Die 47. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs (BEK) am 7. Oktober in Brüssel stand im Zeichen des Global Gateway Investment Hubs, einer im Oktober 2025 gestarteten Plattform der Europäischen Kommission, über die europäische Unternehmen Investitionsprojekte im Rahmen der EU-Investitionsinitiative Global Gateway einreichen und Unterstützung bei Finanzierung und Absicherung erhalten können. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit diskutierten, wie aus gemeinsamen Prioritäten der EU und Kasachstans konkrete, bankfähige Projekte werden können.
Zur Eröffnung erinnerte der kasachische Botschafter in Belgien Roman Vassilenko an den Besuch von Präsident Kassym-Schomart Tokajew in Brüssel im Juni. Nun komme es auf die praktische Ausgestaltung der europäisch-kasachischen Beziehungen an.
Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms verwies auf zehn Jahre Zusammenarbeit mit der kasachischen Botschaft im BEK-Format und ging auf den Besuch Tokajews in Berlin Ende September ein. Für die weitere Umsetzung der Kooperation biete Kasachstan aus seiner Sicht gute Voraussetzungen: Die Staatsführung verfolge gerade in einer unsicheren Welt einen klaren strategischen Kurs, und die politischen Rahmenbedingungen sorgten für ein verlässliches Geschäftsklima. Die Wirtschaft wachse um mehr als fünf Prozent, die verarbeitende Industrie habe sogar um 40 Prozent zugelegt. Großes Potenzial liege in der Zusammenarbeit bei kritischen Rohstoffen, denn 21 der 34 von der EU als kritisch eingestuften Rohstoffe kämen in Kasachstan vor. Für den Aufbau exportstarker Industrien brauche das Land zudem leistungsfähige Logistik – genau hier setze Global Gateway an.
Der Mittlere Korridor sei kein reines Transitprojekt zwischen Europa und China, sondern ein Entwicklungsprogramm für die Region selbst, mit Deutschland und Kasachstan als Ankerländern.
Der stellvertretende Außenminister Kasachstans Ardak Zebeshev gab in seiner online gehaltenen Keynote die Richtung vor: Von gemeinsamen Prioritäten zur Umsetzung bankfähiger Projekte. Als Schwerpunkte nannte er Verkehr, kritische Rohstoffe, Energie und Digitalisierung. Bei Rohstoffen wolle Kasachstan über die reine Lieferung hinaus Verarbeitung und Wertschöpfung im eigenen Land ausbauen – ein Punkt, den auch Sairan Baizhakhanov vom Ministerium für Industrie und Bau unterstrich, etwa mit Blick auf Titan für die Luftfahrtindustrie. Über die Investitionsagentur Kazakh Invest lägen bereits mehr als 100 Investitionsvorschläge vor, so Zebeshev. Der Wert des Investment Hubs hänge davon ab, ob er Projekte vom Konzept in die Umsetzung bringe.
Was Global Gateway in Kasachstan konkret verändern kann, war die Leitfrage der Paneldiskussion, die Mirco Nowak, CEO der LUNO-Group und Vorsitzender des Chapters Eurasien der Bundesvereinigung Logistik (BVL), moderierte. Peteris Ustubs, Direktor für Zentralasien, Asien und Pazifik in der Generaldirektion Internationale Partnerschaften der Europäischen Kommission, betonte, die Prioritäten der EU und Kasachstans seien deckungsgleich. Zur Einordnung nannte er die Handelszahlen: Kasachstan liefere Waren im Wert von rund 31 Milliarden Euro in die EU, umgekehrt seien es rund 10,5 Milliarden Euro. Italien allein importiere mehr aus Kasachstan als China.
Der Investment Hub sei für europäische Unternehmen die zentrale Anlaufstelle für technische Hilfe, Garantien und Finanzierung. Neu sei die Zusammenarbeit der Kommission mit Exportkreditagenturen. Als Einstiegsschwelle nannte Ustubs ein Projektvolumen ab zehn Millionen Euro, zudem sollten sich nationale Institutionen wie Förderbanken selbst beteiligen. Kleinen und mittleren Unternehmen aus der EU empfahl er, sich zu Konsortien zusammenzuschließen, der kasachischen Seite, auf Joint Ventures zu setzen. Auf Anfragen reagiere die Kommission innerhalb eines Monats.
