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Corona durchkreuzt alle Wachstumsziele

Wolkenkratzer in Moskau, Foto: Pixabay
26.05.2020
Einschätzung zu den makroökonomischen Auswirkungen der Corona-Epidemie auf die russische Wirtschaft

Am 26. Mai 2020 führte der OAOEV eine Video-Konferenz mit der Chefvolkswirtin der Alfa-Bank Natalia Orlowa durch, die eine Einschätzung zu den makroökonomischen Auswirkungen der Corona-Epidemie auf die russische Wirtschaft gab.

Laut Orlowa war die Stimmung in Russland zu Beginn des Jahres noch optimistisch, nicht zuletzt auch durch die Benennung einer neuen Regierung. Während sich Präsident Putin in den letzten Jahren vor dem Hintergrund der Sanktionen stärker an einer geopolitischen Agenda orientierte, sollte nun der Fokus auf ein stärkeres Wachstum gerichtet werden. Die Corona-Pandemie setzte diesen Bemühungen jedoch ein frühes Ende. Nach aktuellen Prognosen der Zentralbank rechne man mit sechs Prozent Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Am meisten leiden der Dienstleistungssektor und die kleinen Unternehmen.

Regierung hält sich mit Rettungspaketen zurück

Hinsichtlich der Unterstützungsmaßnahmen habe Russland im Krisenjahr 2009 mit einem Finanzvolumen von fünf Prozent des BIP ein wesentlich größeres Rettungspaket für die Wirtschaft geschnürt, als dies mit 1,8 Prozent im Jahr 2020 der Fall war. Die russische Regierung sei derzeit nicht bereit, extrem hohe Summen auszugeben. Mit Blick auf das ganze Land sei die Corona-Krise vor allem eine Krise der Großstädte. Der Unterschied zu den Regionen sei enorm. Dass Russland sehr groß sei und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hier nur ein kleiner Teil der Bevölkerung in Großstädten leben (ca. 25 Prozent), sei in diesem Fall ein Vorteil.

Interessant war eine Grafik des Yandex Mobility Indicators, die laut Natalia Orlowa noch einmal veranschaulichte, dass Moskau im Vergleich zu den Regionen vom Rückgang der Mobilität als Folge der Isolations-Maßnahmen weitaus stärker betroffen war als die Regionen und langsamer zur Normalität zurückfinden wird.

Hinsichtlich der Folgen der aktuellen Krise seien die Unternehmen aus den Sektoren Handel, Sport und Freizeit am meisten betroffen und würden sich erst langsam erholen, zumal hier die Zahl der kleinen Unternehmen am höchsten sei. Andere Sektoren spürten zwar die Auswirkungen des Lockdowns, würden sich aber wahrscheinlich ganz gut erholen, so die Sektoren Transport, Bau, Finanzen und Immobilien. Letzterer erfahre zurzeit eine strukturelle Verschiebung hin zu einer erhöhten Nachfrage nach Immobilien außerhalb der Großstädte, vor allem im Umland von Moskau. Der Urlaub werde in diesem Jahr im Land verbracht, was eine Immobilie außerhalb Moskaus hochattraktiv mache.

Auch die Politik der Importsubstitution, die in den letzten Jahren stark vorangetrieben wurde, erweise sich jetzt als hilfreich, da Russland dadurch weniger integriert in internationale Lieferketten sei. Dennoch habe man die Auswirkungen der Werksschließungen in China und Europa stark gespürt. Diese Entwicklung führe aber zu einem neuen Impuls für eine zunehmende Importsubstitution mit einem Fokus auf die Industrieproduktion.

Kontakt

Dr. Christiane Schuchart
Regionaldirektorin Russland
Tel.: 030 206167-123
C.Schuchart@bdi.eu

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