Vom 14. bis 17. Juni 2026 reiste eine Wirtschaftsdelegation mit Beteiligung des Ost-Ausschusses und unter Leitung von Stefan Rouenhoff, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), nach Kasachstan und Usbekistan. Mitgliedsunternehmen des Ost-Ausschusses gehörten zudem einer Wirtschaftsdelegation an, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für seinen Usbekistan-Besuch am 17. und 18. Juni ausgewählt hatte. Am 17. Juni kamen beide Delegationen in der usbekischen Hauptstadt im Rahmen von Wirtschaftstreffen zusammen. Der Ost-Ausschuss beteiligte sich in beiden Fällen an der Zusammenstellung der Delegationen und der Programmgestaltung.
Im Rahmen der Gespräche Wirtschaftsdelegation mit hochrangigen Vertretern Kasachstans in den Städten Almaty und Astana ging es um den Ausbau der bilateralen Zusammenarbeit insbesondere in den Bereichen Industrie, Energie, Rohstoffe sowie Transport. Unter anderem traf sich die 15-köpfige Delegation mit dem Industrie- und Bauminister Ersaiyn Nagaspajew, dem wirtschaftspolitischen Berater von Staatspräsident Qassym-Schomart Tokajew, Nurlan Baibasarow, sowie dem Vize-Energieminister Sanzhar Zharkeshow.
Als größter Wirtschaftspartner Deutschlands in Zentralasien bietet Kasachstan in diesen Branchen attraktive Wachstums- und Investitionschancen. Angesichts der ambitionierten Modernisierungspläne des Landes und des hervorragenden Rufs deutscher Unternehmen vor Ort gilt es, die vorhandenen Möglichkeiten konsequent zu nutzen. Eine engere Zusammenarbeit fördert die Diversifizierung von Lieferketten sowie neue Perspektiven für Innovation und Wachstum auf beiden Seiten.
Ein zentrales Ergebnis des Besuchs von Bundespräsident Steinmeier in Usbekistan war der Start mehrerer konkreter Industrie- und Infrastrukturprojekte. Die Wirtschaftsdelegation traf in Taschkent neben dem Bundespräsidenten auch dessen usbekischen Amtskollegen Shavkat Mirziyoyev. Dabei unterzeichnete die deutsche Wirtschaftsdelegation im Beisein beider Präsidenten Vereinbarungen über mehrere Projekte deutscher Unternehmen in Usbekistan. Dazu zählt insbesondere die Eröffnung eines Volkswagen-Montagewerks in Taschkent, das perspektivisch den regionalen Markt in Zentralasien und darüber hinaus bedienen soll. Angestoßen wurden zudem weitere Kooperationsprojekte wie der Aufbau eines Logistikzentrums in der Region Andijan in Zusammenarbeit mit der Rhenus Group, die Produktion von Konsumgütern gemeinsam mit Henkel, sowie Initiativen im Bildungsbereich, etwa Ausbildungsprogramme mit Deutsche Bahn und ein neues telc-Sprachprüfungszentrum. Außerdem stand ein Runder Tisch mit usbekischen Unternehmen im Rahmen des Taschkent International Investment Forums (TIIF) auf dem Programm.
„Angesichts des intensiven internationalen Wettbewerbs in und um Zentralasien ist es enorm wichtig, dass die deutsche Politik hier Flagge zeigt“, sagt Niko Warbanoff, Sprecher des Arbeitskreises Zentralasien im Ost-Ausschuss, der an der Delegationsreise teilnahm. Usbekistan habe sich in den vergangenen Jahren zu einem der dynamischsten Märkte Zentralasiens entwickelt und nehme eine politische und logistische Schlüsselrolle in der Region ein. „In einem zunehmend unsicheren globalen Umfeld sind verlässliche Partnerschaften, alternative Transportwege und resiliente Lieferketten wichtiger denn je“, so Warbanoff. Zugleich wächst auf usbekischer Seite das Interesse an lokaler Wertschöpfung und Technologiekooperation. Für deutsche Unternehmen entstehen daraus zusätzliche Chancen in Produktion, Anlagenbau und Projektgeschäft.
Am zweiten Tag besuchte Steinmeier die Niederlassung des Ost-Ausschuss-Mitglieds GP Günter Papenburg. Ein zunehmend wichtiges Feld der Zusammenarbeit ist die Gewinnung und Qualifizierung usbekischer Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt. Dafür bildet die im September 2024 vereinbarte bilaterale Migrations- und Mobilitätspartnerschaft einen wichtigen Rahmen. Der Bundespräsident tauschte sich bei seinem Besuch bei Papenburg mit Vertreterinnen und Vertretern deutscher Unternehmen, Ausbildern und Auszubildenden zum Thema Fachkräftemigration aus.
Während Kasachstan mit einem Anteil von rund 80 Prozent der größte Faktor im deutschen Zentralasien-Handel ist, bietet Usbekistan mit rund 37 Millionen Einwohnern den größten Markt Zentralasiens. Das Land verfügt über wichtige Rohstoffe, eine wachsende Automobil- und Textilindustrie und positioniert sich als digitale Drehscheibe Zentralasiens. Mit der neuen Eisenbahnverbindung zwischen China, Kirgisistan und Usbekistan entsteht zudem ein strategisch bedeutender neuer Transportkorridor in Eurasien. Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich dynamisch. So stieg der Warenverkehr zwischen Deutschland und Usbekistan im Jahr 2025 um ein Viertel auf 1,5 Milliarden Euro.
Andreas Metz
Leiter Public Affairs
Vladimir Nikitenko
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