunehmend als Format zur Vorbereitung gemeinsamer Projektlösungen dient. Gerade darin liegt ein zentrales Ergebnis des Forums: der Übergang vom Dialog hin zu praktischer Kooperation.

Empfang beim Präsidenten

Im Rahmen der Geschäftsreise wurde die Ost-Ausschuss-Vorsitzende Claas-Mühlhäuser von Präsident Kassym-Schomart Tokajew empfangen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Vertiefung der deutsch-kasachischen Wirtschaftsbeziehungen. Ein besonderes Augenmerk lag auf prioritären Kooperationsfeldern wie Energie, Maschinenbau, Agrarwirtschaft, Logistik und Wassermanagement. Darüber hinaus wurden Fragen der Modernisierung der Landwirtschaft, der Steigerung der Effizienz bei der Wassernutzung sowie Möglichkeiten einer Ausweitung der technologischen Zusammenarbeit in diesen Bereichen erörtert.

Die Gesprächspartner tauschten sich zudem über die Entwicklung der Transport- und Logistikanbindung, einschließlich des Potenzials des Mittleren Korridors, aus und diskutierten Perspektiven der Zusammenarbeit im Bereich kritischer Rohstoffe und nachhaltiger Infrastruktur. In diesem Zusammenhang wurde die wachsende Rolle Kasachstans als verlässlicher Partner Europas bei Rohstoffen, industrieller Kooperation und Transit hervorgehoben. Im Verlauf des Gesprächs wurde auch die Agenda des bevorstehenden deutsch-kasachischen Gipfeltreffens im Format Z5+1 angesprochen, das als wichtiges Dialogformat für die weitere Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Ländern Zentralasiens betrachtet wird.

Präsident Tokajew würdigte den bedeutenden Beitrag des Ost-Ausschusses zur Entwicklung der bilateralen Beziehungen und bekräftigte das Interesse an einer Fortsetzung gemeinsamer Initiativen und Investitionsprojekte.

Deutscher Beitrag zur Entwicklung des kasachischen Industriepotenzials

Im Rahmen eines bilateralen Treffens im Ministerium für Industrie und Bau stellte die deutsche Delegation zentrale Investitions- und Kooperationsvorhaben vor. Im Mittelpunkt standen Möglichkeiten zur Einbindung deutscher Unternehmen in laufende Industrie- und Infrastrukturprojekte. Vertreter der Delegation präsentierten dabei ausgewählte Projektansätze in den Bereichen Maschinenbau, Agrartechnik und Abwasserwirtschaft.

Zum Abschluss wurde im Rahmen einer Präsentation des industriellen Potenzials Kasachstans für die Leitung des Ost-Ausschusses ein Besuch in der Industriezone Astana organisiert. Dabei erhielt die Delegation Einblicke in ausgewählte Produktionsstandorte und laufende Investitionsprojekte. Ein Schwerpunkt war der Besuch der Produktionsplattform der YDA Group, die in Astana einen industriellen Komplex mit mehreren lokalisierten Fertigungsrichtungen betreibt, darunter modulare Baukomponenten, PVC- und Aluminiumlösungen sowie Produkte für Bau- und Sozialinfrastruktur. Vorgestellt wurden zudem neue Investitionsprojekte, darunter ein Werk für Sandwich-Paneele, mit dem die Gruppe ihre Präsenz in der kasachischen Bauindustrie weiter stärkt.

Weiterer Programmpunkt war der Besuch des Astanaer Lokomotivwerks von Alstom, das sich als Teil eines wachsenden Industrieclusters mit Akteuren wie Wabtec, Stadler Rail und Kazakhstan Temir Zholy entwickelt. Hervorgehoben wurde zudem die Exportfähigkeit des Standorts: 40 Lokomotiven des Typs AZ8A wurden bereits nach Aserbaidschan geliefert. Besondere Aufmerksamkeit galt der zunehmenden Integration des Standorts in internationale Lieferketten. Vorgestellt wurden Pläne für erste Lieferungen von Produkten aus Kasachstan nach Europa über den Mittleren Korridor, die bereits in diesem Jahr erfolgen sollen. Dies unterstreicht die wachsende Rolle Kasachstans nicht nur als Produktionsstandort für den regionalen Markt, sondern zunehmend auch als Bestandteil europäischer industrieller Wertschöpfungsketten.

Vladimir Nikitenko
Regionaldirektor Zentralasien

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Vladimir Nikitenko
Regionaldirektor Zentralasien
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