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Von Lviv bis Odessa - Investitionschancen in fünf ukrainischen Kommunen

Solidarität mit der Ukraine in Deutschland. Foto: Andreas Metz
25.02.2026
Ost-Ausschuss startet neue Runde der Webinarreihe „Team Deutschland“ zum Wiederaufbau in der Ukraine / Berichte von ukrainischen Kommunen und deutschen Investoren

Am 25. Februar 2026 organisierte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft das Webinar „Regionale Investitionsmöglichkeiten in der Ukraine”. Mit über 80 Teilnehmende von deutschen und ukrainischen Unternehmen, Regierungsinstitutionen und internationalen Organisationen stieß es auf ein breites Echo. Die Veranstaltung, die in enger Zusammenarbeit mit, der GIZ, GTAI, Plattform für Wiederaufbau Ukraine und fünf ukrainischen Lokalverwaltungen ausgerichtet wurde, präsentierte aktuelle Investitionsmöglichkeiten in der Ukraine auf Grundlage neuer regionaler Studien.

Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses, hob zu Beginn die wachsende Bedeutung regionaler Investitionsmöglichkeiten in der Ukraine hervor. Anschließend hielt Gerlind Heckmann, Stellvertretende Generaldirektorin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die Keynote. Sie betonte die strategische Relevanz der vorgestellten Regionen und erläuterte die kontinuierliche Unterstützung der Bundesregierung für die deutsch-ukrainische Zusammenarbeit, insbesondere im Bereich wirtschaftlicher Entwicklung und Wiederaufbau. 

Fünf starke Regionen

Die fünf ukrainischen Bezirke Odessa, Lviv, Winnyzja, Kyjiw und Iwano-Frankiwsk stellten klare, branchenspezifische Chancen für Investitionen innerhalb ihrer Kommune vor, die durch neue analytische Studien und lokale Entwicklungsstrategien untermauert wurden.

Die Hauptstadt Kyjiw bleibt dabei der wichtigste Standort für deutsche Unternehmen, mit starken Branchen in den Bereichen Lebensmittel, Bauwesen und Energie sowie lokalen Anreizen wie Steuerbefreiungen und Finanzierungsmöglichkeiten. Das westukrainische Lviv (Lemberg) sticht als wichtiges Logistik- und IT-Zentrum hervor, mit über 100 Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie und rund 50.000 IT-Fachkräften. Die galizische Metropole Iwano-Frankiwsk am Rand der Karpaten hob seine Investitionsparks, aktiven Entwicklungsprojekte und seine wachsende Rolle im Bereich der grünen Energie hervor. Das zentralukrainische Winnyzja betonte seine Bedeutung in den Bereichen Landwirtschaft, Logistik und industrielle Produktion, unterstützt durch neue Industrieparks und stabile Energiebedingungen. Die Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer wiederum präsentierte Möglichkeiten im Bereich der Energieinfrastruktur, darunter Batteriespeicher und laufende ausländische Investitionsprojekte.

Erfahrungsberichte von Unternehmen

Deutsche Unternehmen, die in der Ukraine tätig sind, zeigten eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit, unterstützt durch motivierte Arbeitskräfte und die lokale Verwaltung. Die HHLA International GmbH berichtete trotz Sicherheitsbedrohungen von einem kontinuierlichen Betrieb ihres Terminals in Odessa. Der dortige Hafen bleibt ein bevorzugtes Ziel für Raketenangriffe. Trotzdem hält das Unternehmen seit Kriegsbeginn fast ununterbrochen den Betrieb aufrecht. Die Motivation der Belegschaft sei extrem hoch. Zu den Herausforderungen gehörten die Anpassung an neue Sicherheitsstandards, die Bewältigung der Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte und Bedenken hinsichtlich der Mobilisierung von Mitarbeitern, die sich auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften auswirken. 

LEONI betonte seine langjährige Präsenz in der Ukraine mit großen Werken an den westukrainischen Standorten Stryi (bei Lviv) und Kolomyia (bei Ivano-Frankivsk), die über 30 europäische Automobilhersteller beliefern. Die Produktion blieb 2025 trotz Luftalarme stabil, da nur rund 1 Prozent der Arbeitszeit betroffen war und Backup Systeme verlässlich funktionierten. Herausforderungen entstünden vor allem durch den Fachkräftemangel sowie durch die zeitweise verzögerte Grenzabfertigung durch Neuregelungen beim EU Einreise-/Ausreisesystem. Insgesamt verzeichnet das Unternehmen aber eine stabile Entwicklung und zeigt die hohe Widerstandsfähigkeit der Fertigung in der Westukraine.

MC-Bauchemie ist seit 2005 in der Ukraine über eine eigene Tochtergesellschaft aktiv und betreibt in Berezan bei Kyjiw einen Produktionsstandort mit akkreditiertem Betonlabor. Das Unternehmen unterstützt Infrastruktur- und Wiederaufbauprojekte durch die Entwicklung und Prüfung spezieller Betonmischungen. Zu den wichtigen Referenzen zählen das Kernkraftwerk Chmelnyzkyj, die Autobahn N 31, Flughafenprojekte und Kollektorsanierungen in Kyjiw. Seit 2020 passt die MC-Academy gemeinsam mit der Nationalen Universität für Bauwesen und Architektur europäische Zertifizierungsprogramme an ukrainische Anforderungen an und trägt so zur Ausbildung von Fachkräften für den Wiederaufbau bei.

Vernetzung der Teilnehmenden 

Ein wichtiger Teil des Webinars bestand in fünf, an den beteiligten Regionen orientierten Breakout-Sessions, die gezielte Diskussionen über lokale Anreize, Branchenprioritäten und Geschäftsanforderungen ermöglichten. Zu den wichtigsten Feldern für zukünftige Investitionen gehören demnach die Branchen Energie, IT, Bauwesen, Landwirtschaft, grüne Technologien und Logistik.

In den westukrainischen Kommunen sind Sicherheitsprobleme durch den andauernden Krieg deutlich geringer als in Kyjiw oder Odessa. Zu den gemeinsamen Herausforderungen gehört aber die eingeschränkte Verfügbarkeit von Arbeitskräften, Strom- und Energieausfälle und Verzögerungen in der grenzüberschreitenden Logistik. Insgesamt beteuern die beteiligten Unternehmen aber, dass sie gelernt hätten, mit den Schwierigkeiten umzugehen.
Die Veranstaltung war eine gute Plattform, um deutsche Unternehmen mit ukrainischen Regionalbehörden zusammenzubringen und den Dialog über Investitionsperspektiven und Wiederaufbaustrategien zu fördern. Die Webinarreihe wird fortgesetzt – mit weiteren Branchenschwerpunkten und vertiefenden Formaten. Das nächste Webinar findet am 13. März zum Schwerpunkt Gesundheitswirtschaft, Medizintechnik & Pharma statt. Hier finden Sie alle Termine im Überblick.

Kateryna Kyslenko
Service Desk Ukraine im Ost-Ausschuss

Azimjon Barakaev
Praktikant im Bereich Presse und Public Affairs

Kontakt

Kateryna Kyslenko
Leiterin Service Desk Ukraine
T. +49 30 206167-129
K.Kyslenko@oa-ev.de

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