Andrea Horf von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) stellte klar, dass der Hub selbst kein Förderinstrument sei, sondern den Zugang zu bestehenden Instrumenten koordiniere – in Deutschland über das „Team Germany“ aus Auswärtigem Amt, Wirtschafts- und Entwicklungsministerium sowie GIZ, KfW, DEG, Euler Hermes und Germany Trade & Invest. Die GIZ unterstütze Unternehmen etwa bei Machbarkeitsstudien und arbeite in Zentralasien an der Digitalisierung von Handels- und Transportdokumenten sowie an Rahmenbedingungen für Wasserstoffprojekte.
Zafar Khashimov, Länderdirektor der International Finance Corporation (IFC) für Kasachstan und Kirgisistan, der online zugeschaltet war, stellte die Instrumente der Weltbank-Tochter vor, von der Kofinanzierung früher Projektstudien bis zur Risikoabsicherung. In Kasachstan hat die IFC unter anderem 300 Millionen US-Dollar für die Staatsbahn KTZ bereitgestellt.
Für den stellvertretenden Verkehrsminister Damir Kozhakhmetov ist die zentrale Frage, welche Projekte reif für eine Finanzierung sind. Im April 2025 hatte die EU ein Global-Gateway-Paket von zwölf Milliarden Euro für Zentralasien angekündigt, drei Milliarden davon für den Verkehr. Die Bilanz des Korridors kann sich sehen lassen: Nach Kozhakhmetovs Angaben stieg das Frachtaufkommen in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 22 Prozent, die Transitzeit sank von 38 auf 13 bis 17 Tage, angestrebt werden zehn bis zwölf Tage. Die Zollabfertigung im Transit dauere nur noch 30 Minuten statt acht Stunden.
Als nächste Vorhaben nannte Kozhakhmetov unter anderem ein Fährsystem auf dem Kaspischen Meer und ein neues Hafenbecken in Aktau. Mit der Rhenus Group gibt es zudem eine Absichtserklärung zu einem Terminal im Hafen. Das Nadelöhr sei die Finanzierung der Projektvorbereitung, vor allem bankfähiger Machbarkeitsstudien – hier setze Kasachstan auf die Expertise der GIZ. Das Schwierigste sei die erste Million, brachte es Nowak auf den Punkt. Für Machbarkeitsstudien in Zentralasien, etwa entlang des Transkaspischen Korridors, gebe es laut Ustubs auf EU-Seite Fördermöglichkeiten.
Heinrich Kerstgens von Rhenus SE & Co. KG lenkte den Blick auf die Betreiber: „Infrastruktur allein bewegt keinen Container.“ Grenzverfahren, digitale Dokumente und ein Liniendienst über das Kaspische Meer kosteten wenig und wirkten schnell. Der Investment Hub sei die richtige Idee, sein Prüfstein aber die Geschwindigkeit: Ein Betreiber brauche eine Antwort in Monaten, nicht in Jahren. Einig waren sich die Diskutanten, dass der Korridor nur als regionales Gesamtprojekt funktioniere – Logistik ende nicht an der Grenze, so Nowak. Allein digitale Transportdokumente könnten die Transitzeit nach Berechnungen der Weltbank um sieben Tage verkürzen, sagte Ustubs. Dafür brauche es allerdings politischen Willen und rechtliche Anpassungen.
Dass Kasachstan nicht nur Investitionsziel ist, sondern selbst in Europa investiert, zeigte Abi Zivs, Chief Commercial Officer von KMG International, der europäischen Tochter des Öl- und Gaskonzerns KazMunayGas. Kasachstan sei der drittgrößte Rohöllieferant der EU. In Rumänien betreibt KMG International die Raffinerie Petromidia und plant im Hafen Midia eine multimodale Plattform, die den Mittleren Korridor an das transeuropäische Verkehrsnetz TEN-T anbinden soll.
Die 47. Sitzung des BEK machte deutlich: Global Gateway hat den Transkaspischen Korridor fest auf der europäischen Agenda verankert, und Kasachstan bringt konkrete Projektvorhaben mit. Ob daraus Investitionen werden, hängt nun vor allem an zwei Faktoren: der Finanzierung früher Projektvorbereitung und dem Tempo. Der Investment Hub kann dabei zum Bindeglied zwischen Projekten, Finanzierung und Unternehmen werden und den Schritt vom Korridor zum Projekt beschleunigen.
Aman Magauin
Abteilung Presse und Public Affairs
Evgeniya Temnaya
Assistentin
Zentralasien
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